Bußgelder drohen

Verbot für Radler auf Chiemsee-Uferweg in Prien wird jetzt kontrolliert

Idylle pur: Der Chiemsee lockt Jahr für Jahr Hunderttausende Urlauber an. 2019 waren es noch mehr als im vergangenen Jahr. Tourismusverband Chiemsee-Alpenland
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Wer die Aussicht auf den Chiemsee per Rad erkunden möchte, sollte in Prien künftig mit Kontrollen rechnen. (Symbolbild)
  • Dirk Breitfuß
    vonDirk Breitfuß
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Wer zwischen Stippelwerft und Forellenweg mit dem Fahrrad auf dem Chiemsee-Uferweg fährt, muss ab sofort mit Kontrollen rechnen. Weil sich die Beschwerden über Radler auf diesem Teilstück gehäuft haben, hat der Marktgemeinderat mehrheitlich den rechtlichen Rahmen für Kontrollen beschlossen.

Prien – Mitarbeiter des Kommunalen Zweckverbands Oberland sind jetzt berechtigt, Radler zu kontrollieren. Der Uferweg ist zwischen Stippelwerft und Forellenweg sehr schmal. Versuche der Gemeinde, ihn zu verbreitern, waren vor Jahren am Widerstand der Naturschutzbehörde am Landratsamt Rosenheim gescheitert, denn der Weg führt durchs Landschaftsschutzgebiet.

Chiemsee-Weg führt über die Osternacher Straße

Als der Radler-Verkehr immer mehr zunahm, hatte der Markt Prien diesen mehrere hundert Meter langen Teilabschnitt für Radler gesperrt und dies mit Absperrungen und Schildern verdeutlicht. Wer auf dem Drahtesel das Bayerische Meer umrundet, wird durch die Beschilderung über die Osternacher Straße, den Schratzen- und Forellenweg geleitet und kommt an dessen Ende bei der Bootshütte der Wasserschutzpolizei wieder auf den eigentlichen Uferweg.

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Im Corona-Sommer 2020, als Urlaub daheim angesagt war und der Ansturm auf den Chiemsee nicht gekannte Ausmaße angenommen hatte, hatten sich beim Ordnungsamt im Rathaus die Beschwerden über radelnde Ausflügler auf dem eigentlich Spaziergängern vorbehaltenen Uferweg-Stück gehäuft. Ordnungsamts-Leiter Martin Plenk berichtete auf Nachfrage der Redaktion, dass zwischen Mai und August im Schnitt täglich eine Beschwerde eingegangen sei. Plenk sprach von „Verbalausfällen“. Darauf hat der Markt Prien nun reagiert.

Der Kommunale Zweckverband Oberland kontrolliert schon seit vielen Jahren als Dienstleister im Auftrag der Gemeinde den ruhenden und fließenden Verkehr im Ort. Neben Falschparkern und Temposündern nimmt der Zweckverband nun auch Radler ins Visier, die trotz Verbot den Uferweg benutzen. „Wir brauchen ein Werkzeug, damit wir bei sich häufenden Beschwerden flexibel agieren können und nicht jeden Sommer Urlaubsgäste vergraulen. Leider ist es heute so, dass es nur über den Geldbeutel funktioniert“, hatte Bürgermeister Andreas Friedrich (ÜWG) begründet. Der Vorstoß der Verwaltung stieß aber nicht nur auf Zustimmung. Johannes Dreikorn (CSU) wies darauf hin, dass dieser Bereich der einzige Zugang zum See abseits der Straßen sei. „Ich möchte nicht als Radler einen Strafzettel bekommen, wenn ich zum Baden fahre.“ Sein Fraktionskollege und Zweiter Bürgermeister Michael Anner hielt dem entgegen, dass es „halt ein paar Unvernünftige“ gebe und deren Verhalten „für Fußgänger sehr unangenehm“ sei.

Hoffmann-Kuhnt: „Ein Tritt vors Schienbein“

Nach den Beobachtungen von Dr. Simone Hoffmann-Kuhnt (Grüne) geht es um ein „Problem an einigen Tagen im Sommer“. Für sie sind die Kontrollen „absoluter Wahnsinn. Das ist ein Tritt vors Schienbein, anstatt dafür zu sorgen, dass Radfahrer sicher ans Ziel kommen“. Ihre Fraktionskollegin Angela Kind wiederum sah „nicht das große Problem“. Sie verwies auf den für heuer angepeilten Ausbau der Osternacher Straße, die mit einem neuen, breiten Radweg ausgestattet werden soll.

Peter Fischer (ÜWG) würde lieber präventiv an die Vernunft appellieren“ statt zu bestrafen und Julia Niemayer (BfP) sprach sich dafür aus, die Uferweg-Umfahrung für Radler attraktiver zu gestalten.

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Auch Ludwig Ziereis (CSU) mutmaßte, dass die Ursache des Dilemmas darin liege, „dass unser Radwegnetz nicht akzeptiert wird“.

Friedrich war es bei aller Kritik wichtig, den Weg für Kontrollmöglichkeiten frei zu machen. „Es geht auch darum, ob ich meine Bürger ernst nehme, die sich beschweren“, gab der Bürgermeister zu bedenken.

Auf Nachfrage von Sonja Werner (Grüne) nach dem Kosten-Nutzen-Verhältnis führte er aus, dass sich bei Parkraum- und Geschwindigkeitsüberwachungen durch den Zweckverband Kosten und Nutzen für die Gemeinde etwa die Waage hielten.

Annette Resch: Radler könnten auch schieben

CSU-Fraktionssprecherin Annette Resch schließlich beendete die lange Liste der Wortbeiträge mit einem ganz pragmatischen Vorschlag: Radler könnten ihren Drahtesel die paar hundert Meter, um die es ging, ja auch schieben.

Mit 15:9 Stimmen quer durch die Fraktionen sprach sich der Marktgemeinderat am Ende für die Kontrollen aus.

Plenk zufolge sei mit Zweckverband und Polizeiinspektion Prien besprochen, dass etwa zweimal im Monat für einige Stunden spezielle Kontrollen auf dem Uferweg-Abschnitt durchgeführt werden. Rechtlich sei es zwingend, dass zum Mitarbeiter des Zweckverbands ein Polizeibeamter dabei sei.

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Der Grundsatzbeschluss ist nicht auf den Uferweg beschränkt. Mitarbeiter des Zweckverbands könnten in Abstimmung und nach Vorgaben der Gemeindeverwaltung auch an anderen Stellen Radfahrer kontrollieren, zum Beispiel an der Eisenrichter-Unterführung zwischen Schul- und Hallwanger Straße, wo Schilder darauf hinweisen, dass Radler absteigen sollen. Viele bleiben aber im Sattel sitzen.

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