KARTIERUNG AN DER TIROLER ACHE

93 Vogelarten entdeckt

93 Vogelarten konnte der Landesbund für Vogelschutz bei der Kartierung im vergangenen Jahr entlang der Tiroler Ache feststellen. Diese Ergebnisse bezeichnete Projektleiterin Sabine Pröls nun im Gasthof „Zum Ott“ in Staudach-Egerndach als erfreulich. Auch einige sehr seltene Vögel habe man sichten können.

Achental – Sechs Kartierer hatten sich im vergangenen Jahr auf die Suche nach den an der Tiroler Ache lebenden und brütenden Vogelarten begeben. Sie untersuchten den Bereich von der Grenze zu Tirol bis zur Dorotheenstraße. Wie Pröls erklärte, hätten sie das Achendelta nicht kartiert, da dieser Bereich bereits beschrieben sei. Man beschränkte sich auf die 24 Kilometer der Tiroler Ache auf bayerischer Seite.

„Die Tiroler Ache hat viele Gesichter“, so Pröls. Bei Niedrigwasser sei ein Abfluss von 35,6 Kubikmetern pro Sekunde gegeben, bei einem mittleren Hochwasser mit 342 Kubikmetern pro Sekunde das Zehnfache. In sechs Abschnitten seien die Uferzonen der Ache untersucht worden, jeder Abschnitt sei viermal begangen worden, auch eine Nachtbegehung sei auf dem Programm gestanden. Die häufigste Vogelart, die angetroffen worden sei, sei der Buchfink gewesen. Unter den festgestellten 93 Arten befinden sich laut der Projektleiterin 34, die auf der bayerischen „Roten Liste“ für vom Aussterben bedrohte Arten, 20 auf der deutschen sowie 40 auf der europäischen Liste stehen.

Flußuferläufer, Grauspecht und Wasseramsel

Im Durchbruchstal zwischen Kössen und Schleching, dem ersten untersuchten Gebiet, konnten 48 Arten festgestellt werden, darunter auch der Flußuferläufer, eine Art, die höchste Ansprüche an das Gewässer stelle. Am häufigsten sichtete man den Grauspecht. Aber auch Wasseramseln und etliche Bergwaldarten entdeckten die Kartierer.

Von der Brücke Ettenhausen bis nach Unterwössen registrierten sie mit 63 Arten die größte Vielfalt. Sogar zwei Reviere des Flußregenpfeifers konnten erspäht werden.

Im Bereich zwischen Unterwössen und Marquartstein waren es 57 Vogelarten. Unter anderem gelang es, sieben Reviere der Gebirgsstelze, sechs der Wasseramsel und ein Revier des Gänsesägers zu entdecken.

Zwischen Marquartstein und Staudach-Egerndach konnten 55 Arten kartiert werden. In 16 Revieren konnteder Haussperling geortet werden. Zudem gelang es hier, den Eisvogel zu beobachten.

59 Arten waren zwischen Staudach-Ederndach und Osterbuchberg zu registrieren. Hier hielten sich auch 13 von 14 insgesamt entdeckten wassergebundenen Vogelarten auf. Nur hier war die einzige Dorngrasmücke zu sehen.

Die geringste Artenvielfalt wies das letzte untersuchte Stück vom Auwald im Naturschutzgebiet bis zur Dorotheenstraße auf. Nur knapp 50 Arten wurden kartiert. Dafür fand sich hier ein Revier des Eisvogels.

Enttäuschend sei, so die Projektleiterin, dass man auf der gesamten Strecke nur einen Pirol entdeckt habe. Außerdem sei der Kleinspecht nur selten vorgekommen.

Zu den Konflikten erklärte Pröls, dass durch die Eindeichung des Flusses zu wenig Platz für die Vögel bleibe und somit wertvolle Strukturen verloren gingen. Auch die geringe Fluß-Dynamik mit wenigen Umlagerungsstrecken kritisierte sie. Auf Tiroler Seite sei die Ache mehr aufgeweitet worden. Zudem gebe es kaum Kiesbänke ohne Verbindung zum Ufer. Dadurch werden die Vogelarten, die diese Stellen zum Nisten brauchen, laut Pröls durch Spaziergänger gestört.

Natürlich müsse der Hochwasserschutz gewährleistet sein, dennoch sei die Eindeichung kritisch zu werten. Man müsse versuchen, einen neuen Blick auf die Ache zu werfen. An manchen Stellen könnten Deiche zurückgelegt und der Fluss mit Auen verbunden werden. Im Bereich Unterwössen, so Pröls, sei es möglich, die alte Achenrinne wieder anzubinden. Positiv wertete sie die Fischtreppe oberhalb des Marquartsteiner Wehrs. Dadurch sei die Durchgängigkeit wieder hergestellt.

Schade sei, dass Anfang Juni der komplette Deich gemäht werde. Auch botanisch sei dieser Bereich wertvoll. Wünschenswert sei, so die Projektleiterin, dass stellenweise Pflanzen auch über den Winter stehen bleiben könnten und somit Versteckmöglichkeiten bieten würden. Das Ausbaggern an der Kiesfalle bedeute eine erhebliche Störquelle. Es sei zu prüfen, ob eine Kiesentnahme noch berechtigt sei.

Die intensive Freizeitnutzung durch Spaziergänger und Radfahrer sah sie als unproblematisch an. Auch das „Rafting“ an sich störe nicht, wohl aber wenn im Bereich des Durchbruchtals Leute aussteigen und hier pausieren. Mehr Probleme bereiten laut Pröls nicht angeleinte Hunde. Sie meinte, dass Hundebesitzer selbst erkennen sollten, wo ein freilaufender Hund problematisch sei. Der Naturpavillon in Übersee habe hierfür ein Angebot zur Bewusstseinsförderung unterbreitet, das aber nicht angenommen worden sei. Man sollte versuchen, an die Hundehalter zu appellieren, ihre Tiere an die Leine zu nehmen.

Als Vorschlag kam, mit Schildern auf diese sensiblen Bereiche, in denen auch der Flußregenpfeifer vorkommt, hinzuweisen. tb

Kommentare