Verfehlter Saisonstart für den Tourismus in der Gemeinde Seeon-Seebruck

„So etwas gab es noch nie – Saisonstart am Chiemsee und der ganze Yachthafen ist ohne Boote“ So kommentierte Matthias Ziereis von der Touristinfo das Foto vom leeren Yachthafen in Seebruck. Aufgrund der Corona-Krise konnten in den gemeindlichen Hafenanlagen in Seebruck noch keine Schiffe zu Wasser gelassen werden und die am 1. April beginnende Segelsaison musste auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Rasch

In diesen Tagen hätte auch für die Tourismusbetriebe in der Gemeinde Seeon-Seebruck die Saison begonnen. Am Yachthafen in Seebruck, wo sonst um die Zeit die Segelschiffe zu Wasser gelassen werden, herrscht jedoch gähnende Leere.

Seeon-Seebruck – Nicht nur die Segler müssen wegen der Corona-Krise derzeit auf ihre Schiffe verzichten. Alle touristischen Betriebe in der Chiemsee-Gemeinde Seeon-Seebruck sind davon betroffen. Viele Gäste haben bereits storniert. Gedanken darüber, wie die Gemeinde in Zeiten wie diesen nicht nur den touristischen Einrichtungen unter die Arme greifen könnte, hat sich jetzt der Ferienausschuss des Seeon-Seebrucker Gemeinderats in einer öffentlichen Sitzung gemacht.

Angestoßen wurde die Diskussion von Rudolf Mayer (FW). Er schlug vor, der gemeindeeigenen Gastronomie, wie dem „Hafenwirt“ und den Restaurants beziehungsweise Kiosken in den Strandbädern wegen der Umsatzeinbußen die Pacht zu erlassen.

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Bürgermeister Bernd Ruth gab aber zu bedenken, dass dies allen anderen touristischen Betrieben gegenüber nicht gerechtfertigt wäre. „Wir müssen uns das gut überlegen, denn auch alle anderen Hotels, Gaststätten und Privatvermieter in der Gemeinde haben mit Umsatzeinbußen zu kämpfen.“

Angesichts dessen, dass auch die Handwerksbetriebe und Geschäfte in der Gemeinde derzeit mit existenziellen Herausforderungen konfrontiert werden, war sich das Gremium einig, grundsätzlich alle mit ins Boot zu nehmen.

„Wir dürfen keinen Unterschied bei den Betrieben machen, egal wie sie aufgestellt sind“, forderte Franz Wörndl (CSU), der als Zuhörer in der Sitzung anwesend war.

Auch sein Fraktionskollege Sepp Daxenberger warnte davor, die Krise, durch die Betriebe und Arbeitsplätze in ihrer Existenz gefährdet seien, auf die leichte Schulter zu nehmen. „Leute, da bricht enorm was weg. Über solche Sachen müssen wir im Gemeinderat reden. Wir gehen in einen Krisenmodus, alles wird neu zu beurteilen sein“, sagte Daxenberger.

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Um seiner Bürgerpflicht nachzukommen, stehe der Gemeinderat, der sich ab 1. Mai neu formieren wird, vor großen Herausforderungen.

Wie dem Tenor des verkleinerten Gremiums zu entnehmen war, ist grundsätzlich der Wille da, die Betriebe unter Vorbehalt der staatlichen Hilfsprogramme „in irgendeiner Weise zu unterstützen“.

Wie diese Unterstützung aussehen könnte, darüber wurde noch nichts Konkretes laut.

Mit welchen finanziellen Einbußen zu rechnen sei, wenn der Gast nicht kommt, schilderte Kämmerer Albert Lahner. Laut einer ersten Prognose sei bei den Kurbeiträgen, die im Haushalt mit rund 80 000 Euro veranschlagt wurden, sowie bei den Parkplatzgebühren und Fremdenverkehrsbeiträgen mit deutlichen Rückgängen zu rechnen. „Deutlich nach unten gehen werden auch die allgemeinen Gewerbesteuereinnahmen“, befürchtet der Kämmerer.

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