Verein „Musiker ohne Grenzen“

David Voderholzer exportiert Trompetentöne aus dem Chiemgau nach Ecuador

Aufmerksam verfolgt der fünfjährige Bub, was David Voderholzer ihm im Unterricht vorspielt.
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Aufmerksam verfolgt der fünfjährige Bub, was David Voderholzer ihm im Unterricht vorspielt.
  • Ulrich Nathen-Berger
    vonUlrich Nathen-Berger
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Der Priener Physikstudent David Voderholzer aus Prien arbeitet im Vorstand des Vereins. Mit seinen Kollegen sorgt er dafür, dass junge Menschen in Lateinamerika Trompete spielen lernen. Über sein Engagement sprach der junge Priener mit der Chiemgau-Zeitung.

Prien/Ecuador – David Voderholzer ist 19 Jahre jung, hat sein Abi 2019 am Ludwig-Thoma-Gymnasium in Prien gemacht und bereits ein Semester seines Physikstudiums an der Universität Zürich hinter sich – und sorgt nebenbei im Vorstand des Vereins „Musiker ohne Grenzen“ dafür, dass junge Menschen in Lateinamerika Trompete spielen lernen. Über sein Engagement sprach der junge Priener mit der Chiemgau-Zeitung.

Musikunterricht in Ecuador statt in Bayern – was macht den Unterschied aus?

David Voderholzer: Mein erster Schüler war ein fünfjähriger Bub, er war ein absoluter Anfänger und für ihn war es altersgemäß nicht so einfach, sich lange zu konzentrieren. Zudem hatte ich noch große Probleme mit meinem Spanisch, dennoch haben wir die Unterrichtsstunde gut bewältigt.

Sind die Berührungsängste der Kinder in solch einer Situation größer als hier in Deutschland?

Voderholzer: Das kann ich noch nicht so beurteilen, da ich daheim noch nicht unterrichtet habe. Ich denke aber, dass es da keine Unterschiede gibt. Der Bub wurde von seiner Mutter zum Unterricht gebracht, war natürlich zunächst sehr schüchtern, aber dann wurde er freier und war völlig neugierig auf das Instrument.

Hat er einen Ton ‘rausgebracht?

Voderholzer: Ja, der war zwar noch nicht so sauber, aber immerhin. Ich hatte den Eindruck, dass die jüngeren Schüler sich leichter tun, Töne auf der Trompete zu spielen als die älteren. Dennoch musste ich mit dem Bub mehrere Male von vorn wieder anfangen. Bei meinem 31-jährigen Gastbruder – aus der Familie, bei der ich untergebracht war – hat’s allerdings mehrere Wochen gedauert, bis was Brauchbares zu hören war. Wichtig ist halt ein längerer durchgehender Unterricht, damit sich die ersten Erfolge einstellen. Solange war ich leider nicht dort…

Wann waren Sie zum ersten Mal in Guayaquils?

Voderholzer: Ende Januar 2020 war ich dort angekommen und wollte eigentlich bis Anfang September bleiben, Corona bedingt musste ich aber Anfang April abbrechen und zurück nach Deutschland.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, sich für „Musiker ohne Grenzen“ zu engagieren?

Voderholzer: Nach meinem Abitur wollte ich auf jeden Fall eine Pause einlegen und weder eine Ausbildung noch ein Studium antreten, sondern ein Freiwilligen-Projekt im Ausland unterstützen. Lateinamerika war schon immer mein Ziel, um Spanisch zu lernen, und weil Musik mein Hobby ist, kann ich beides im Verein Musiker ohne Grenzen unter einen Hut bekommen. Das Projekt habe ich bei entsprechenden Recherchen im Internet gefunden. Nach einem Vorbereitungsseminar im niedersächsischen Bad Fallingbostel ging’s dann nach Ecuador.

Wie war das Gefühl im Flieger auf der Reise ins unbekannte Abenteuer?

Voderholzer: Ich war schon sehr aufgeregt, aber auch sehr neugierig, vor allem habe ich mich gefreut, auch mal wegzukommen aus Deutschland und von Zuhause.

