Unterwössen: Thomas Ager übernimmt das Steuer bei der DASSU

Erster Vorsitzender und Bürgermeister Ludwig Entfellner (von links), der neue geschäftsführende Vorsitzende Thomas Ager und der dritte Vorsitzende Dr. Thomas Holzmann.
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Erster Vorsitzender und Bürgermeister Ludwig Entfellner (von links), der neue geschäftsführende Vorsitzende Thomas Ager und der dritte Vorsitzende Dr. Thomas Holzmann.

Auch bei der Deutschen Alpensegelflugschule (DASSU) hat Corona Spuren hinterlassen. Auf der Jahreshauptversammlung wurde diskutiert, wie die DASSU durch die Krise kommt und sich künftig aufstellt.

Unterwössen – Die Jahreshauptversammlung der DASSU hatte wegen der Pandemie mehrfach verschoben werden müssen. Am meisten trieb die Mitglieder um, dass der Flugbetrieb stark eingeschränkt gewesen war. Der geschäftsführende Vorsitzende Thomas Ager brachte das Anliegen der Mitglieder auf den Punkt: „Wie hält die DASSU das aus?“

Sorgen machte dies auch Ludwig Entfellner, DASSU-Vorsitzender und Bürgermeister von Unterwössen: „Wir haben die letzten Monate ganz schön geschwitzt.“ Über Monate sei der Flugbetrieb eingestellt gewesen. Den erfolgreichen, kurzfristigen Neustart schrieb er großem Engagement der Belegschaft, wie auch der Unterstützung durch das Landratsamt Traunstein zu.

Beitragserhöhung nach 42 Jahren

Bei der Wahl wurde Entfellner im Amt bestätigt und Thomas Ager als neuer geschäftsführender Vorsitzender gewählt, was er bereits kommissarisch übernommen hatte. Als neuen dritten Vorsitzenden wählten die Mitglieder Dr. Thomas Holzmann.

Seit 42 Jahren war die Höhe der Vereinsbeiträge der DASSU-Mitglieder – neben den Vereinen am Flugplatz auch die Gemeinde, der Landkreis und der Luftsportverband Bayern – unangetastet geblieben. Einstimmig beschlossen die Mitglieder eine Erhöhung von 520 auf 750 Euro im Jahr.

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Völlig offen ist wegen Corona auch nach der Jahreshauptversammlung der Haushaltsplan. Die Mitglieder einigten sich darauf, dass erst in zwei Monaten ein angepasster Haushaltsplan die Richtung vorgeben soll. Für Klarheit über die finanzielle Situation der DASSU sorgte der neue Berater, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Andreas Struß aus Bernau.

Das Jahr 2019 brachte einen Verlust, bedingt durch viele Investitionen in Fluggeräte, Sicherheit und Zertifizierungen. Laut Ager lohnende Ausgaben: „Wir arbeiten hart daran, unseren Ruf als professionelle Flugschule deutschlandweit und darüber hinaus zu festigen.“ Dies sei die richtige Strategie angesichts der Probleme vieler kleinerer Vereine.

Potenziale bei Ultraleichtflug

Wachstumspotenziale sieht Ager im Bereich der Ultraleichtflugzeuge, bedingt durch Gesetzesänderungen. Diese Ausbildung könnte dem Verein zusätzliche Kunden bringen. Geplant sei deshalb, das Ultraleichtflugzeug in einen Doppelsitzer für die Schulung umzubauen, der zudem mehr Sicherheit für den Flugzeugschlepp bringe. Er schlug außerdem vor, die Startbahn um wenige Meter für einen Warte- und Rangierraum nach Süden zu verlängern und so das Fliegen attraktiver zu machen.

Ideen für neue Einnahmen hält auch Steuerberater Struß für wirtschaftlich notwendig. Schließlich sei auch zukünftig mit Schwankungen in den Jahresergebnissen zu rechnen. Diese seien für die Flieger allein durch den Einfluss des Wetters immer wieder zu erwarten, entsprechende Ideen möchte er mit den Verantwortlichen gemeinsam erarbeiten.

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Doch Ager nannte auch Positives bei seinem Rückblick. Erfreulich sei vor allem, dass 2019 wieder ein unfallfreies Jahr war. Die besonderen Kursangebote der DASSU seien regelmäßig ausgebucht. Auch der erstmals angebotene Fluglehrer-Lehrgang sei ein Erfolg gewesen, 2020 werde es davon zwei geben. Von den letztjährigen Absolventen verstärkten nun sechs das Gastfluglehrer-Team. 32 Schüler legten laut Ager die A-Prüfung ab, zwölf Schüler erwarben die Segelfluglizenz, 18 die Motorsegler-Lizenz.

Kundenzahl unter Erwartungen

Ager betonte, dass 2019 ein langes Fliegerjahr gewesen sei, allerdings mit einem wetterbedingten Einbruch im April und Mai. In Summe gab es 2019 10 807 Windenstarts und 1863 Schlepps. Die Zahl der Kunden ist Ager zufolge im Vergleich zu 2018 leicht unter den Erwartungen geblieben. So fielen Stammkunden aus dem Ausland aus, zum Teil bedingt durch die politische Situation.

Dennoch sei in 2019 investiert worden, unter anderem in den Motor und die Lackierung eines Leistungs-Einsitzseglers sowie in die Verglasung des Vereinslokals „Fliegeralm“.

Über die DASSU:

Da sich die Winde im Achental besonders für das Segelfliegen eignen, wurde die Deutsche Alpensegelflugschule Unterwössen (DASSU) 1954 gegründet. Als eine der drei größten Segelflugschulen in Deutschland zeichnet die sich die DASSU für ihre Lage direkt an den Alpen aus. Dadurch sind Segelflüge bis zur Alpensüdseite und entlang des Alpenhauptkamms möglich. Bis heute zeichnet sich die DASSU durch Innovationen aus. Neben dem Flugzeugschlepp mit Motorseglern und Elektrofahrzeugen für die Flugzeugrückholung betreibt die DASSU die weltweit erste Viertrommel-Elektrowinde.

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