So lange die Schnäbel gelb sind, füttern zwei Bernauer junge Vögel per Hand 

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Franz Sollich hat einen Vogel - auf dem Kopf. Marion Sollich hat den Spatz in der Hand und füttert den kleinen Piepmatz mit der Pinzette.

Marion und Franz Sollich aus Bernau haben nicht nur einen Vogel. Das Ehepaar zieht junge Piepmätze, die aus dem Nest gefallen sind, liebevoll per Hand auf und lässt sie dann wieder frei.

Bernau – In der Küche pfeifen die Spatzen vom Tisch, im Garten flattern exotische Sittiche und im Stall gackern die Hühner. Bei Familie Sollich am Ortsrand von Bernau flattert und piepst es ununterbrochen. Hier finden junge oder heimatlose Vögel ein Zuhause auf Zeit. „Mir san halt viecherldamisch“, lacht Marion Sollich zur Erklärung, warum sie und ihr Mann Franz sich so liebevoll um das Federvieh kümmern.

Die ersten Vogelküken waren Amseln

Angefangen hat alles mal mit drei winzigen Amselbabys, die im Nachbarsgarten aus dem Nest gefallen war, erinneret sich die 46-Jährige im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. Sie und ihr Mann (53) nahmen sich der blinden und nackten Piepmätze an. Die Sollichs besorgten sich die ersten Käfige und fingen an, die Vogelbabys geduldig mit der Pinzette zu füttern.

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Diese Nymphensittiche haben bei der Familie Sollich ein neues Zuhause gefunden.

Was gelbe Schnäbel bedeuten

Das Ehepaar kam auf den Geschmack und fing an, sich ins Thema Vogelaufzucht einzulesen. „Solange die Schnäbel gelb sind, müssen sie gefüttert werden“, erklärt Marion Sollich heute sachkundig, während sie Lucie und Annabelle zum Abendessen aus dem Käfig holt. Das teure Spezialfutter bestellen die Sollichs extra für ihre kleinen Gäste im Internet.

Franz Sollich hat einen Vogel - auf dem Kopf.

In der Mittagspause Vögelfüttern

Marion und Franz arbeiten beide zu unterschiedlichen Zeiten im Schichtdienst als Vollzugsbeamte, sie bei der Justizvollzugsanstalt (JVA) Bernau, er als Leiter des Vollzugs in Bad Reichenhall. Dass Marion statt Mittagspause nachhause fährt zum Vögel füttern ist sie normal. Manchmal, wenn es eng wird, springt auch der 17-jährige Franz junior als Vogel-Flüsterer ein.

Neue Schützlinge kommen über Facebook

Die Tischnachbarn in der Küche, die beiden kleinen Spatzen, haben in ihrem Käfig auf dem Küchentisch einen Fensterplatz. Es ist einer von vier Aufzuchtkäfigen im Haushalt.

Getauft wird der flatternde Nachwuchs immer spontan. Annabelle und Lucie sind die Nachmieter von Fridolin. Er war auch ein kleiner Spatz, der dank guter Pflege gut 30 Tage nach der Geburt flügge wurde und von den Sollichs an Pfingsten in die Freiheit entlassen.

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Die Sollichs lieben Tiere

Das Ehepaar hat ganz offensichtlich einen guten Draht zu anderen Zwei- und Vierbeinern. Beide sind mit allerlei Tieren aufgewachsen und hatten schon verschiedene treue Begleiter mit Fell oder Federn, erzählt Marion Sollich, während sie Lucie vorsichtig flüssige Nahrung in den weit aufgerissenen Schnabel träufelt.

Facebook macht den Kontakt

Die Vogelbabys finden heutzutage meistens dank Facebook zu den Sollichs. Marion ist Mitglied der Gruppe „Chiemgau – da bin i dahoam“, die gerade die Schallmauer von 9000 Mitgliedern durchbrochen hat. Als sich abzeichnete, das ein Käfig frei wurde, hatte sie vor Wochen angeboten, Jungvögel aufzunehmen und aufzuziehen. So kamen Lucie und Annabelle aus Prien und Bernau zu den Sollichs.

Wenn Besitzer sterben...

Vor dem Küchenfenster schaut es ein bisschen exotisch aus. In einer Voliere setzen sich fünf Nymphensittiche sofort in Pose, als Frauchen auftaucht. Die Sollichs haben die Tiere eines Verstorbenen bei sich aufgenommen. Franz baut gerade eine größere Voliere für sie – es ist schon die dritte im Garten. Dafür muss sogar der rankende Wein an der Mauer weichen.

Welche Vogelarten sie nicht aufnehmen können

Größer als Nymphensittiche oder Raben sollten die Vögel aber nicht sein, die im Osten Bernaus ein neues Zuhause finden. Für noch größere Volieren ist einfach kein Platz.

Auch hier leistet das Facebook-Netzwerk gute Dienste. Da meldete sich zum Beispiel eine Chiemgauerin und bot an, verletzte oder junge Greifvögel bei sich aufzunehmen, weil sie auf deren Pflege und Aufzucht spezialisiert sei. So helfen sich die Tierfreunde im Chiemgau gegenseitig, um das Leben vieler Vögel zu retten.

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