Aus einem reichen Land ins Vorstadtgebiet der Hafenstadt Guayaquil am Pazifik – ein starker Kontrast…

Guayaquil ist eine Hafenstadt in Ecuador, die als Tor zu den Pazifikstränden und den Galapagosinseln gilt.

Voderholzer: …ja, genau, der Guasmo Sur ist ein relativ armes Viertel im Süden der Hafenstadt, die größte Stadt in Ecuador (2,7 Millionen Einwohner; Anm. d. Red.). Das bedeutet, dass sich die meisten Familien unserer Musikschüler die Instrumente nicht leisten können und in der Musikschule üben müssen.

Das heißt, sie leihen sich die Instrumente aus?

Voderholzer: Ja, sie werden durch Spenden angeschafft, die hauptsächlich aus Deutschland kommen, und ausgeliehen. Der Verein freut sich aber auch über Sachspenden, das heißt gebrauchte Instrumente.

Apropos Verein – Sie arbeiten im Vorstand mit. Was ist Ihre Aufgabe?

David Voderholzer (rechts) im Nationalparkmit Musikerkollegen auf Tour.

Voderholzer: Ich kümmere mich mit weiteren Vorstandskollegen um die interne Vereins-Kommunikation in Deutschland, um juristische Fragen wie zum Beispiel Satzungsänderung oder Ähnliches sowie um Organisation von Mitgliederversammlungen.

Was haben die Erlebnisse in Ecuador bei Ihnen bewirkt?

Voderholzer: Diese Erfahrung mit einer anderen Kultur, anderen sozialen Verhältnissen – das hinterlässt schon Spuren: Ein bisschen bescheidener zu sein und offener im Umgang mit anderen Kulturen.

Erstaunlich ist, dass Sie Physik an der Universität Zürich studieren - und nicht Musik…

Voderholzer: …ich hatte es mir länger überlegt, aber dann für Physik entschieden, die hat mich schon immer interessiert.

Was sind die großen Ziele? Die Forschung?

Voderholzer: Das kann ich noch nicht sagen, ich stehe nach dem ersten Semester noch ganz am Anfang vom Bachelor und werde in fünf Jahren sehen, wo ich hin will.

An seinem 18. Geburtstag bekam David Voderholzer von seiner Gastfamilie eine Geburtstagstorte.

Wie heißt Ihre Band in Zürich? Ein Musiker ohne Band – schwer vorstellbar…

Voderholzer: (Lachend) Das ist die Polyband der Uni. Wir spielen Tanzmusik, Jazz, auch modernere Musik. Aber Corona bedingt haben wir schon lange nicht mehr proben können, ich vermisse es sehr.

Der Verein „Musiker ohne Grenzen“ stellt sich vor:

David Voderholzer

Informationen zum Projekt und Spendenmöglichkeiten: www.musikerohnegrenzen.de

Von 2005 bis 2006 absolvierte die Abiturientin Magdalena Abrams auf eigene Initiative einen Freiwilligendienst in dem sozialen Brennpunkt Guasmo Sur in Guayaquil, Ecuador. In Zusammenarbeit mit dem einheimischen Entwicklungsprojekt „Asociación Movimiento Mi Cometa“ entstand während dieses Freiwilligendienstes eine Musikschule für die Menschen des unmittelbaren Umfelds. Im Jahr 2007 startete daraufhin eine 15-köpfige Gruppe von Musik-Studierenden ein Pilotprojekt: Sie unterrichteten sechs Wochen ehrenamtlich in dem Musikprojekt. Sie lebten vor Ort in den Familien der Schüler, was neben den musikalischen Lernprozessen auch intensive interkulturelle Begegnungen ermöglichte. Im März 2008 gründeten Studenten der Hochschule für Musik und Theater Hamburg den gemeinnützigen Verein „Musiker ohne Grenzen e.V.“ mit dem Ziel, die Musikschule im Guasmo Sur mit personellen und finanziellen Ressourcen sowie Sachspenden zu unterstützen.

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