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Erinnerungen an den zweiten Weltkrieg

Völkerverständigung per Facebook: US-Veteranen tauschen sich mit Chiemgauern aus

Hobart Radewagen (rechts) spricht zu seiner Mannschaft im Inzell. Das Bild wurde von Marc Belhumeur, der ebenfalls in der Facebook-Gruppe aktiv ist, mit Farbe nachbearbeitet.
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Hobart Radewagen (rechts) spricht zu seiner Mannschaft im Inzell. Das Bild wurde von Marc Belhumeur, der ebenfalls in der Facebook-Gruppe aktiv ist, mit Farbe nachbearbeitet.
  • Heidi Geyer
    vonHeidi Geyer
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Ihre Väter war auf beiden Seiten im Zweiten Weltkrieg, nun helfen sie sich gegenseitig, die Erinnerungen an diese Zeit zu sortieren. Über die Völkerverständigung zwischen Chiemgau und den USA in einer Facebookgruppe.

Los Angeles/Chiemgau – Früher standen sich ihre Väter und Großväger als Soldaten als erbitterte Gegner gegenüber, heute tauschen sich ihre Söhne und Enkel über die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg aus. In der Facebook-Gruppe „20th Armored Division in World War II“ werden Bilder aus der Nachkriegszeit und gemeinsame Erlebnisse im Chiemgau geteilt.

1188 Mitglieder hat die Gruppe, aber viele der Veteranen aus der US-Armee leben heute nicht mehr. Wie der Vater von Rich Mintz (57) aus Los Angeles. „Er war kein Berufssoldat, sondern ein ganz normaler Durschnittsjunge“, sagt Mintz in der Videokonferenz mit der Chiemgau-Zeitung. 1928 wurde sein Vater geboren und zog mit nur 17 Jahren in den Krieg.

Division befreite auch KZ Dachau

Ein Teil der Panzerdivision befreite auch das Konzentrationslager Dachau. Am 6. Mai 1945 eroberte die Armee Salzburg, danach blieben die Soldaten noch bis in den Juli hinein im Chiemgau. Im Gebäude des Chiemsee Yacht Clubs haben sich die Soldaten damals zeitweise erholen dürfen.

Fred Radewagen (77) ist ebenfalls ein aktiver Nutzer und Autor in der Facebook-Gruppe. Seine Uroma stammte aus Bayreuth. Zwei Generationen nach ihr zog Radewagens Vater Hobart mit der 20th Armored Division gegen das Land seiner Vorfahren in den Krieg und war auch mehrere Wochen im Chiemgau stationiert.

Reise geplant

„Wir möchten nächstes Jahr mit unserer Familie die Orte besuchen, die einen Bezug zu unserer Familie haben“, schreibt Radewagen in einer Email an die Chiemgau-Zeitung. Auf der Agenda stehen Bayreuth, die Kirche, in der seine Urgroßeltern in Nürnberg getraut worden waren und der Chiemgau. Dort habe sein Vater den Bronze Star, eine Auszeichnung der US-Armee, für seine Verdienste im Krieg bekommen. Viele Bilder und Zeitungsausschnitte gibt es aus dieser Zeit, die in der Facebook-Gruppe frei zugänglich sind.

Wo diese Bilder genau entstanden sind, das ist oft nicht ganz klar für die Nachkommen. Hier kann der Traunsteiner Christian Focke helfen. Er hat die Facebook-Gruppe „Historischer Chiemgau“ gegründet und steht in Kontakt mit den Amerikanern, ebenso wie viele andere Mitglieder seiner Gruppe. „Wir haben zum Beispiel Aufnahmen von Inzell gefunden, die man hier gar nicht kannte“, erzählt Focke.

Überhaupt ist vieles für die Angehörigen der US-Veteranen rätselhaft und fremd. „Mein Vater hat nicht wirklich über den Krieg geredet“, erzählt Mintz, nur ab und zu sei ihm etwas rausgerutscht. Ähnlich wie in Deutschland war das Thema Krieg bei vielen Soldaten ein Tabu. Zahlreichen anderen Nutzern geht es ähnlich, wie sie in ihren Beiträgen schreiben.

Trauma bis ans Lebensende

Mintz gehe es auch darum, seinen Vater ein bisschen besser zu verstehen, obwohl er nicht mehr lebt. „Heute kennt man Posttraumatische Belastungsstörungen, aber damals war das noch kein Thema“, erzählt der Sohn des Soldaten. Auch bei seinem eigenen hat er die Vermutung, dass er unter seinen Kriegstraumata litt und dass sein Vater vielleicht deshalb einen Hang zum Cholerischen hatte. „Für mich war es eine Erleichterung, als ich erfuhr, dass es daran gelegen haben könnte“, sagt Mintz.

Enge Kameradschaft noch Jahre später

Der Band zwischen seinem Vater und den Kameraden hielt noch bis an sein Lebensende. Mintz erinnert sich, dass sein Vater und ein Freund aus Soldatentagen einen weiteren Veteran namens Dave besuchen wollten. Dieser kam aber nie über die Kriegserlebnisse hinweg, ein Treffen war nicht möglich. „Nach dem Anruf bei Dave konnte man ihnen ansehen, wie sie wortwörtlich geknickt waren“, Mintz war damals noch ein kleiner Junge, aber er erinnert sich noch, wie schockiert und erschüttert sein Vater über den Zustand seines Kameraden war.

Vom Krieg bliebe eine alte Decke

Mintz‘ Vater wollte nicht unbedingt wieder nach Deutschland reisen, das sei aber auch eine finanzielle Frage gewesen. „Manche der anderen Gruppenmitglieder haben noch Andenken an die Zeit im Krieg, wie Uniformen oder Fotos“, erzählt Mintz. Nicht so sein Vater, lediglich eine alte Decke von der Army lag immer im Kofferraum seines Autos, bis sie irgendwann bei einem Ölwechsel verschmutzt worden war. Mintz bedauert das heute, aber er vermutet, dass sein Vater einfach mit dem Thema habe abschließen wollen.

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