Abschied von der "Oma": Bekanntes Wirtshaus in Prien sucht neue Pächter

Das Schützenhaus im Priener Eichental war bei Einheimischen wie Urlaubsgästen beliebt. Jetzt mussten die Pächter krankheitsbedingt schließen. Hötzelsperger
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Wegen Krankheit ist das traditionsreiche Schützenhaus in Prien derzeit geschlossen. Die Wirtsfamilie Möbius, seit zehn Jahren dort Pächter, schmerzt das sehr. Aber auch die Eigentümer, die Königlich Privilegierte Schützengesellschaft und viele Vereine. 

Prien– Das traditionsreiche Schützenhaus von Prien im idyllischen Eichental ist ab sofort ohne Wirtshaus-Betrieb. Seit zehn Jahren war die Familie Möbius Pächter der Gaststätte, auch die corona-bedingten Beschränkungen konnten die Wirtsleute mit einem Außer-Haus-Service meistern, doch gesundheitliche Einschränkungen machten es notwendig, den Gastronomiebetrieb zu schließen. Wie Erster Schützenmeister Florian Wunderle von der Königlich Privilegierten Feuerschützengesellschaft (FSG) 1617 – die Eigentümerin des Schützenhauses – mitteilte, hat die Suche nach einem Pächter-Nachfolger bereits begonnen.

Auch Ludwig Thomas Mutter bewarb sich

"Zumindest der Schießbetrieb kann trotz der Schließung aufrecht erhalten werden“, sagt Wunderle. Voraussichtlich im Herbst sei mit einer Wiedereröffnung zu rechnen, aktuell gilt es für die Vorstandschaft der FSGPrien, Pächter- und Brauerei-Gespräche zu führen.

„Von Vorteil ist, dass unser Haus keine Brauerei-Bindung hat, sodass auf individuelle Wünsche und Vorschläge seitens eines neuen Pächters und seitens der FSG besser eingegangen werden kann“, erzählt Wunderle, der auch die Geschichte des Schützenhauses gut kennt.

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In der Festschrift, die anlässlich der 400-Jahr-Feier im Jahr 2017 von der FSG herausgegeben wurde, heißt es unter anderem: „Die Priener Schützen erhielten 1870 die Konzessionsurkunde vom Königlichen Bezirksamt Rosenheim und somit die Erlaubnis, Speisen und Getränke im ersten Schützenhaus an der Bernauer Straße ausgeben zu dürfen. 1879 zogen die Feuerschützen in das neuerrichtete Schützenhaus in der heutigen Schützenstraße um, dabei bewarb sich auch Katharina Thoma, die Mutter Ludwig Thomas als Wirtin (sie hatte 1875 das nahegelegene Hotel Kampenwand, dem heutigen Ludwig-Thoma-Gymnasium übernommen)“.

Traudl Möbius, Mutter der Wirtin, durften die Gäste „Oma“ nennen. Hier gibt sie einem Gast Essen aus.

Beliebt waren de Kerzl-Abende

Nach einem weiteren Umzug wurde im Eichental 1936 das dritte Schützenhaus mit Lokal und Biergarten eingeweiht.

Dazu heißt es in der Festschrift: „Von 1966 bis 1980 führten den Gasthof Schützenhaus Walter Gerlmayer, der zugleich als Fähnrich fungierte und seine Frau Maria. Eine Attraktion für Einheimische und Kurgäste waren in dieser Zeit die Kerzl-Abende, bei denen der Wirt als über Prien hinaus bekannter Sänger höchstpersönlich die Besucher erfreute. An die stimmungsvollen Faschingskranzl erinnern sich die Priener gleichfalls noch gerne. Eine gehobene Küche mit stets gleichbleibender Qualität bot Familie Graf, die das Schützenhaus anschließend 25 Jahre lang bewirtschaftete.“

Nach mehreren Pächterwechseln habe schließlich Familie Möbius Ende 2010 das inzwischen in „Schützenwirt“ umbenannte Lokal übernommen und es wieder zu einer beliebten Gaststätte und zu einem Versammlungslokal für Priener Traditionsvereine gemacht. Zum 400. Jubiläum wurde die Gaststätte umfassend renoviert.

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Der Biergarten war bei schönem Wetter stets gut gefüllt, auch viele Vereine trafen sich dort.

Stammgäste schätzten familiäre Atmosphäre

Zu den Priener Traditionsvereinen, die sich bei der Wirtsfamilie Möbius wohlfühlten, gehörten unter anderem die Priener Gebirgsschützenkompanie und die Rosserer von Prien und Umgebung.

Ehrenoberleutnant Paul Panzer von den Gebirgsschützen war einer der Stammgäste, er bedauert das Pacht-Ende außerordentlich mit den Worten: „Ob drinnen in den Gasträumen oder draußen im Biergarten: De Wirtin Monika und ihre Mutter Traudl, die wir alle Oma nennen durften, und auch Ober Mario waren tüchtige Leute, mit denen wir inzwischen eine schöne Freundschaft haben“.

Die Wirtsleute selbst sind selbst auch traurig, dass die zehnjährige Tätigkeit zu Ende geht: „Wir sagen Vergelt´s Gott für die unheimlich gute Treue der Gäste aus Prien und Umgebung.“ Ein spezieller Dank der Familie geht an das Rote Kreuz, dessen Belegschaft zu den Stammgästen gehörte.

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