SEGELN NICHT AUF PROGRAMM FÜR PARALYMPICS 2020

Völliges Unverständnis

Die Segler mit Handicap und ihre Förderer sind nach den Erfolgen von Rio nun sehr enttäuscht, dass ihr Sport bei den Paralympics 2020 in Tokio nicht mehr auf dem Programm steht. Auf unserem Bild sind zu sehen (Reihe unten von links) „Siggi“ Mainka (Paralympics in Rio, sechster Platz in der Bootsklasse Sonar), Dr. Detlef Müller-Böling (Mitte mit Auszeichnung), der zum sechsten Mal bayerischer Meister in der Klasse 2.4m wurde, und Wilfried Klein, Abteilungsleiter Segeln im Bayerischen Landessportverband (BLSV), sowie (Reihe oben von links) Sonar-Bundestrainer Christian Bittner, SCPC-Vorstand Lothar Demps, Vorstand des Segelclubs Prien am Chiemsee (SCPC), Landtagsabgeordneter Klaus Stöttner und Klaus Drauschke, der Vizepräsident des BLSV.  Dachs
+
Die Segler mit Handicap und ihre Förderer sind nach den Erfolgen von Rio nun sehr enttäuscht, dass ihr Sport bei den Paralympics 2020 in Tokio nicht mehr auf dem Programm steht. Auf unserem Bild sind zu sehen (Reihe unten von links) „Siggi“ Mainka (Paralympics in Rio, sechster Platz in der Bootsklasse Sonar), Dr. Detlef Müller-Böling (Mitte mit Auszeichnung), der zum sechsten Mal bayerischer Meister in der Klasse 2.4m wurde, und Wilfried Klein, Abteilungsleiter Segeln im Bayerischen Landessportverband (BLSV), sowie (Reihe oben von links) Sonar-Bundestrainer Christian Bittner, SCPC-Vorstand Lothar Demps, Vorstand des Segelclubs Prien am Chiemsee (SCPC), Landtagsabgeordneter Klaus Stöttner und Klaus Drauschke, der Vizepräsident des BLSV. Dachs

Prien – Bei den Paralympics im brasilianischen Rio de Janeiro schossen sie bei schwersten Bedingungen über das unruhige Wasser der Guanara-Bucht.

Tolle Fahrten legten sie hin. Im japanischen Tokio 2020 werden die Handicap-Segler aber nicht mehr die Fahnen ihrer Länder hochhalten. Das Internationale Paralympische Komitee (IPC) hatte 2014 entschieden, die Sportart aus dem Programm für Tokio zu nehmen. Und diese Entscheidung trifft gerade jetzt, nach den Erfolgen in Rio, in Prien, einem Leistungszentrum der Segler mit Handicap, auf völliges Unverständnis.

„Mein Können und mein Wissen zählt, nicht ob ich ein Bein habe“, betonte Siegmund Mainka in Prien. Mit seiner Crew hatte er in Rio den sechsten Platz erkämpft, nur vier Punkte fehlten zur Silbermedaille in der Bootsklasse Sonar.

Neben Mainka (Yachtclub Berlin-Grünau) fanden auch Jens Kroker (Norddeutscher Regattaverein/Yachtclub Berlin-Grünau) und Bundestrainer Christian Bittner (Sonar-Klasse) klare Worte beim Segelclub Prien am Chiemsee (SCPC). Neben Mainka und Kroker sowie Crew-Kamerad Lasse Klötzing (Potsdamer Yacht Club) waren auch Heiko Kröger (Norddeutscher Regatta Verein) und als Begleitung Alexander Neufang (SCPC) in Brasilien dabei.

SCPC-Vorstand Lothar Demps, Landtagsabgeordneter Klaus Stöttner und Klaus Drauschke, Vizepräsident des Bayerischen Landessportverbands, sind zwar enttäuscht, dass 2020 kein paralympisches Segeln stattfindet. Sie sagen aber, dass für die nächste Entscheidung des IPC 2018 „der Zug noch nicht abgefahren ist“. Ihre Hoffnung ist, dass Segeln bei den übernächsten Paralympics 2024 wieder dabei sein wird. Hierfür möchten nun alle Beteiligten nicht nur die Werbetrommel rühren, sondern auch alle Hebel in Bewegung setzen, dass die Politik auf Landes- wie auf Bundesebene Fürsprecher der Segler mit Handicap wird.

Förderungen „drastisch gekürzt“

Wie Lothar Demps deutlich macht, sind die Konsequenzen dieser Entscheidung von 2014 weitreichend. Das Segeln mit Handicap erfahre einen herben Rückschlag. Die Fördermittel vom Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband Bayern und dem Staatsministerium seien „drastisch gekürzt“ worden, so Demps. „Die Stelle des Landestrainers wurde gestrichen. Die Leistungskader in den Klassen 2.4m und Sonar werden ihren hervorragenden Trainingsstand über die Jahre nicht halten können.“

Demps ist zuversichtlich, dass 2024 Segeln als paralympische Disziplin wieder dabei sein wird. Denn Segeln mit Handicap müsse eine Aufwertung erfahren – damit auch und gerade der SCPC das alles schafft. „Wir brauchen dringend finanzielle Unterstützung, damit die Förderung des Leistungskaders und die Stelle des Landestrainers erhalten bleibt.“ Ebenso müsse Vorsorge getroffen werden, dass auch für die vielen Jugendlichen beim SCPC der Anreiz erhalten bleibt, in den Leistungskader aufsteigen zu können.

Seine Entscheidung, Segeln aus dem Programm für Tokio 2020 zu nehmen, hatte das IPC unter anderem mit der mangelnden Verbreitung des Segelsports mit Handicap begründet. Aber vor allem hatte das Komitee auf die hohen Kosten und die geringe mediale Präsenz hingewiesen.

Diese Entscheidung trifft auch Christian Bittner, den Bundestrainer in der Klasse Sonar, bitter. „Ohne ihn hätten wir die Erfolge nicht erreicht“, betont Jens Kroker, der Bittner als „die gute Seele“ bezeichnet.

Ohne dessen Geduld, Ermutigungen und fachliche Kompetenz wäre nie so viel erreicht worden, so Kroker, der mit Mainka schon seit zehn Jahren im Team segelt und bei den Paralymics in Peking Gold holte und in London Silber.

Kommentare