Blick in Statistik

Vermeintliche Raserei entpuppt sich bei Messungen der Gemeinde Prien meist als Irrtum

Die heruntergezogenen Mundwinkel signalisieren: „Du bist zu schnell, fahr langsamer“ Das ist die Botschaft dieses neuen Tempomessgeräts an der Rimstinger Straße ortseinwärts.
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Die heruntergezogenen Mundwinkel signalisieren: „Du bist zu schnell, fahr langsamer“ Das ist die Botschaft dieses neuen Tempomessgeräts an der Rimstinger Straße ortseinwärts.
  • Dirk Breitfuß
    vonDirk Breitfuß
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Gerade stellt die Gemeinde zwei neue „Smiley“-Geräte in der Rimstinger Straße auf. Sie führen Autofahrern ihr Tempo vor Augen. Es sind die Geräte Nummer sieben und acht im Gemeindegebiet.

Prien – Ein Blick in die Statistik zeigt, dass sich vermeintliche Raserei bei Auswertung der Messungen meistens als subjektiver Fehleindruck entpuppt.

Richtig ist der Eindruck tatsächlich in der Rimstinger Straße, bestätigt Martin Plenk, der Leiter des gemeindlichen Ordnungsamtes. Er führt die Statistik. Bei einer zweimonatigen Messung mit einem der kommunalen Smiley-Geräte passierte die Mehrheit die Kontrollstelle mit 51 bis 60 km/h. Hinter dem Ortsschild Prien-einwärts findet sich keine durchgehende Bebauung, die Autofahrer nehmen diesen Straßenabschnitt nicht als innerörtlichen wahr. „Das Auge fährt ja mit“, umschreibt es Plenk. Neben den vielen Fahrzeugen mit bis zu 60 km/h im Tempo-50-Bereich weise die Statistik auch einige „eklatante Verstöße“ auf.

Die Grafik zeigt die Verteilung der gemessenen Geschwindigkeiten in der Beilhackstraße auf Höhe des Parkplatzes in Richtung Trautersdorf. Die absoluten Zahlen sind nicht identisch mit der der Fahrzeuge, weil diese bei der Vorbeifahrt mehrmals eine Messung auslösen. Tatsächlich passierten in zweieinhalb Monaten gut 60 000 Fahrzeuge die Messstelle Der weit überwiegende Teil hielt sich an die 50 km/h, aber es gab auch „ein paar schwarze Scchafe“, kommentiert Ordnungsamtsleiter Martin Plenk. Markt Prien

Bürgerantrag im Marktgemeinderat

Nicht umsonst hatten Anwohner einen Bürgerantrag gestellt. Der Kauf zweier Tempomessgeräte geht darauf zurück. Über den Sachstand und die weitergehende Forderung eines Ausbaus des Geh- und Radwegs ortseinwärts bis zum Brucker Kreisel informiert die Verwaltung in der öffentlichen Sitzung des Marktgemeinderats am Mittwoch, 24. Februar, ab 18 Uhr im Chiemsee Saal.

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Zweite Temposünder-Baustelle im Gemeindegebiet neben der Rimstinger ist Plenk zufolge die Harrasser Straße im Bereich der Romed-Klinik. Auf Höhe des Krankenhauses gilt Tempo 30. Die Mehrheit der Autofahrer fährt dort zwischen 30 und 40 km/h. Das haben die Auswertungen und Radarmessungen des Zweckverbands Kommunale Verkehrsüberwachung ergeben., Er blitzt im Auftrag der Gemeinde an etwa zwei Dutzend vorgegebenen Stellen. Die Auswertung der Radarmessungen aus dem Jahr 2020 liegt im Rathaus aber noch nicht vor.

Nach Absprache mit dem Zweckverband werde dieser demnächst einen „semi-stationären“ Blitzer für die 30er-Zone am Priener Krankenhaus zur Verfügung stellen. Dann wird dort dauerhaft geblitzt.

Erstaunlich unauffällig in der Statistik ist die südliche Einfallstraße nach Prien. In der Bernauer Straße führt Plenk das auf den dichten Verkehr in Stoßzeiten und die vielen Abzweigungen zurück, die den Verkehrsfluss bremsen. „Total unauffällig“ sei auch die Ortsdurchfahrt von Prutdorf, fasst Plenk die Ergebnisse von zwei Messperioden im vergangenen Jahr dort zusammen.

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Der Wunsch nach der Positionierung eines Smiley-Geräts komme in der Mehrzahl aus Wohnstraßen. In den vergangenen Monaten standen Geräte zum Beispiel nach Anfragen von Anwohnern im Fliederweg (an dessen Ende der Kindergarten Marquette steht), auf der Weißdornstraße in Westernach und dem Eisvogelweg. Die Auswertungen lieferten Plenk zufolge immer die gleiche grundlegende Erkenntnis: Im Prinzip hielten sich an die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit, „nullkommanull Überschreitungen“ hätten die Geräte erfasst, so der Leiter des Ordnungsamtes. Im Fliederweg beispielsweise überschritt von 1900 Fahrzeugen keines die erlaubten 50 km/h.

In den meisten Fällen stehen Tempomessgeräte sechs bis acht Wochen am selben Platz – länger nicht, um einen Gewöhnungseffekt zu vermeiden, erklärt Martin Plenk vom Ordnungsamt. Während der Standzeit variiert die Gemeinde: zeitweise wird das gefahrene Tempo auf dem Display angezeigt, zeitweise bleibt der Bildschirm schwarz, es wird aber trotzdem gemessen. Die Unterscheidung soll Erkenntnisse über den erzieherischen Effekt liefern. Alle Ergebnisse liefern auch eine Entscheidungsrundlage, wenn einmal im Jahr mit dem beauftragten Zweckverband die Radarmessstellen im Gemeindegebiet festgelegt werden.

Bei der Analyse der Messdaten würden Ergebnisse unter 20 km/h nicht berücksichtigt, denn erfahrungsgemäß handle es sich bei diesen langsamen Objekten um Fußgänger, Jogger, Radler oder Traktoren.

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