Viele Gemeinsamkeiten festgestellt

Moderator Peter Kasperczyk (Mitte) ließ die sechs Kandidaten zu wichtigen Themen wie Energiewende, Tourismus und Ortsentwicklung Stellung beziehen (von links): Phillip Bernhofer (BL), Alexandra Pawlitzek (FW/ÜWG), Alexander Herkner (SPD), Hartl Hinterholzer (Grüne), Ramona Klauck (WMG) und Christian Hügel (CSU). Foto Berger
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Moderator Peter Kasperczyk (Mitte) ließ die sechs Kandidaten zu wichtigen Themen wie Energiewende, Tourismus und Ortsentwicklung Stellung beziehen (von links): Phillip Bernhofer (BL), Alexandra Pawlitzek (FW/ÜWG), Alexander Herkner (SPD), Hartl Hinterholzer (Grüne), Ramona Klauck (WMG) und Christian Hügel (CSU). Foto Berger

Bernau - Nur in Bad Endorf und Bernau haben die Bürger in der Region am 16. März eine so große Auswahl zur Neubesetzung des Chefsessels im Rathaus, der in Bernau zudem im Neubau an der Chiemseestraße stehen wird. Gleich ein halbes Dutzend Kandidaten bewirbt sich um die Nachfolge von Klaus Daiber (CSU), der aus Altersgründen aufhört. Der Bund Naturschutz brachte die Bewerber bei einer Podiumsdiskussion im voll besetzten Saal des Gasthauses "Kampenwand" zusammen.

Kreis- und stellvertretender Ortsvorsitzender Peter Kasperczyk hatte im Vorfeld umfangreiche Fragebögen zu wichtigen Themenfeldern an die Kandidaten verschickt - und stellte nach der Auswertung der Antworten zu Beginn der Diskussion gleich fest, dass es viele Gemeinsamkeiten und "kaum konträre Meinungen" gebe.

Zur weiteren Entwicklung der Gemeinde, verbunden mit möglichem Flächenverbrauch, war sich das Sextett für zwei von drei Ortsteilen weitestgehend einig. Den dörflichen Charakter, den "Charme" des "Kleinods" Hittenkirchen wollen alle erhalten, höchstens Baulücken auffüllen, besonders, wenn eine ansässige Familie dafür Bedarf hat. Auch im Chiemseepark Felden sehen die Bewerber die Entwicklung spätestens nach der Umsetzung bereits beschlossener Maßnahmen als abgeschlossen an.

Für den Ort Bernau selbst gehen die Vorstellungen auseinander. Phillip Bernhofer (BL, die Reihenfolge der Stellungnahmen wurde anfangs ausgewürfelt und wechselte dann durch) mahnte, den Flächenverbrauch zu bremsen und Neuausweisungen von Bauland zu reduzieren. Ramona Klauck (WMG) kritisierte die Ausweisung von Gewerbegebieten an den Ortsrändern zu Lasten des Zentrums. Christian Hügel (CSU) vermisst etwas die Attraktivität, deshalb sollten Einzelmaßnahmen bei einer begrenzten baulichen Entwicklung zu einem Bild zusammengefügt werden. Alexander Herkner ist dafür, bereits erfolgte Entscheidungen abzuarbeiten und keine finanziellen Abenteuer einzugehen. Alexandra Pawlitzek (FW/ÜWG) schwebt das neue Rathaus in Verbindung mit dem Kurpark als "Ort der Begegnung" vor, der das Zentrum beleben soll. Hartl Hinterholzer (Grüne) appellierte, Bauwerbern den Geschmack des Bauausschusses zu vermitteln, Bürger in Gestaltungsfragen mit einzubeziehen und als Gemeinde mit gutem Beispiel voranzugehen.

Um die Energiewende vor Ort schaffen zu können, ist es nach übereinstimmender Ansicht nötig, private Initiativen im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten zu unterstützen. Hügel forderte ein "Leuchtturmprojekt" und stellte ein Nahwärmenetz auf genossenschaftlicher Basis zur Diskussion. Herkner kann sich, wie Bernhofer, einen gemeindeübergreifenden Verbund nach dem Vorbild der Achental-Gemeinden im Ökomodell vorstellen. Pawlitzek will bei der Umsetzung von Maßnahmen Augenmerk auf den Erhalt der Kulturlandschaft legen.

Hinterholzer brachte als konkrete Beispiele eine Photovoltaikanlage an einem zu schaffenden Lärmschutzwall an der Autobahn und Solar-Carports am Parkplatz beim Ärztehaus ins Gespräch. Bernhofer sieht die Gemeinde langfristig in der Pflicht bei der Umsetzung des vorliegenden Klimaschutzkonzepts, Klauck den Gewerbeverein bei der Aufklärung und Werbung für Maßnahmen.

Uneins waren die Bürgermeisterkandidaten in den konkreten Vorstellungen zur Weiterentwicklung und Aufwertung der Chiemseestraße sowie der Problematik leer stehender Läden. Mit neuem Rat- und Ärztehaus sei die Belebung schon angestoßen, fand Herkner, während Pawlitzek gern aktiv nach individuellen, zu Bernau passenden Geschäftsideen für Neuansiedlungen suchen möchte.

Hinterholzer forderte ein "gescheites" Verkehrskonzept und ebenso wie Bernhofer mehr Fuß- und Radwege. Letzterer monierte, dass aus dem Konzept für Fuß- und Fahrradwege, an dem er federführend beteiligt war, bisher kaum etwas umgesetzt worden sei. Zudem appellierte er, eine "Marke Bernau" zu entwickeln, denn "wir stehen ja für nichts".

Klauck schob die Schuld an den Leerständen mit dem Hinweis auf die Gewerbegebiete an der Peripherie dem Gemeinderat zu. Hügel rief dazu auf, sich auf die Stärken zu besinnen, von denen es dank Gewerbetreibender, Vereine und Institutionen genug gebe. Die Gemeinde müsse Impulse geben für die Entwicklung des Bereichs zwischen Bahnhof und Tourist-Info.

Im touristischen Bereich sahen alle sechs Kandidaten mehr oder weniger viel Handlungsbedarf. Pawlitzek monierte, es fehle an Tatendrang und Geld. Sie sprach sich unter anderem für Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden aus. Hinterholzer warb für eine Qualitätsoffensive bei den Vermietern, die über die touristischen Abgaben finanziert werden könnte. Chancen zur Erschließung zusätzlicher Kundengruppen sieht er im Bereich Radeln und Bergwandern.

Bernhofer attestierte dem Haus des Gastes einen "Charme der 70er Jahre" und kritisierte auch die touristische Homepage der Gemeinde. Er schlug ein Bürgerforum vor, das neue Ideen entwickeln könnte. "Es muss endlich was geschehen." Auch für Klauck hat die Gemeinde die Entwicklung "verschlafen". Als Beispiel für Fehlentwicklungen nannte sie die Auflösung des Campingplatzes in Felden.

"Die Tourist-Info wird man neu strukturieren müssen", so Hügels Einschätzung. Wie einige Vorredner sah er die Lage zwischen See und Bergen als Stärke, die es zu nutzen gelte. Den Leistungsträgern, vor allem auch den Landwirten, gelte es, unter die Arme zu greifen bei der Schaffung touristischer Angebote.

Auch Herkner sah Handlungsbedarf. Es brauche Geld, zusätzliches Personal und Verbesserungen des äußeren Erscheinungsbildes. Zudem sei zu überlegen, wo zusätzliche Übernachtungsmöglichkeiten geschaffen werden könnten. db

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