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Transmädchen siegt bei GNTM

„Unglaublich hoher Leidensdruck“ - Grassauer Caritas-Beraterin über das Leben mit Transidentität

Romina (von links), Alex, Dascha und Soulin sind die vier Finalistinnen von „Germany’s Next Topmodel“. Alex ist ein Transmädchen und hat die Staffel gewonnen.
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Romina (von links), Alex, Dascha und Soulin sind die vier Finalistinnen von „Germany’s Next Topmodel“. Alex ist ein Transmädchen und hat die Staffel gewonnen.
  • Heidi Geyer
    VonHeidi Geyer
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Das Transmädchen Alex hat am Donnerstag, 27. Mai 2021, das Finale von Germany‘s Next Topmodel gewonnen. Über ein Leben im falschen Geschlecht hat die Chiemgau-Zeitung mit der Expertin Ursula Lutzenberger gesprochen. Sie ist stellvertretende Fachdienstleitung in der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche der Caritas in Grassau und Traunstein und betreut Kinder und Jugendliche, die mit ihrem Geschlecht hadern.

Frau Lutzenberger, was versteht man eigentlich unter Transgender?

Ursula Lutzenberger: Es gibt hier ganz viele Begriffe von Transsexualität bis zu Transgender. Gängig ist der Begriff Transidentität. Das bedeutet, dass ein Kind sich nicht dem Geschlecht zugehörig fühlt, in dem es geboren wurde. So fühlt sich ein Trans-Mädchen als Mädchen, steckt aber im Körper eines Jungen.

Wie oft kommt dieses Thema in Ihrer Beratung vor?

Lutzenberger: Ganz klar ist es nicht alltäglich, aber es ist immer öfter Thema. Das gab es schon immer, aber jetzt geht die Öffentlichkeit viel offener damit um. Nur ein Beispiel: Selbst bei Germany‘s Next Top-Model hat nun ein Trans-Mädchen gewonnen. Die Berührungsängste sind gefallen.

Man weiß auch, wie schlecht es den Betroffenen geht, wenn sie diese andere Identität nicht leben dürfen.

Ab welchem Alter kommen Kinder zu Ihnen in die Beratung zu diesem Thema?

Lutzenberger: Das ist unterschiedlich. Oft kommen Jugendliche von sich aus in die Beratung. Es gibt aber auch Fälle, bei denen die Initiative von den Eltern ausgeht, weil die Kinder noch kleiner sind. Es gibt Zwölfjährige, die zu ihren Eltern sagen, dass sie sich anders fühlen und zum Teil auch schon ganz früh ein anderes Verhalten an den Tag legen. Es ist aber auch typisch für die Pubertät, dass Jugendliche oft hin- und hergerissen sind.

Wie hoch ist der Leidensdruck der Kinder und Jugendlichen?

Lutzenberger: Aus meiner Sicht enorm hoch. Das Leben der Kinder dreht sich darum. Sie fühlen sich permanent nicht zugehörig und fehl am Platz. In nahezu allen Situationen, das geht ja schon beim Sportunterricht los. Ich glaube, als Außenstehender kann man das kaum nachvollziehen.

Ist es jetzt ein Austesten oder wirklich eine Transidentität – wie können Eltern merken, dass da mehr dahinter steckt?

Lutzenberger: Wir stellen seitens der Beratungsstelle keine Diagnosen. Die Eltern sind die Experten für ihre Kinder und spüren, wenn mehr dahinter steckt. Unsere Empfehlung ist ganz klar, ein ungewöhnliches Verhalten weder zu verbieten, noch zu fördern, sondern in erster Linie mal hinzuschauen. Das ist oft nicht so leicht, beispielsweise für Väter, wenn die Jungs mit Barbies spielen und Spängchen in den Haaren tragen. Da heißt es dann schon mal: „Hör auf mit dem Schmarrn.“ Letztendlich weiß man oft nicht, wo die Reise hingeht. Wenn sich Verhalten verstärkt, heißt das noch nicht, dass es eine Diagnose ist.

Wie genau sieht Ihre Beratung in so einem Fall aus?

