600 Unternehmen setzen 6,5 Millionen um

Unterhaltsamer "Kindergeburtstag"

Auf dem Traunsteiner Stadtplatz wurde Werbung für den "Chiemgauer" gemacht, unter anderem von einem Stelzengeher.  Foto eder
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Auf dem Traunsteiner Stadtplatz wurde Werbung für den "Chiemgauer" gemacht, unter anderem von einem Stelzengeher. Foto eder

Traunstein - Der "Chiemgauer" ist zehn Jahre alt geworden. Dieser "Kindergeburtstag", wie Moderator Bernhard Zimmer witzelte, stand im Vordergrund der Veranstaltung am Freitagabend im Traunsteiner Rathaus, mit der gleichzeitig der Regiogeld-Kongress eröffnet wurde. Der Chor "Giovedi vocale" gratulierte musikalisch mit einem eigens zu diesem Anlass gedichteten, temperamentvollen Lied "Wir stehen auf regional".

"Herr Chiemgauer" Richard Leitner präsentierte auf humorvolle Weise die eindrucksvollen Umlaufzahlen der Regionalwährung, Gründer Christian Gelleri erinnerte sich an die Anfänge zurück und bei einer lockeren Podiumsdiskussion erzählten Nutzer und Firmen über ihre positiven Erfahrungen und nannten als Ziel zum 20. Geburtstag: "Alle Geschäfte des täglichen Bedarfs in der Region sollen den ,Chiemgauer' nehmen."

Gelleri erzählte von der großen Freude, die ihm eine Rede von Ex-Bundespräsident Horst Köhler bereitet habe. Dieser hatte beim Jahresempfang der regionalen Wirtschaft in Bad Adelholzen den "Chiemgauer" in höchsten Tönen gelobt: "Regionale Währungen sollen ja gerade dazu beitragen, dass man ein wenig stolz darauf sein kann, welchen Zwecken das eigene Geld zugute kommt." Und dann hatte Köhler diese Zwecke aufgezählt: die regionale Wirtschaft, die Erhaltung regionaler Spezialitäten, die Vermeidung unnötiger Transportkosten, gemeinwohlorientierte Projekte, gemeinsames Bewusstsein für regionale Wirtschaftskreisläufe und nicht zuletzt das "heimatliche Wir-Gefühl".

Anfänge an der Waldorfschule Prien

Leitner stimmte in das allgemeine Lob mit ein. Der "Chiemgauer" sei das erfolgreichste deutsche Regiogeld und habe "bei 600 beteiligten Unternehmen den Riesenumsatz von 6,5 Millionen hingelegt".

Gelleri berichtete von den Anfängen als Schulprojekt an der Waldorfschule in Prien, wo er als Wirtschaftslehrer tätig war. Ein Problem liege noch darin, den "Chiemgauer" in die Gemeindeverwaltungen hinein zu bringen, was bisher häufig an der Bürokratie scheitere. Zudem müsse man sehen, dass viele "Chiemgauer"-Mitarbeiter, die zum Großteil ehrenamtlich tätig sind, an ihre persönlichen Grenzen stoßen.

"Ein Umsatz von 20 Millionen wäre gar nicht so schwer zu erreichen", meinte Gelleri, "wenn alle Mitglieder den ,Chiemgauer' auch wirklich nutzen würden." Und vielleicht, so seine abschließende Hoffnung, erfahre der "Chiemgauer" auch einmal politische Unterstützung.

Bernhard Zimmer, Moderator der Podiumsdiskussion, appellierte an die Nutzer der Regionalwährung, immer wieder in den Geschäften nachzufragen, in denen sie täglich einkaufen, ob sie nicht doch endlich auch "Chiemgauer" annehmen wollten.

Ein großer Befürworter des "Chiemgauers" ist Jürgen Wernhöner vom Sozialwerk Stephanskirchen. Diese Einrichtung profitiert von dem Drei-Prozent-Anteil, der vom gesamten Umsatz an Vereine und soziale Organisationen gespendet wird. Daher sei er konsequent: Wo man die Wahl habe, werde nur dort eingekauft, wo man mit "Chiemgauern" bezahlen kann.

Ähnlich sieht man es an der Waldorfschule in Prien - ist sie doch die Einrichtung, die vom "Chiemgauer" am meisten profitiert: über 20000 Euro in zehn Jahren.

Einer der großen Förderer ist die St.-Leonhards-Quelle: Die Firma bekommt viel mehr "Chiemgauer", als sie ausgeben kann. Das heißt, es müssen "Chiemgauer" rückgetauscht werden, was eine Gebühr von fünf Prozent bedeutet. Trotzdem ist es der Firma, wie Dominik Sennes sagte, diesen Einsatz wert, "weil es Sinn macht und um ein Bewusstsein für das Geldwesen zu schaffen".

Dominik Sennes nannte in der letzten Gesprächsrunde der Diskussion seinen Wunsch zum "Zehnjährigen", dass zum 20-jährigen Bestehen alle Geschäfte des täglichen Bedarfs den "Chiemgauer" annehmen sollten. Seiner Meinung wäre das, wenn man nur ordentlich Werbung dafür mache, durchaus machbar.

Gelleri richtete zum Abschluss großen Dank an die vielen, die in der Vorbereitung mitgearbeitet hatten, vor allem für die "Wahnsinnsarbeit" des Teams Elke Mathe und Christophe Levannier. edh

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