Viele Aufträge, keine Kurzarbeit bei Brückner in Siegsdorf

Laboranlage von Brückner in Siegsdorf: Bislang musste das Unternehmen weder Mitarbeiter entlassen noch Kurzarbeit anmelden.

Maschinenbauer meldet trotz Corona gute Geschäfte, vor allem in Asien. Unternehmen spendet 20 000 Schutzmasken an den Landkreis Traunstein

Von Martin Tofern

Siegsdorf – Über einen Auftrag aus Asien freut sich Stefan Neumann  ganz besonders: „Ein aktueller Glanzpunkt ist sicherlich der Verkauf einer Anlage bei einem Neukunden in Vietnam“, sagt der kaufmännische Geschäftsführer der Brückner Gruppe in Siegsdorf. Trotz des Niedergangs der deutschen Wirtschaft wegen Corona – Wirtschaftsforscher sagen ein Minus von fast acht Prozent voraus – meldet die Brückner Gruppe in Siegsdorf insgesamt eine gute Auftragslage. Das Unternehmen liefert und installiert weltweit Anlagen zur Herstellung von Folien, die in der Medizin- und Verpackungstechnik eingesetzt werden. „In unserem Geschäft gelingt es uns auch in diesen ‚virtuellen Zeiten‘, Verträge zu verhandeln und abzuschließen. Das geht mit Kunden in der ganzen Welt über Telefon- und Videokonferenzen erstaunlich gut“, sagt Neumann.

Maschinen zur Folienherstellung weltweit gefragt

Weil überall bestimmte Hygienestandards eingehalten werden müssen, steige zudem weltweit die Nachfrage nach hochwertigen Kunststoffverpackungen. „Wir haben also Grund, optimistisch zu bleiben, bei aller gebotenen Vorsicht im Hinblick auf sämtliche Unwägbarkeiten“, erklärt Neumann. So musste Brückner bislang weder Mitarbeiter entlassen noch Kurzarbeit anmelden. Viele nutzten ihre hohen Stundenkonten oder profitierten von flexiblen Arbeitszeitmodellen.

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Mit ihren weltweit 2600 Mitarbeitern, davon mehr als 600 in Siegsdorf, erwirtschaftete Brückner im vergangenen Jahr ein Plus von zehn Prozent und landete bei gut 700 Millionen Euro Umsatz. Das Familienunternehmen wurde 1960 unter dem Namen Brückner Maschinenbau in Siegsdorf gegründet – es ist bis heute in Familienbesitz. Die Gruppe hat mittlerweile 29 Standorte in 15 Ländern – unter dem Dach der Brückner Group in Siegsdorf.

Brückner engagiert sich in der Corona-Krise in der Region und hat mit Hilfe der chinesischen Niederlassung bislang 20 000 Schutzmasken aus fester, transparenter Plastikfolie an den Landkreis Traunstein übergeben, dazu Desinfektionsmittel und Einmalhandschuhe. Das Material geht an Pflegeheime, Krankenhäuser und niedergelassene Ärzte. In Zukunft will das Unternehmen jede Woche 20 000 Schutzmasken übergeben. Traunsteins Landrat Siegfried Walch dankt dem Unternehmen: „Wir haben nach wie vor von allem zu wenig. Die Spenden helfen uns enorm.“

Brückner engagiert sich also in der Region, in der das Unternehmen verwurzelt ist – bei weiter gut laufenden Geschäften. Oder hat das Unternehmen durch Corona schon Geld verloren? „Stand heute nicht. Nun kommt es darauf an, wie lange es in Deutschland und weltweit noch mit der Krisenbewältigung dauert“, sagt Neumann. „Alles läuft so weit wie irgend möglich normal weiter“, erklärt der Geschäftsführer. „Abgesehen davon, dass wir halt derzeit nicht alle am Arbeitsplatz anwesend sind und Reisen weltweit untersagt sind.“ Dort, wo Anwesenheit erforderlich sei, achte das Unternehmen auf die Einhaltung aller Vorsichtsmaßnahmen.

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Brückner verkauft Anlagen der sogenannten Folien-Strecktechnologie. Die Technik heißt so, weil hier zunächst Kunststoff-Granulat eingeschmolzen wird. Ist die Kunststoffmasse abgekühlt, erhält man eine dicke Folie, die man zum Beispiel für Joghurtbecher verwenden könnte. Bei Brückner wird sie anschließend erst längs und dann quer gestreckt, bis sie dünn genug ist, um in der Medizintechnik eingesetzt zu werden. Selbst das Geschäft mit China laufe immer noch gut: „Wir haben bereits Verträge mit Kunden und Geschäftspartnern abschließen können und sind zuversichtlich, dass weitere folgen werden“, freut sich der Geschäftsführer. Es handele sich ja auch generell nicht um eine chinesische, sondern um eine weltweite Krise, die Kunden in Italien, Österreich und Deutschland genauso treffe wie die in den USA oder in Asien. Das positive „Aber“ folgt auf dem Fuß: „Die Brückner Maschinenbau konnte den sehr starken Auftragseingang des Jahres 2019 auch im ersten Quartal 2020 fortsetzen, mit schönen Aufträgen primär aus Asien.“ Jetzt müsste die Firma die Anlagen auch aufbauen dürfen – unter Berücksichtigung aller notwendigen Hygiene- und Vorsichtsmaßnahmen.

Keine Rückholaktionen aus China

Doch da liegt eben das Problem, auch die Brückner-Mitarbeiter dürfen im Moment nicht reisen. Zum Zeitpunkt des Ausbruchs der Coronakrise in China um das chinesische Neujahr Ende Januar herum waren wegen der dortigen Feiertage nur drei Mitarbeiter vor Ort. Da es damals noch keine Reisebeschränkungen gab, konnten sie problemlos nach Hause fliegen. „Zurückholen mussten wir niemanden“, sagt Geschäftsführer Neumann. Um ganz sicher zu gehen, dass die Rückkehrer niemanden anstecken können, arbeiten sie vorerst im Homeoffice.

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