Johann Haßlberger aus Oberwössen wird 103 – und ist damit nicht der Älteste im Ort

Bis heute stehtder 103-jährige Johann Haßlberger (rechts) in der Oberwössner Dorfgemeinschaft in der ersten Reihe. Die Aufnahme stammt vom Gottesdienst zum 100-jährigen Bestehen des Trachtenvereins D’Rechlberger im Festzelt. Hier feierte der Jubilar mit dem Trachtenvorsitzendem Andreas Greimel und der Zweiten Vorsitzenden Christl Durchner. Seine Stütze ist damals wie heute zu seinem 103. Geburtstag ist Tochter Heidemarie. Flug

Johann Haßlberger ist ein Mann, zu dem viele Menschen aufschauen. Nur die Corona-Krise verhindert, dass ihm die Menschen aus nah und fern an seinem 103. Geburtstag das Haus in Oberwössen eingerannt haben. Unterwössen ist ein gutes Pflaster zum Alt werden. Denn: Marianne Titel ist mit 104 Jahren die älteste Bürgerin..

Unterwössen – „Wir verneigen uns vor seiner Lebensleistung“, bringen VdK-Kreisvorsitzender Rudi Göbel und VdK-Kreisgeschäftsführer Bernhard Oberauer stellvertretend für andere zum Ausdruck. Sie kennen den Jubilar aus dessen 72-jähriger VdK-Mitgliedschaft. Für die Oberwössner gehörte Johann Haßlberger auf seinem Rad immer zum Ortsbild. Seinen Führerschein machte er erst mit 50 Jahren.

Auf dem Radl gehört er zum Ortsbild

Das bewunderten die Oberwössner, weil ihm ein Schicksalsschlag im Krieg den rechten Arm nahm. Da erwies sich die besondere Natur des Johann Haßlberger. Nach außen ist er der betagte fröhliche Nachbar, der immer für einen humorvollen Spruch gut ist. Doch dahinter verbergen sich zwei Eigenarten. Haßlberger ist ein Kämpfer, den Schicksalsschläge nie unterkriegten. Und er ist ein ausgeprägt sozialer Mensch, der seine Mitmenschen und die Gemeinschaft stets über persönliche Interessen stellte. „Da stehen einem über 100 Jahre Lebensereignisse und Geschichte gegenüber“, sagt Pfarrer Martin Straßer bewundernd.

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1917, am 31. März, im Ersten Weltkrieg, kam Haßlberger als drittes Kind der Eheleute Matthias und Teresa Haßlberger zur Welt. Drei Jahre später verstarb seine Mutter, 1954 sein Vater. Nach Abschluss der Volksschule in Oberwössen fand er Arbeit als Knecht an einem Bauernhof. Im Zweiten Weltkrieg diente er von 1938 im 19. Infanterieregiment der Wehrmacht; in einem Gefecht nahe Abbeville an der Somme wurde Haßlberger schwer verwundet und verlor seinen rechten Arm.

Zeit für die geliebten Obstbäume

Ab 1941 arbeitete er im Werkschutz der Annahütte in Hammerau. Weil seine beiden Brüder in Gefangenschaft gerieten, bewirtschaftete er bis 1948 mit seinem Vater den elterlichen Bauernhof. In Hammerau lernte er seine spätere Frau Anna Gößl kennen, die er am 20. August 1944 in Berchtesgaden heiratete. Die Töchter Heidemarie und Johanna gingen aus der Ehe hervor. Bis zum August 1948 lebte die Familie im Häusl, dem Zuhaus des alten Ruhlanderanwesens, später 1953 im Ruhlanderhof. Seit Juli 1953 lebt Johann Haßlberger im eigenen Haus am Zeilackerweg.

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1948 trat er in die Dienste der Raiffeisenbank in Unterwössen und arbeitete dort bis zu seiner Rente im Dezember 1979. Seitdem nahm er sich die Zeit für seine geliebten Obstbäume, Urlaubsfahrten und Bergtouren. Mit den Freunden ging er oft zwei Mal in der Woche auf den Berg. Im Laufe der Jahre wurden es dann Almwanderungen; jetzt ist einmal in der Woche Kaffeetrinken mit den Freunden. Mit Ehefrau Anna feierte er die Diamantene Hochzeit, noch bevor sie im Jahr 2006 verstarb. Johann Haßlberger hat zwei Enkeltöchter.

Im Februar 1948 trat Johann Haßlberger in den Sozialverband VdK ein und ist nun schon seit 72 Jahren Mitglied. Die Not war damals nach den Kriegswirren in der Bevölkerung immer noch groß und so war es ihm ganz wichtig zu helfen, wo er nur konnte. Von 1986 bis 1994 war der Jubilar Vorsitzender des VdK Wössen. Zuvor hatte er in der Vorstandschaft als Beisitzer und Zweiter Vorsitzender gewirkt. Dem VdK-Ortsverband Oberwössen gehörte er von 1948 bis zum Zusammenschluss mit Unterwössen im Jahr 1981 an. 1994 wurde er für seine Verdienste zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Jubilar hat viele Auszeichnungen des VDK

Zu seinen vielen VdK-Auszeichnungen zählt die Silberne Ehrennadel des VdK Deutschland. Auch im hohen Alter liegt ihm der Sozialverband noch sehr am Herzen. Im Ortsverband Wössen hat Tochter Heidemarie die Tradition ihres Vaters ab 2002 fortgeführt. Am 1. März 2020 gab sie ihr Amt als Schriftführerin aus Altersgründen auf. Johann Haßlberger war Geschäftsführer beim Wasserbeschaffungsverband und Schriftführer im Verkehrsverein.

Vor dem Hintergrund des Corona-Virus war es ein kleiner Geburtstag, den Johann Haßlberger mit Tochter Heidemarie im gemeinsamen Haushalt feierte. Doch Post und Telefonanrufe ließen den Jubilar auch zum 103. Geburtstag kaum zur Ruhe kommen.

Aber: Haßlberger ist trotz seiner 103 Jahre nicht ältester Mitbürger im Landkreis, nicht einmal ältester Bürger Unterwössens oder des Ortsteils Oberwössen. Marianne Titel ist dies aktuell mit 106 Jahren.

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