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Ältester Bürger in Unterwössen

Viele Glückwünsche am Küchenfenster für Johann Haßlberger zum 104. Geburtstag

Geburtstagsempfang am Küchenfenster: Johann Haßlberger feierte in Oberwössen seinen 104. Geburtstag. Tochter Heidemarie half, der Besucher am Küchenfenster und am Telefon Herr zu bleiben.
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Geburtstagsempfang am Küchenfenster: Johann Haßlberger feierte in Oberwössen seinen 104. Geburtstag. Tochter Heidemarie half, der Besucher am Küchenfenster und am Telefon Herr zu bleiben.
  • VonLudwig Flug
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Der älteste Bürger Unterwössens feierte jetzt seinen 104. Geburtstag: Johann Haßlberger nahm die vielen Glückwünsche am offenen Küchenfenster entgegen.

Unterwössen – Da überschlagen sich die Statistiken. 73 Jahre Mitglied und Ehrenvorstand des VdK-Ortsverbandes Wössen, ältester Bürger Unterwössens: Johann Haßlberger feierte jetzt seinen 104. Geburtstag zuhause in Oberwössen.

Feiern ist das richtige Wort. In Corona-Zeiten geht dem lebensbejahenden Mann das Miteinander ab, die Gespräche mit den Nachbarn und Freunden, wie er bekennt. Da war es jetzt ein Tag nach seinem Herzen. Das Telefon klingelte ununterbrochen. Johann Haßlberger freute sich über die Gespräche am Telefon. Die meiste Zeit nahm er sie am offenen Küchenfenster entgegen, denn das halbe Dorf Oberwössen schaute auf einen Schwatz vorbei. Einen gut aufgelegten Senior trafen wir am Fenster, als die Chiemgau-Zeitung ihm gratulierte.

Ein Rollstuhl erleichtert die Wege

Nur eines änderte sich gegenüber dem Vorjahr: Ein Rollstuhl erleichtert ihm jetzt die Wege.

Am 31. März 1917, im Ersten Weltkrieg, kam Haßlberger als drittes Kind der Eheleute Matthias und Teresa Haßlberger zur Welt. Schon drei Jahre später verstarb seine Mutter. Der Vater heiratete wieder. Nach der Volksschule in Oberwössen fand Sohn Johann Arbeit als Knecht am Hof. Im Zweiten Weltkrieg diente er von 1938 im 19. Infanterieregiment der Wehrmacht. Am 8. Juni 1940 riss ihm nahe Abbeville an der Somme ein Granatsplitter das rechte Ellbogengelenk weg und im Lazarett amputierten ihm die Mediziner den Arm etwa 15 Zentimeter unterhalb der Schulter. Ab 1941 arbeitete er im Werkschutz der Annahütte in Hammerau.

Bauernhof bis 1948 bewirtschaftet

Weil seine beiden Brüder in Gefangenschaft gerieten, bewirtschaftete der Unterwössner bis 1948 mit seinem Vater den elterlichen Bauernhof. In Hammerau lernte er seine spätere Frau Anna Gößl kennen. Die Töchter Heidemarie und Johanna gingen aus der Ehe hervor. Bis zum August 1948 lebte die Familie im Zuhaus des alten Ruhlanderanwesens. Seit Juli 1953 leben Johann Haßlberger und Tochter Heidemarie im eigenen Haus am Zeilackerweg.

1948 trat er in die Dienste der Raiffeisenbank in Unterwössen und arbeitete dort bis zu seiner Rente im Dezember 1979. Mit Ehefrau Anna feierte er 2004 diamantene Hochzeit, sie verstarb zwei Jahre später. Das Ehepaar hat hat zwei Enkeltöchter.

Führerschein erst mit 50 gemacht

Für die Oberwössner gehörte Johann Haßlberger auf seinem Rad immer zum Ortsbild. Seinen Führerschein erwarb er erst mit 50 Jahren. Das bewunderten die Oberwössner, weil ihm der Schicksalsschlag den rechten Arm nahm.

Nach außen ist Haßlberger der betagte, fröhliche Nachbar, der immer für einen humorvollen Spruch gut ist. So ist er bekannt im Dorf. Aber auch dafür: Dahinter verbergen sich zwei Eigenarten: Haßlberger ist ein Kämpfer, den Schicksalsschläge nie unterkriegten. Und er ist ein ausgeprägt sozialer Mensch, der seine Mitmenschen und die Gemeinschaft stets über persönliche Interessen stellte.

Immer für sein Dorf engagiert

Haßlberger hat sich immer für sein Dorf engagiert. Als er im Februar 1948 in den VdK eintrat, war die Not nach den Kriegswirren immer noch groß. Von 1986 bis 1994 war der Jubilar Vorsitzender des VdK Wössen. Zuvor hatte er in der Vorstandschaft als Beisitzer und Zweiter Vorsitzender gewirkt. Dem VdK-Ortsverband Oberwössen gehörte er von 1948 bis zum Zusammenschluss mit Unterwössen im Jahr 1981 an. 1994 wurde er für seine Verdienste zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Zu seinen vielen VdK-Auszeichnungen zählt auch die Silberne Ehrennadel des VdK Deutschland.

Johann Haßlberger war zudem Geschäftsführer beim Wasserbeschaffungsverband und Schriftführer im Verkehrsverein.

Ältestes Mitglied im VdK-Kreisverband

Ministerpräsident Markus Söder gratulierte schriftlich mit einem Geschenk. Nach Oberwössen kam Rudi Göbel, um persönlich zu gratulieren. Der VdK-Kreisvorsitzender äußerte gegenüber unserer Zeitung seine Hochachtung vor der Lebensleistung des Jubilars. „Johann Haßlberger hat sich immer für Menschen mit Handicap und Personen in Not mit all seinen Möglichkeiten eingesetzt.“ Haßlberger ist ältestes Mitglied im VdK-Kreisverband Traunstein; Mitglied ist er über 73 Jahre.

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