Unwucht im Personennahverkehr

Nicht alles läuft rund im regionalen Öffentlichen Personalverkehr. Insbesondere auf der Strecke von Traunstein in Richtung Trostberg gibt es Kritik und Beschwerden. Am Donnerstag befasste sich der Traunsteiner Stadtrat mit dem ÖPNV-Konzept des Landkreises. Foto Wittenzellner
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Nicht alles läuft rund im regionalen Öffentlichen Personalverkehr. Insbesondere auf der Strecke von Traunstein in Richtung Trostberg gibt es Kritik und Beschwerden. Am Donnerstag befasste sich der Traunsteiner Stadtrat mit dem ÖPNV-Konzept des Landkreises. Foto Wittenzellner

Intensiv hat sich der Taunsteiner Stadtrat in seiner öffentlichen Sitzung am Donnerstagnachmittag mit dem Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) auseinandergesetzt. Die Fraktionen, die dieses Thema teilweise auch als Wahlkampfthema entdeckt haben, machten ihre Standpunkte deutlich.

Traunstein - Eine Verstärkung und Optimierung sowie ein Ausbau des Öffentlichen Personen ÖPNV in der Region wird seit vielen Jahren von verschiedenen Seiten gefordert. Benutzerfreundlich soll er den Mobilitätsanforderungen der Pendler und Reisenden in Bus und Bahn in der Region genügen. Daneben soll der vermehrte Umstieg vom eigenen Auto auf öffentliche Verkehrsmittel einen ökologischen Nutzen durch eine Verringerung des CO2-Ausstoßes bringen, oft überlastete Straßen und Innenstädte sollen dazu entlastet werden.

Der Landkreis Traunstein hat sich dieses Themas im Frühjahr 2012 angenommen und lässt derzeit ein Gesamtkonzept durch ein externes Fachbüro erstellen, das nach Zustimmung des Landkreises und betroffener Städte und Gemeinden in den kommenden zehn bis 15 Jahren umgesetzt werden soll. Im November vergangenen Jahres gab es einen ersten Zwischenbericht, der im Traunsteiner Kreistag diskutiert wurde und auch den betroffenen Städten und Gemeinden zur Stellungnahme zugeleitet wurde. Der Traunsteiner Stadtrat diskutierte am Donnerstag in seiner öffentlichen Sitzung über die Thematik.

Die Ziele des Landkreises sind klar: Im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten das bestmögliche Dienstleistungsangebot entwickeln, bestehende Systeme ausgewogen einzubauen und bei der Gestaltung den gesamten Landkreis im Blick haben. In dem nun vorgelegten Entwurf wurden einige Maßnahmenschwerpunkte definiert. So sollen unter anderem Bedienungslücken der RVO-Buslinie Traunstein-Traunreut-Trostberg-Garching geschlossen werden, ein Bahnhaltepunkt im Norden Traunsteins errichtet werden und auf den Bedarf abgestellte Bedienungsangebote im Nordosten und Nordwesten des Landkreises optimiert werden.

Für viele Bürger sieht es allerdings weniger nach "Optimierung" sondern vielmehr nach "Ausdünnung" aus, was insbesondere die Verbindungen in den Norden des Landkreises betrifft, wie zunehmende Bürgerbeschwerden "abgehängter Gemeinden" wie beispielsweise Aiging zeigen. Die Ausdünnung der Verbindungen mit dem RVO-Bus hatte aber nicht nur einen Kostenaspekt als Hintergrund. War es doch eines der Ziele des Landkreises dadurch die Fahrgastzahlen auf der Bahnstrecke zu erhöhen. Eine Zielsetzung, die nicht erreicht wurde, da eine Zunahme der Nutzung der Bahn auf der Strecke, dessen Züge schon als "Geisterzug" oder "Gebetszug" genannt werden (die Reisenden müssten alle auf ihren Knien beten, da man sie beim Vorbeifahren nicht sehe) konnte nicht erreicht werden.

Die Stadt will zur Stärkung der Bahnlinie einen Bahnhaltepunkt am Klinikum und in Empfing realisieren, der die Attraktivität der Bahn zwischen Traunstein und Traunreut verbessern soll. Gespräche zwischen der Stadt Traunstein, dem Landkreis Traunstein und der Bahn werden bereits geführt. Ziel der Stadt ist, den Bahnhaltepunkt am Klinikum bis Ende 2015 zu realisieren.

Die Verwaltung wies in der Sitzungsvorlage darauf hin, dass es zwischen den Parallelverkehrsmitteln Bus und Bahn immer eine Konkurrenz geben werde. Gleichzeitig würden Statistiken zeigen, dass Fahrgäste auf kurzen Fahrstrecken eher den Bus benutzen und auf weiteren Fahrstrecken die Bahn als Alternative ansehen würden.

Die Stadt Traunstein hat nicht nur Probleme mit dem ausgedünnten überregionalen Verkehrsnetz. Auch im innerstädtischen Bereich ist es nötig, das Verkehrsnetz zu optimieren, wie es in der Sitzungsvorlage heißt. Das angestoßene Thema "Rufbus" habe sich noch nicht realisieren lassen, was auch an der geringen Bereitschaft des örtlichen Taxigewerbes und anderer Anbieter liege. Man sei hier aber über eine gebildete Arbeitsgruppe im Gespräch und überlege die Taktung der Fahrpläne ebenso zu ändern wie eine Ausstattungsverbesserung der Haltestellen (Beschilderung, Ausleuchtung, Wartehäuschen und Sitzgelegenheiten) durchzuführen.

Beschlossen wurde nach der umfangreichen Diskussion mit allen Stimmen, dass auf der Bahnstrecke Traunstein-Trostberg-Garching-Mühldorf ein Stundentakt angeboten werden solle. Man wolle die bestehende Taktung beibehalten, das Schienennetz solle bis Mühldorf technisch auf den neuesten Stand optimiert werden. Auf der Strecke Rosenheim-Traunstein-Salzburg solle mindestens die derzeitige Taktung beibehalten werden. Daneben plädiere man für eine Reduzierung der Bahnverbindungen zwischen Traunstein und Traunreut und wolle den Haltepunkt Klinikum Traunstein umgehend planen und bis Ende 2015 fertigstellen. Eine Verbesserung des integrativen Konzeptes Bahn-Bus wurde gefordert um unrentable Parallelfahrten zu vermeiden. wz

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