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Priener Marktgemeinderätin

Vitamin H statt Vitamin B: Wie Rosi Hell Schülern zu Lehrstellen verhilft

Marktgemeinde- und Schulverbandsrätin Rosi Hell verhilft jungen Menschen zu einer Lehrstelle.
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Marktgemeinde- und Schulverbandsrätin Rosi Hell verhilft jungen Menschen zu einer Lehrstelle.
  • Dirk Breitfuß
    VonDirk Breitfuß
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  • Tanja Weichold
    Tanja Weichold
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Früher hieß es, dass bestimmte Jobs nur mit Vitamin B wie Beziehung zu bekommen sind. Für Abschlussschüler in Prien kann Vitamin H viel wichtiger sein. Das steht für die Priener CSU-Marktgemeinderätin Rosi Hell.

Prien – Sie hat eine Vermittlerrolle zwischen Schule und Betrieben übernommen. Vergangenes Jahr hat sie es geschafft, für alle Schüler der Franziska-Hager-Mittelschule (FHM) eine Lehrstelle zu finden, die noch ohne keine hatten. Die FHM ist dafür bekannt, dass sie für alle Abschlussschüler eine Perspektive schaffen will. Das war schon ein Leitmotiv, also sie noch Hauptschule war. Auch in Corona-Zeiten scheint das zu funktionieren, obwohl mancher Betrieb wirtschaftliche Probleme hat und zurückhaltend ist, wenn es darum geht, Lehrlinge einzustellen.

Netzwerken und mit den Schülern reden

Tatkräftige Unterstützung kommt von der Marktgemeinde- und Schulverbandsrätin Rosi Hell. Damit sie passende Paare zusammenbringen kann, schlüpft Hell ab und an in die Rolle einer Interviewerin, wenn sie bei den Mittelschülern deren Wünsche abfragt. Der Gewerbeverein PrienPartner, die Schulsozialarbeit oder die Leiterin des landkreisweiten Patenprojekts Jugend in Arbeit sind wichtige Knotenpunkte in ihrem Netzwerk.

Bei der Unterstützung der jungen Leute muss die Vermittlerin oft an ihre eigene Schulzeit denken, das motiviert sie zusätzlich. „Ich hab mich nicht leichtgetan“, verrät sie.

Hell wurde Bäckereifachverkäuferin, ein halbes Jahr nach ihrer Gesellenprüfung Filialleiterin und sitzt seit 23 Jahren im Prüfungsausschuss.

Die handwerklichen Berufe liegen ihr schon wegen der eigenen Laufbahn besonders am Herzen, erst recht, weil die Interessenten dafür immer seltener werden. „Jeder will heute ins Büro“, weiß sie aus vielen Gesprächen. Umso wichtiger ist ihr, bei den jungen Mittelschülern eine Lanze für das Handwerk zu brechen. Betriebe wie Bäcker, Metzger und Heizungsbauer suchen händeringend nach Lehrlingen, wie sie aus vielen Gesprächen weiß. Sie kennt aus eigener Erfahrung die guten Berufschancen und auch Aufstiegsmöglichkeiten im Handwerk.

Und die Chancen auf eine Lehrstelle im Handwerk sind so gut wie vielleicht lange nicht mehr. „Unsere Pinnwand ist voll mit Stellenangeboten““, berichtet Marcus Hübl, Rektor der Mittelschule. Er habe noch nie so viele Anfragen von Firmen gehabt, auch aus Branchen, für die bisher Realschulabgänger die klassische Zielgruppe waren. Auch Hübl spricht von einem „brutalen“ Fachkräftemangel im Handwerk und einer deutlichen Steigerung der Stellenangebote im Vergleich zum Vorjahr.