Lutzenberger: Wir begleiten Eltern und beraten, zum Teil reicht das aus. Zuerst machen wir eine Anamnese und besprechen mit den Eltern und je nach Alter auch den Kindern, wie der Weg von der Schwangerschaft bis heute war: Was ist euch aufgefallen? Gab es Einschnitte? Seht ihr Zusammenhänge, warum es dem Kind so geht, wie es ihm geht? Das soll aber nicht bedeuten, dass man eine Transidentität von einem Ereignis im Leben abhängt oder irgendwie beeinflusst wird. Sondern es geht darum, die Gesamtsituation zu verstehen.

Wie ist das für Eltern, wenn wirklich eine Transidentität dahinter steckt?

Lutzenberger: Das ist ein langer Prozess, bei dem nicht einfach ein Schalter umgelegt wird. Es dauert, bis Eltern an den Punkt der Akzeptanz kommen. Dass das eben endgültig ist. Für viele Eltern ist das ein gewisser Abschied von einer Vorstellung. Und viele Eltern hinterfragen sich, was sie selbst womöglich falsch gemacht haben. Das ist ein Abschied mit Phasen von Wut und Trauer. Aber es hilft den Eltern, das Glück ihrer Kinder letztlich im Vordergrund zu sehen und so ihre eigenen Vorstellung zu ändern.

Von Transgender bis non-binär: Eine Übersicht

Trans ist ein Überbegriff für Personen, die sich nicht oder nur teilweise mit dem bei der Geburt eingetragenen Geschlecht identifizieren. Das Wort trans kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „jenseits/darüber hinaus“. Grundlegend wichtig ist es, Menschen nach der eigenen Selbstbezeichnung zu fragen und diese zu respektieren.

Nicht-binär ist ein Überbegriff für Personen, die sich nicht oder nicht ausschließlich männlich oder weiblich identifizieren. Die verschiedenen Geschlechtsidentitäten in diesem Spektrum sind sehr vielfältig. Sie können sich beispielsweise zwischen männlich und weiblich oder außerhalb dieser Kategorien verorten, beide Kategorien umfassen (bigender) oder sich gar keinem Geschlecht zuordnen (agender). Bei manchen Personen ändert sich die Geschlechtsidentität immer wieder (genderfluid). Manche nicht-binären Personen verstehen sich als trans Personen, manche nicht.

Transgender ist ähnlich wie trans ein weit gefasster Begriff, der eine Vielzahl von Geschlechtsidentitäten und -ausdrucksweisen beschreibt, ohne auf ein medizinisch-juristisches Vokabular zurückzugreifen.

Der Begriff wurde als Alternative zu „transsexuell“ eingeführt, um zu betonen, dass es sich um eine Frage der Geschlechtsidentität und nicht der Sexualität handelt. Der Begriff wird von manchen Personen stark abgelehnt, da der Begriff aus einem pathologisierenden medizinischen Kontext kommt. Durch die Endung –sexuell kann es außerdem zu Verwechslungen mit Sexualität kommen. Geschlechtsidentität und Sexualität drücken aber unterschiedliche Aspekte aus.

Menschen, die sich mit dem bei der Geburt eingetragenem Geschlecht identifizieren, werden als cis Frauen bzw. cis Männer bezeichnet. Cis bezeichnet also Menschen, die nicht trans sind.

Inter bezeichnet Menschen mit angeborenen körperlichen Geschlechtsmerkmalen, die nicht den gängigen gesellschaftlichen und medizinischen Vorstellungen von männlichen oder weiblichen Körpern entsprechen. Diese Variationen der Geschlechtsmerkmale können auf der anatomischen, chromosomalen oder hormonellen Ebene auftreten und sind gesunde Ausprägungen geschlechtlicher Vielfalt. Die Körper von inter Menschen sind sehr unterschiedlich. Inter Variationen können nicht nur bei der Geburt, sondern zu jedem Zeitpunkt im Leben sichtbar werden. Viele Inter wissen nicht, dass sie selbst Inter sind. Quelle: Trans-Inter-Beratungsstelle

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