COVID-19 GESETZ HILFT VEREINEN

Onlineseminare für Priener Vorstände: „Der Informationsbedarf ist riesig“

Michael Blatz ist Vereineberater. Sein Wissen ist in Pandemie-Zeiten noch mehr gefragt als sonst.
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Michael Blatz ist Vereineberater. Sein Wissen ist in Pandemie-Zeiten noch mehr gefragt als sonst.
  • Dirk Breitfuß
    vonDirk Breitfuß
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Prien - Der Informationsbedarf bei Vereinsfunktionären ist in Pandemiezeiten riesig, wo keine Versammlungen erlaubt sind. Michael Blatz ist Vereineberater und auf solche Fragen spezialisiert. Für Priener Funktionäre bietet er ein Online-Seminar an. Die Chiemgau-Zeitung hat vorab mit ihm gesprochen.

Je länger der Lockdown, desto mehr Vereine haben das gleiche Dilemma: Sie müssten längst Neuwahlen durchgeführt haben. Wie lange kann ein Vorstand in der jetzigen Situation im Amt bleiben?

Michael Blatz: Viele Vereinssatzungen sehen eine taggenaue Amtsdauer von Vorständen vor, was bei Ausfall der Hauptversammlung dazu führen kann, dass einem Verein plötzlich der rechtliche Vertreter fehlt.

Mit dem Gesetz zur Abmilderung der Folgen der COVID-19-Pandemie hat der Gesetzgeber schon frühzeitig – nämlich unmittelbar nach Ausbruch der Pandemie im März letzten Jahres – reagiert und geregelt, dass ein Vorstandsmitglied auch nach Ablauf seiner Amtszeit bis zu seiner Abberufung oder bis zur Bestellung seines Nachfolgers im Amt bleibt. Diese Regelung sowie alle anderen Bestimmungen dieses Gesetzes gelten noch bis Ende des Jahres 2021.

Welche Möglichkeiten gibt es, auch ohne Präsenzveranstaltungen zu wählen, um zum Beispiel auch drohende Führungslosigkeit zu verhindern. In Prien wählt gerade ein Verein im Umlaufverfahren. Was sind Alternativen?

Blatz: Auch hier hilft das COVID-19 Gesetz weiter: Beschlüsse können auch ohne Versammlung der Mitglieder gefasst werden. Gültig sind sie dann, wenn zum einen alle Mitglieder beteiligt wurden und zum anderen bis zu dem vom Verein gesetzten Termin mindestens die Hälfte der Mitglieder ihre Stimmen in Textform abgegeben habt, sofern der Beschluss mit der erforderlichen Mehrheit gefasst wurde.

Noch viel spannender ist die Option, Versammlungen und Abstimmungen „im Wege der elektronischen Kommunikation“, also zum Beispiel per Online-Konferenztool, durchzuführen. Das ist einfacher und klappt besser, als sich das viele auf den ersten Blick vorstellen können.

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Natürlich ist hier eine gute Vorbereitung und sorgfältige Auseinandersetzung mit dem Online-Thema Pflicht. Aber darin stecken auch neue Chancen. Zum Beispiel die, auch Risikogruppen oder Menschen, die vielleicht nicht so mobil sind, mit einzubinden.

Viele Fachleute sind auch der Meinung, dass sich Veranstaltungen, an denen ein Teil der Mitglieder in Präsenzform und der andere Teil gleichzeitig online teilnimmt, immer mehr durchsetzen werden, sobald das Versammlungsverbot wieder gelockert wird.

Nicht jeder Verein und vor allem nicht alle Mitglieder haben die technischen Möglichkeiten, an Videokonferenzen oder Onlineabstimmungen teilzunehmen. Welche Rolle spielt das? Haben diese Personen Pech oder einen Anspruch darauf, mitwählen zu dürfen?

Blatz: Formal betrachtet haben Mitglieder, die nicht über die technischen Voraussetzungen zur Teilnahme verfügen, Pech gehabt. Bei einer Präsenzversammlung hätten sie ja auch keinen Anspruch darauf, mit dem Taxi abgeholt zu werden, nur weil zu der Zeit kein Bus mehr fährt.

Trotzdem macht es natürlich für jeden Vereinsvorstand viel Sinn, darüber nachzudenken, wie er seine Mitglieder in diese – für viele Teilnehmer neue – Form des Austauschs auch optimal einbinden kann.

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Welche Rolle spielt die jeweilige Vereinssatzung? Ist sie maßgeblich?

Blatz: Satzungs- und natürlich gesetzeskonformes Handeln ist eine der Grundpflichten eines jeden Vorstands. Die Satzung bleibt der Maßstab in allen Fragen, die nicht per Gesetz geregelt sind.

Das bereits mehrfach genannte COVID-19-Gesetz hat Ausnahmen festgelegt, welche wie gesagt bis zum 31. Dezember 2021 gelten. Alles, was dort oder an anderer Stelle nicht gesetzlich geregelt wird, regelt die Satzung, und das gilt auch in Corona-Zeiten.

Wahlen sind das eine, die stetige Mitgliederinformation etwas anderes. Haben die Mitglieder Anspruch auf Online-Information oder kann der Datenschutz hier eine Hürde sein?

Blatz: Einen Informationsanspruch haben Mitglieder natürlich, jedoch keinen auf Online-Information, es sei denn, die jeweilige Vereinssatzung legt das genauso fest. Das Thema Datenschutz beziehungsweise DSGVO ist in fast allen Vereinen ein ungeliebter Dauerbrenner und sorgt gerade in Zusammenhang mit Online-Veranstaltungen für viel Verunsicherung.

Da schwirren viele Halbwahrheiten und Gerüchte durch die Welt, aber letztlich ist das kein Thema, mit dem man sich nicht arrangieren könnte.

Aus Ihrer Erfahrung der Corona-Zeit: Wie groß ist die Verunsicherung, wie groß der Informationsbedarf bei den Vereinen und Ihren Funktionären?

Blatz: Die Verunsicherung ist zum Teil schon recht groß, der Informationsbedarf ist riesig. Gleichzeitig beobachte ich aber auch, dass inzwischen immer mehr Vereine sich sehr interessiert und konstruktiv diesen neuen Herausforderungen stellen. Am Anfang haben alle abgewartet beziehungsweise viele sind in Schockstarre gefallen. Jetzt gehen die meisten es an. Und ich kann auch feststellen, dass immer mehr ältere Teilnehmer sich mit wachsender Begeisterung an das Online-Thema heranwagen.

Im Verlauf der letzten zwölf Monate wurden viele Berührungsängste abgebaut. Die viel beschworene Digitalisierung hat jedenfalls dank Corona einen massiven Aufschwung erlebt, der nun auch ganz ohne Frage in vielen Vereinen angekommen ist.

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Zur Person

Michael Blatz ist freier Unternehmens- und Vereinsberater, Trainer und Coach. Auf Vermittlung von Michael Voggenauer, dem Vereinereferenten des Marktgemeinderats, hält Blatz am Samstag, 6. März, ein 90-minütiges Onlineseminar. Es ist für die angemeldeten Vorstandsmitglieder von Priener Vereinen kostenlos. Das Honorar wird aus Voggenauers Referentenbudget bezahlt. Blatz referiert unter anderem über rechtliche Voraussetzungen und Hintergründe von Online-Wahlen.

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