Kreativität gefragt

Vereinsleben in Prien liegt wegen Corona brach, aber es gibt noch keinen Mitgliederschwund

Josef Buchner, Vorsitzender des DAV Prien, trifft die Mitglieder seines Vereins momentan digital und nicht auf den Gipfeln der Region.
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Josef Buchner, Vorsitzender des DAV Prien, trifft die Mitglieder seines Vereins momentan digital und nicht auf den Gipfeln der Region.
  • Tanja Weichold
    vonTanja Weichold
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Schuhplattl‘n und Dirndldrehen, den Gegner auf die Matte legen oder im Vereinsheim gemütlich auf einen Ratsch beieinandersitzen – all das im Lockdown nicht möglich. Wir haben uns bei Priener Vereinen umgehört und mit Vereinsberater Michael Blatz gesprochen. Der sagt: „Die Vereine müssen sich neu erfinden, Kreativität ist gefragt.“

Prien – Das Vereinsleben liegt brach. Manch einer lebt in der Sorge, wie viele Mitglieder nach der Coronakrise überhaupt noch überbleiben.

Klaus Kollmansberger, Vorsitzender des Trachtenvereins Prien, spricht nach einem Jahr ohne Veranstaltungen wie dem Maibaumaufstellen, Vereinsplatteln und Auftritten im Advent von einer „äußerst schwierigen“ Zeit. Weder Versammlungen noch Proben sind im Lockdown möglich. Im Frühjahr 2020 war dies bis Juli der Fall, danach hätten die Kinder und Jugendlichen in ihren Gruppen nach einem Hygienekonzept „a bissl geprobt“. Sie seien mit Maske ins Vereinsheim gegangen und hätten einzeln gedreht und geplattelt. Die Stühle seien weit genug auseinander gestanden. „Das hat wirklich gut geklappt“, so Kollmannsberger.

125-Jahr-Feier ist ersatzlos gestrichen

Wegen des langen Ausfalls seien die Proben in den Sommerferien weitergegangen. Das Vereinsplatteln im Herbst fiel schon wieder ins Wasser. Die 125-Jahr-Feier des Vereins musste ebenfalls ausfallen. Von den 400 Mitgliedern sind 30 Aktive und rund 70 Kinder und Jugendliche. „Wir sind normalerweise ein eingeschworener Haufen“, sagt Kollmannsberger. Das Vereinsleben fehlt. Die Mitglieder aus dem Vorstand tauschen sich über Videotelefonie aus, die Mitglieder erhielten Briefe.

Für den TuS war 2020 ein Jahr wie in der Achterbahn

Christian Fellner steht an der Spitze des Turn- und Sportvereins (TuS) Prien, der mit 2000 Mitgliedern und neun Abteilungen neben dem DAV der größte am Ort ist. Die Hälfte der Mitglieder sind Kinder und Jugendliche. „Das Jahr war für uns eine Achterbahn“, schildert er. Der Breitensport und der Wettkampfbetrieb liegen brach. „Wir müssen das akzeptieren“, erklärt Fellner.

Derzeit noch kein Mitgliederschwund

Durchaus befällt ihn eine gewisse Sorge, ob nach dem Lockdown alle Mitglieder wiederkommen. Die Resonanz im Spätsommer sei gut gewesen, aktuell hätten sich noch keine signifikanten Austrittszahlen bemerkbar gemacht. „Wir haben verschiedene Pläne, aber wir müssen abwarten“, so sein vorsichtiger Ausblick. Die Hygienekonzepte liegen bei den Abteilungen fertig in den Schubladen. „Wir könnten innerhalb kürzester Zeit loslegen. Im Moment harren wir der Dinge.“

Mitglieder beteiligten sich online lebhaft an der Versammlung

Beim DAV Prien indes findet nächsten Dienstag der erste Sektionsabend online statt. Die Jahreshauptversammlung führte der DAV Anfang November als digitale Versammlung gemäß gesetzlicher Vorgaben durch. Vorsitzender Josef Buchner und Schriftführer Jürgen Lohrmann berichten von einer dreistündigen, lebhaften Versammlung mit vielen Rückmeldungen. Über 40 Mitglieder waren via Zoom dabei. Da über eine Beitragserhöhung abgestimmt werden musste, bestand für die Mitglieder zusätzlich die Möglichkeit, im Vorfeld per Briefwahl ihre Stimme abzugeben. Die Arbeit an der Vereinsspitze sei nicht beeinträchtigt gewesen, seit dem ersten Lockdown treffe man sich zu digitalen Sitzungen. Da wichtige Angelegenheiten wie die Verpachtung der Priener Hütte am Geigelstein und der Kletterhalle in Bernau zu betreuen sind, war dies auch unumgänglich.

Digitale Formate sollen beibehalten werden

Buchner als Softwarentwickler und Lohrmann als Informatiker sind mit der digitalen Technik vertraut. Gerade Buchner gewinnt der Situation – so schwer sie für alle ist – auch Gutes ab: „Aus Zeit- und Umweltgründen und um Ressourcen zu sparen werden wir digitale Formate beibehalten.“

DAV blickt mit Zuversicht nach vorn

Die DAV-Mitglieder wohnten weit verstreut bis München und noch weiter weg. Bei der digitalen Versammlung hätten Mitglieder teilgenommen, die bei Präsenzveranstaltungen den weiten Weg oft nicht in Kauf nahmen. „Da waren Leute dabei, die sich auch bereit erklärt haben, ehrenamtlich mitzuhelfen“, so Buchner. Dass das Vereinsleben aus der Coronakrise geschmälert hervorgeht, glaubt er nicht: „Die Menschen freuen sich, wenn sie wieder etwas tun dürfen.“

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