Symbol mit Rätseln

Unterwössen erinnert sich an den „Schwarzen Tod“: Das Pestkreuz an der Agg kehrt zurück

Ein ovales, grünes Schild erzählt von der Geschichte des neu errichteten Pestkreuzes in der Unterwössner Agg. Bürgermeister Ludwig Entfellner (von links) brachte es unter den Augen von Ortsheimatpfleger Anton Greimel und Spender Wim Janssen an der Fischerhütte an.
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Ein ovales, grünes Schild erzählt von der Geschichte des neu errichteten Pestkreuzes in der Unterwössner Agg. Bürgermeister Ludwig Entfellner (von links) brachte es unter den Augen von Ortsheimatpfleger Anton Greimel und Spender Wim Janssen an der Fischerhütte an.
  • vonLudwig Flug
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In Corona-Zeiten sind tödliche Seuchen plötzlich gedanklich gar nicht mehr so fern von der Realität. In Unterwössen steht ein Pestkreuz, das an den „Schwarzen Tod“ im Achental erinnert, nun an einem neuen Platz. Und birgt einige Rätsel.

Unterwössen – An der alten Straße nach Marquartstein zwischen dem Weiler Agg und der Schreinerei Kurfer kam ein kleiner Kreis um Bürgermeister Ludwig Entfellner und Ortsheimatpfleger Anton Greimel am dortigen neuen Stadel zusammen. Das historische Pestkreuz wurde dort neu errichtet und erinnert in Corona-Zeiten an das Leid der Vergangenheit.

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Vor rund fünf Jahren erwarb die Gemeinde den Grund, auf dem damals ein in die Jahre gekommener Stadel stand. Der Fischereiverein Wössen benötigte einen solchen Stadel für das Material des Vereins. Ein sehr aktiver Verein, aus Sicht von Bürgermeister Ludwig Entfellner.

Gemeinde nun im Besitz des Stadels

Aufgefallen war ihm bisher, dass die Fischer auf wenig Unterstützung von außen angewiesen waren. Doch jetzt sah die Gemeinde einen guten Zeitpunkt und verpachtete dem Fischereiverein mit einem Zehnjahresvertrag den Grund.

Ehrenamtliche Helfer rund um den Verein trugen den alten Holzstadel ab. Sie nahmen damit dem Gedenkstein unter seinem Überdach den Schutz. Ortsheimatpfleger Anton Greimel und sein Bruder Bernhard sicherten das kleine gedrungene Kreuz aus Kalkstein. Die Mitarbeiter des Bauhofes hoben es und lagerten es ein, bis der Steinmetzbetrieb Fritz Seibold und Sohn den Gedenkstein reinigten und überarbeiteten.

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Inzwischen errichtete der Fischereiverein einen neuen Stadel, in dem die Fischer nun ihr Material lagern. 10 000 Euro gab die Gemeinde zum Bau hinzu. „Das ist gut angelegtes Geld, wenn ich daran denke, dass der Stadel nun der Gemeinde gehört“, sagte der Bürgermeister.

Schutz für Pestkreuz

Der Ortsheimatpfleger und die Fischer einigten sich schnell auf einen neuen Standort für das Kreuz. So verwittert, wie es bereits war, stand vor allem der Schutzgedanke für dieses Kleinod im Vordergrund. Das Kreuz ist nun an der Längsseite der Hütte geschützt unter der Dachtraufe errichtet.

„Seit Jahrhunderten stand das Kreuz an der alten Straße zwischen dem Ortsteil Agg und der Waltlsäge, der heutigen Schreinerei Kurfer“, berichtet Ortsheimatpfleger Greimel vor Ort.

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Auch die Fachleute entzifferten die Schrift nur teilweise. Nach älteren Überlieferungen soll dort gestanden haben „Hier liegt begraben …., gestorben an der Pest ….. anno 1634. Das lässt auf ein Pestkreuz schließen, da in jenem Jahr die Pest im Achental grassierte, so Greimel. Urkunden aus dieser Zeit berichten, dass Marthein „Aeger zur Agg“ und sein Kind Sebastian an der „leidigen Infektionssucht mit Tod abgeleibt“ sind, weiß der Heimatpfleger.

Wurde hier nur der Bauer beerdigt oder noch weitere Opfer?

Möglicherweise sei der Agg-Bauer als Pestopfer außerhalb des Friedhofs auf eigenem Grund am Rand des Kirchenweges begraben. Eine andere Möglichkeit wäre, dass es sich um eine Grablege von mehreren Pestopfern handeln könne.

Dass das Kreuz nun etwas unscheinbar an der Längsseite des Fischerstadl steht, war für Nachbarn Wim Janssen Anlass, ein ovales, grünes Metallschild zu stiften, dass das Wissen über das Kreuz vermittelt. Das Schild brachte Bürgermeister Ludwig Entfellner über dem Kreuz an. Es ist das zweite Schild am dortigen Stadl, denn wenige Tage zuvor befestigte der Ortsheimatpfleger mit Helfern an der Stirnseite die Ortstafel für den Weiler Agg nach historischem Vorbild.

„Das ist ein gelungenes Projekt, um vergangene Kultur lebendig zu halten“, sagte Entfellner und bedankte sich bei den Helfern.

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