Noch wenige Schüler ohne Lehrvertrag

Trotzdem gebe es eine Abschlussklasse, in der Schüler noch keinen Lehrvertrag habe. Hübl schreibt das aber hauptsächlich den jungen Leuten zu. Dass die Schulsozialarbeiterin in Mutterschutz gegangen und noch keine Nachfolgerin gefunden ist, spielt sicher auch eine Rolle. Zu den Aufgaben dieser zusätzlichen Fachkraft gehört es, die Schüler beim Wechsel in die Berufswelt zu unterstützen und zu begleiten.

Bis vor den Faschingsferien hatte sich die Lage bereits deutlich entspannt, wie Rosi Hell sagt. Inzwischen hätten die meisten Schüler eine Lehrstelle gefunden, nach den Ferien wolle sie noch einmal das Gespräch mit denjenigen suchen, die noch ohne Ausbildungsplatz dastehen.

Unterdessen hat sie wieder neue offene Lehrstellen von Firmen gemeldet bekommen, etwa von einer Seilerei aus Frasdorf, einem Kindergarten aus Aschau und von einer Münchener Steuerkanzlei, die in Traunstein mehrere offene Lehrstellen anbietet und auch Mittelschüler einstellen wolle.

„Ausbildungsplätze sind genug da!“

Insgesamt wollen in diesem Jahr 73 junge Damen und Herren ihre qualifizierten oder Mittlere Reife-Abschlüsse an der FHM schaffen.

Hell trägt ihren Teil bei und meldet Stellenangebote an die Klassleiter, die wiederum die beruflichen Vorlieben ihrer Schützlinge kennen und diese sowie deren Eltern dann gezielt ansprechen können. Die Stellenangebote werden inzwischen auch bei den beiden Priener Realschulen gemeldet, wie Hell berichtet, so groß ist das Angebot. „Ausbildungsplätze sind genug da“, betont sie und fügt hinzu: „Ich bin dahinter, dass das zu den Kindern kommt.“

Persönliche Kontakte und direkte Art sind Teil des Erfolgsrezepts

Rosi Hell kümmert sich seit Juni 2020 mit großem Engagement darum, Priener Mittelschüler in eine Ausbildung zu bringen, de aus eigener Kraft keine Lehrstelle gefunden haben. Dieser Nebenjob für die umtriebige Prienerin ist aus ihrer Funktion als Verbandsrätin im Mittelschulverband erwachsen. Hell ist eine Art bairische Netzwerkerin, die zwar auch die modernen Kanäle wie Instagram und Facebook für ihre Zwecke nutzt. Aber das Pfund, mit dem Hell am meisten wuchert, sind die persönlichen Kontakte und ihre direkte Art, auf Menschen zuzugehen.

In ihrem Auto fährt sie immer Flyer spazieren, mit denen sie für Ausbildungsplätze für Mittelschüler wirbt. Und spontan, wie sie sein kann, bleibt sie schon mal kurz entschlossen vor einer Firma stehen, wenn sie vorbeifährt, erzählt sie im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. „Man muss auf die Leute zugehen.“ Diese Überzeugung ist Teil ihres Erfolgsrezepts. „I geh einfach hie und frog“ gehört auch dazu. Das Überraschungsmoment hat ihr schon eine Reihe erfolgreicher Stellensuchen beschert. Im vorigen Schuljahr gelang es ihr, für alle 15 Schüler noch eine Tür zu öffnen, die im Mai noch ohne Lehrstelle dagestanden hatten. „Es ist schön, wenn man sieht, es funktioniert, wenn man was macht“, sagt sie nicht ohne Stolz. Eine Firma, die ursprünglich gar nicht ausbilden wollte, habe es sich nach ihrer Kontaktaufnahme sogar anders überlegt.

Vermittlung auf direktem Weg

Firmenchefs oder Personalleiter von Unternehmen, die noch offene Lehrstellen haben oder eventuell anbieten möchten, können sich direkt an Marktgemeinderätin Rosi Hell wenden. Sie ist per Mail an rosi.hell@web.de oder per Handy unter 01 73/37 24 059 erreichbar. Sie freut sich auch über Angebote an Praktikumsstellen, unabhängig davon, ob der Betrieb ausbildet.

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