23 Prozent der Gebäude betroffen

Unterwössen sagt dem Leerstand im Ort den Kampf an

Ein großer Teil der Gebäude an der Hauptstraße sind derzeit ungenutzt und sollen im Zuge der Sanierung wieder belebt werden. Die Gemeinde beziffert den Anteil leerer Flächen mit 23 Prozent.
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Ein großer Teil der Gebäude an der Hauptstraße sind derzeit ungenutzt und sollen im Zuge der Sanierung wieder belebt werden. Die Gemeinde beziffert den Anteil leerer Flächen mit 23 Prozent.

Im Unterwössner Ortskern steht fast jedes vierte Gebäude leer. Das missfällt Bürgern, Gästen und dem Gemeinderat. So sehen die Sanierungsziele eines Städteplaners für die Ortsmitte aus.

Von Bärbel vom Dorp

Unterwössen – Schon seit 25 Jahren beschäftigt man sich in Unterwössen mit der Sanierung der Ortsmitte. In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats ist man nun einen großen Schritt weitergekommen. Das Gremium billigte einstimmig die von Städteplaner Max Wüstinger erarbeiteten Ziele für die Fortschreibung des Sanierungsgebietes „Überwössner Ortsmitte“.

Seit 1997 gibt es für den Hauptort eine Sanierungssatzung mit den Schwerpunkten Verkehr, ruhender Verkehr, Fußgänger/Radlfahrer und Orts- und Landschaftsbild.

Ortskern soll rundum erneuert werden

Erweitert wurde die Satzung 2017 durch die Reaktivierung des Alten Bades. Neue Aspekte brachte dann das Gutachten „Ortsentwicklung für die Gemeinde Unterwössen“ der Beraterfirma CI-MA 2019 mit den Schwerpunkten Einzelhandel und Tourismus.

Mit dem weiteren Verfahren hat sich nun Städteplaner Wüstinger mittels einer Bestandsaufnahme und -analyse sowie Feinuntersuchungen von städtebaulichen Missständen, Mängeln und Konflikten im Ortszentrum beschäftigt. Ziel dieser vorbereitenden Untersuchungen ist der Erhalt und die Verstärkung einer lebendigen Ortsmitte, sozusagen eine „Runderneuerung“ des Ortskerns.

„Ort der Kommunikation“

Einer seiner Schwerpunkte bei der Bestandsaufnahme ist nach Wüstingers eigenen Worten der Handel: „Nicht nur als Versorgungsfunktion für die Bevölkerung, sondern weil er auch entscheidend zur Belebung, Gestaltung und Funktion der Ortsmitte beiträgt und ein Ort der Kommunikation und Identifikation ist“, so seine Begründung.

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So sollten nach seinen Vorstellungen die gewerblichen und gastronomischen Nutzungen an der Straße im Erdgeschoss „in Verbindung mit qualitativ vollwertigen und ruhigen Aufenthaltsbereichen“ gesichert und erweitert werden. Auf jeden Fall zu vermeiden seien nach seinen Vorstellungen Wohnungen im Erdgeschoss. Anlässlich der von 2017 bis heute gestiegenen Leerstände nutzbarer Gewerbeflächen im Erdgeschoss von dreizehn auf 23 Prozent des Gebäudebestands an der Hauptstraße, sieht der Planer zwar „keine schwerwiegenden Probleme, aber dennoch Handlungsbedarf.“

Grüne Sichtoasen

Weitere Planungsschwerpunkte waren für Wüstinger eine Verkehrsberuhigung in der Ortsmitte, „wenn möglich mit Tempo-30-Bereichen“, sowie bessere Querungsmöglichkeiten für Fußgänger und Radlfahrer.

Als weiteres Ziel formulierte er die Gestaltung der Vorbereiche von öffentlichen Gebäuden und die Weiterentwicklung von Grünstrukturen, öffentlichen Freiflächen und Sichtachsen. Weitere wichtige Punkte seien die Modernisierung sanierungsbedürftiger Fassaden sowie die Sicherung und der Erhalt ortstypischer Gebäude und deren Fassaden.

Das Konzept stieß bei allen Räten auf eine breite Zustimmung. Johannes Weber (CSU) drückte die Hoffnung aus, dass Tempo-30-Zonen realisiert und grüne Sichtachsen auf Dauer gesichert werden können.

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Für Matthias Schweigl (CSU) war das vorgestellte Konzept „eine sehr gute Handlungsanleitung“ und für Barthl Irlinger (OWG) „ein Signal für den Erhalt und die eventuelle Vergrößerung des Gewerbes“.

Als nächster Schritt auf dem noch sehr weiten Weg zur Realisierung der Sanierungssatzung solle nun die betroffene Öffentlichkeit und die öffentlichen Behörden –  wie im Bebauungsplanverfahren – beteiligt werden. Außerdem sollen die vorbereitenden Untersuchungen einschließlich der Festlegung des Sanierungsgebietes mit der Regierung abgestimmt werden.

Nach der Abwägung der Stellungnahmen steht der Erlass der Sanierungssatzung an. Erst dann geht es an die Konkretisierung der Pläne.

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