Unterwössens Beitrag zur Zukunft des Wohnens

Barrierefrei und bezahlbar Wohnen im Ortszentrum von Unterwössen: So soll die neue Anlage aussehen. Maro
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Barrierefrei und bezahlbar Wohnen im Ortszentrum von Unterwössen: So soll die neue Anlage aussehen. Maro

Die genossenschaftliche Baugesellschaft MARO und die Lebenshilfe Traunstein planen in Unterwössen eine zukunftsträchtige Wohnanlage mit der Gemeinde. Familien, Senioren und Alleinstehende sollen hier Chancen auf bezahlbaren und barrierefreien Wohnraum erhalten. Geplant sind 32 Wohneinheiten.

Von Ludwig Flug

Unterwössen – Unter dem Stichwort „Wohnen hinterm Rathaus“ plant die MARO Genossenschaft in enger Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe Traunstein und der Gemeinde Unterwössen ein Projekt für ein Mehrgenerationenhaus auf dem Gelände des ursprünglichen Holzhandels Döllerer. Die Projektleiterin, die Unterwössner Sabine Lenk, stellte das Projekt im Wössner Gemeindesaal des alten Bades Interessierten vor.

Die „MARO Genossenschaft für selbstbestimmtes und nachbarschaftliches Wohnen“ aus Ohlstadt will das Wohnprojekt mit integrierter Arztpraxis für barrierefreien, bezahlbaren Wohnraum im Ortszentrum errichten. Die Zielgruppe seien Alleinstehende, Paare, Senioren und Familien.

Wohnungen und eine Arztpraxis

Wie Bürgermeister Ludwig Entfellner hervorhob, entstand das Projekt in enger Abstimmung mit der Gemeinde nach Analyse des Wohnungsbedarfes. Das Wohnprojekt mit drei Baukörpern umfasst 32 Wohnungen mit einer Wohnfläche von je zwischen 49 und 101 m². So entstehen verschieden große Wohnungstypen mit zwei bis fünf Zimmern. Die Architektur orientiert sich an der ortsüblichen Gestaltung in Unterwössen. Die Gebäude haben Satteldächer mit großen Dachüberständen. Die Fassaden sind großzügig mit Holz verkleidet. Der Gebäudekörper Mitte beherbergt im Erdgeschoss die Arztpraxis und einen Gemeinschaftsraum für alle Bewohner. Die Wohnungen verteilen sich auf drei dreigeschossige, untereinander verbundene Gebäude.

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Ein Aufzug im Gebäude Mitte ermöglicht über Brücken zwischen den Gebäuden barrierefreien Zugang zu allen Wohnungen.

Ökologisch und nachhaltig

Die Gebäude sind ökologisch nachhaltig und energieeffizient nach dem KfW-55-Standard ausgelegt. Um das Gebäude liegt eine Außenanlage mit Gemeinschaftsgarten. Pkw-Parkplätze und Fahrradhäuser liegen ebenerdig.

Als Genossenschaft legt die MARO nach Darstellung von Sabine Lenk Wert „auf die Qualität des Miteinanders, auch wenn jeder Bewohner seinen individuellen Freiraum behält“. Monatliche Bewohnertreffen sollen helfen, bereits während der Bauzeit zu einer Gemeinschaft zu finden. Sie bieten außerdem Gelegenheit, Ideen einzubringen.

Alle Wohnungen sind genossenschaftliche Mietwohnungen, schreibt Lenk, und sowohl frei als auch über eine einkommensorientierte Förderung (EOF) für die Mieter finanziert. Das Förderungsprogramm unterstützt Personen kleinerer, aber auch mittlerer Einkommen. Insgesamt 20 der 32 Wohnungen der MARO sind in Unterwössen in EOF-Programm integriert.

Lenk sprach auch die Möglichkeit an, sich als Investor in das Projekt einzubringen und eine Rendite von vier Prozent zu erwirtschaften.

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Förderung orientiert sich am Einkommen

Die MARO Genossenschaft kalkuliert die Gesamtkosten auf 11,3 Millionen Euro. Rund 5,1 Millionen Euro beschafft sie über einen Förderkredit, knapp eine halbe Million über Förderung. Über einen Bankkredit bezieht sie 3,1 Millionen Euro. 1,5 Millionen Euro fließen über die Anlegeranteile ein und 1,1 Millionen Euro über die sogenannten Wohnung-Pflichtanteile.

Sabine Lenk beschreibt, wie die Bewohner Mitglieder der MARO Genossenschaft werden und bei Zuschlag Wohnraum auf Lebenszeit zu langfristig stabilen Mieten erhalten. Für den Mieter einer frei finanzierten Wohnung erwartet die MARO 10,50 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter Wohnfläche. Für Mieter, die die einkommensorientierte Förderung genießen, rechnet die MARO mit einer Kaltmiete zwischen fünf bis sieben Euro pro Quadratmeter Wohnfläche.

Baubeginn wohl schon im Frühsommer

Die Nebenkosten veranschlagt sie mit rund zwei Euro pro Quadratmeter. Der sogenannte Wohn-Pflichtanteil beträgt pro Quadratmeter Wohnfläche 500 Euro.

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Nachfragen zu dem Projekt drehten sich um das Thema Erbansprüche beim Tod eines Mieters und was im Insolvenzfall geschieht. Sabine Lenk verwies dazu auf die strenge Aufsicht, der sich die MARO im Prüfverband der bayerischen Wohnungsgesellschaften unterworfen habe. Den Baubeginn kündigte sie für Ende Frühjahr/Sommer dieses Jahres an. Bürgermeister Ludwig Entfellner sah in dem gemeinsamen Projekt von MARO und Lebenshilfe ein „zukunftsweisendes Modell“ für bezahlbaren Wohnraum. Der Gemeinderat habe dieses Konzept einstimmig abgesegnet.

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