NAHE DER RÖTHELMOOSALM

Uralte, mystische Symbole im Stein

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Totenschädel und unheimliche Begegnung mit Neo-Druiden: Was Heimatforscher Willi Schwenkmeier zur Mittsommerwende an einem Kultstein auf der Röthelmoosalm erlebt hat.

Ruhpolding – Besondere Steine haben von jeher das Interesse der Menschen angezogen und für viele Sagen und Geschichten gesorgt. Das gilt für den Ayers Rock in Australien wie für die Extern-Steine im Teutoburger Wald oder den wie von Zauberhand gespaltenen Klobenstein an der Tiroler Ache zwischen Schleching und Kössen. Die angebliche Heilkraft des Durchschlupfsteins und die benachbarte Wallfahrtskirche ziehen jährlich viele Besucher an.

Weniger bekannt sein dürfte ein ganz besonderer Durchschlupfstein unweit der Röthelmoosalm bei Ruhpolding. Der sogenannte Speckstein liegt versteckt in einer idyllischen, kräuterbewachsenen Hirschwiese mit uralten Tannenriesen. Ebenso wie der nur wenige hundert Meter Luftlinie entfernte, höhergelegene Kreuzstein im nördlichen Schatten der Hörndlwand ist der Felsen ganz offensichtlich bereits seit Jahrhunderten Ziel von Menschen mit einem besonderen Anliegen gewesen. Bereits seit dem 12. Jahrhundert sind in dem Gebiet Almen nachgewiesen.

Mit Hilfe von geheimnisvollen Ritzzeichnungen wollten Steinsucher die Gefahren der Naturkräfte bannen und um Schutz für Gesundheit, Haus und Vieh bitten. Und so finden sich Kreuze, Drudenfüße, seltsame Oktogone, Leitern, Netze, Wellenzeichen, Radkreuze und allerhand mysteriöse Symbole mehr auf den moosübersäten Felswänden. Jahreszahlen weisen bis ins 17. Jahrhundert zurück. Noch viel älter dürfte das Sinnbild eines stilisierten Bogens sein.

Zusammen mit dem Heimatforscher, Alpinisten, Buchautor, Stückeschreiber und Schauspieler Willi Schwenkmeier aus Siegsdorf den Speckstein zu besuchen, hat schon etwas Besonderes.

Der pensionierte Lehrer aus Siegsdorf hat sich vor Jahren anlässlich des Artikels eines Wiener Forschers von Ritzzeichnungen in den Alpen auf die Suche nach dem Speckstein gemacht und hatte dabei eine Begegnung der unheimlichen Art. Bezeichnenderweise passierte dies auch noch um die Zeit der Mittsommerwende.

Er erinnert sich: „Mich hat damals ein Bericht mit Fotos von Franz Wollenik auf die Spur gebracht, nach dem Stein zu suchen. Angeblich handelte es sich bei dem kultisch verehrten Speckstein und dem Kreuzstein um die einzigen Fundstücke mit historischen Ritzzeichnungen im Bereich zwischen Berchtesgaden beziehungsweise Bad Reichenhall und Oberammergau.“

Schwenkmeier suchte das fragliche Gebiet intensiv ab, bis er den verborgen liegenden Speckstein mit dem auffälligen Spalt fand. Neben den Ritzzeichnungen zogen aber noch eine Reihe weiterer gruseliger Details das Interesse des Heimatforschers auf sich: „Direkt gegenüber der Wand mit den Zeichnungen stand auf einem Steinvorsprung ein Totenschädel mit Kerzen und einigen keltischen Symbolen.“

Bei skurriler Szene etwas mulmig zumute

Sollte es ein Zufall sein, dass sich diese Utensilien ausgerechnet zur Mittsommerwende hier fanden? Schwenkmeier wollte es genauer wissen: „Ich machte mir einen Spaß draus und legte mich am späten Nachmittag in knapper Entfernung von dem Schlupfstein und in Hörweite auf die Lauer.“

Und tatsächlich: Am frühen Abend tauchten zwischen acht und zehn in weiße Kapuzengewänder gehüllte Personen auf und machten sich im Spalt des Schlupfsteines zu schaffen. Undeutliches Murmeln und Geräusche waren zu hören. „Da war mir schon etwas mulmig zumute“, erzählt der frühere Lehrer. „Offensichtlich waren das Keltenverehrer oder Neo-Druiden, weil sie schließlich noch um den oder vor dem Stein herumtanzten und Lieder sangen.“

Er habe mit solch esoterischen Dingen wenig am Hut, gesteht der Heimatforscher und fährt fort: „Mit so einem Gefühl zwischen Kopfschütteln und Lachmuskelreizung habe ich mich schließlich von dieser skurrilen Szenerie davongestohlen und auf den Heimweg gemacht.“

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