OVB-Serie über Friedhöfe im Chiemgau

Dem Himmel nah: Warum der Ruhpoldinger Bergfriedhof etwas Besonderes ist

Der Blick vom Friedhof geht in die Berge rund um Ruhpolding. Stefff
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Der Blick vom Friedhof geht in die Berge rund um Ruhpolding. Stefff

In unserer Serie über die Chiemgauer Friedhöfe geht es nach Ruhpolding. Der Bergfriedhof ist etwas ganz Besonderes. Sogar virtuell kann man ihn besuchen.

Von Corina Steffl

Ruhpolding – Auf dem Hügel neben der Pfarrkirche St. Georg erhebt sich der terassenförmig angelegte Bergfriedhof von Ruhpolding. Ein ungewöhnlicher, aber sehr eindrucksvoller Anblick sind die dicht gedrängten talseitig gemauerten Grabstellen auf den vielen Etagen. Hohe Stufen, kleine Steige und viele Treppen verbinden die verschiedenen Ebenen. In einem weiten Bogen führt auch ein befestigter Weg hinauf. Ist man erst einmal ganz oben angelangt, bietet sich ein atemberaubend schönes Panorama: Über grüne Wiesen und bewaldete Hänge kann man ins Tal und hinein in die Chiemgauer Alpen schauen.

Terassenförmiges Kleinod

Auf dem Plateau des Friedhofshügels befindet sich eine kleine Gruftkapelle. Sie wurde 1758 anstelle der alten gotischen St. Georgs-Kirche erbaut, die wegen Baufälligkeit abgetragen werden musste und weiter unten neu aufgebaut wurde. Im Inneren des als Seelenkapelle errichteten Baues hat man im Jahr 1957 den Fels ausgesprengt, um das Kirchlein in eine Gruftkapelle mit geräumiger Priestergruft umzugestalten, in der die Pfarrer von Ruhpolding bestattet werden. In der sonst eher schlichten Innenausstattung der Kapelle fällt das 2,80 Meter hohe Marmorrelief in der Mitte auf, das einen Jakobuspilger zeigt. An der Kapelle befindet sich auch die älteste Grabtafel, sie stammt aus dem 17. Jahrhundert.

Ein wahrer „Berg“-Friedhof

Es ist eigentlich ganz schön beschwerlich, die vielen Stufen bis zum Friedhof und auch innerhalb dessen zu erklimmen. Vor allem, wenn man noch Erde und Pflanzen transportieren muss und vielleicht nicht mehr ganz flott zu Fuß ist. Auch das Grab ausheben für eine Bestattung und das Aufstellen eines neuen Grabsteins dürften sehr aufwendige Angelegenheiten sein. Dennoch ist der Ruhpoldinger Bergfriedhof der einzige Friedhof weit und breit, dessen 520 Grabstellen voll belegt sind, obwohl es noch nicht einmal eine Urnenmauer gibt.

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Fast nie wird ein Grab aufgelassen und wenn es doch einmal passiert, gibt es eine lange Warteliste mit Anwärtern dafür. Das liegt wohl daran, dass die Ruhpoldinger ein fast schon zärtliches Verhältnis zu „ihrem“ denkmalgeschützten Friedhof haben. Das mag der Grund sein, warum auffallend viele Besucher auf dem Friedhof anzutreffen sind. Sie schrubben Grabsteine, zünden Kerzen an oder richten Blumen. Sie alle tragen mit ihrer liebevollen Grabpflege und ihrer Wertschätzung dazu bei, stolz sein zu können, auf dieses Kleinod der Erinnerungskultur.

Ort des Trosts und der Verbindung

„Seit 1903 ist das Grab im Besitz unserer Familie“, erzählt Fany Kammerlander. Sie stammt aus Ruhpolding, wohnt zwar in München, kommt aber regelmäßig zum Bergfriedhof, vor allem um das Grab ihrer im letzten Jahr verstorbenen Mutter zu besuchen. „Mich tröstet das. Ich hatte eine innige Verbindung zu meiner Mutter, die ich hier noch mehr spüren kann als sonst irgendwo, deshalb komme ich, so oft es geht, her. Der Bergfriedhof ist ein irgendwie spiritueller Ort. Der Platz und die Umgebung haben etwas sehr Tröstliches für mich.“

Virtueller Rundgang über den Friedhof

Vor dem Eingangstor begegnet man an einer Linde einer lebensgroßen Madonna mit Schwert durch das Herz, begleitet von dem Spruch „Sehet ob ein Schmerz gleich meinem“. Zwei sehr alte Steinkreuze stehen gleich hinter der Linde noch vor der Friedhofsmauer und geben bis heute Rätsel auf. Die Madonna, die Kreuze und der alte Teil des Bergfriedhofs stehen heute unter Denkmalschutz.

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Im letzten Schuljahr nahm die 8. Klasse der Grund- und Mittelschule Ruhpolding beim deutschlandweiten Schulprogramm „Denkmal aktiv – Kulturerbe macht Schule“ der Deutschen Stiftung Denkmalschutz teil. Ziel des Programms ist, dass sich Jugendliche mit Denkmalen in ihrer Umgebung auseinandersetzen. Die Ruhpoldinger wählten dafür ihren Bergfriedhof. Im Rahmen des Projekts entstand unter anderem ein virtueller Rundweg über den Friedhof, den nun jeder unter der Webadresse www.gms-ruhpolding.de von zu Hause aus unternehmen kann.

Chrysanthemen – Blumen mit Symbolcharakter

Chrysanthemen sind ein traditioneller Grabschmuck.

Die Chrysantheme gilt in Mitteleuropa als ein Symbol für die Liebe über den Tod hinaus, sowie für die Erinnerung. In Japan stehen gelbe Chrysanthemenblüten für die Sonne und das Licht. Dort symbolisieren sie Unsterblichkeit.

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