„Ungeheures Glück, wie es gelaufen ist“

Die Bilanz, die der Wirtschaftszweig des LTG für die GMbH (Günther Madsacks besondere Herausforderung) aufgestellt hat, fällt offenbar positiv aus. Dem scheidenden LTG-Chef gefällt sie jedenfalls. db
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Die Bilanz, die der Wirtschaftszweig des LTG für die GMbH (Günther Madsacks besondere Herausforderung) aufgestellt hat, fällt offenbar positiv aus. Dem scheidenden LTG-Chef gefällt sie jedenfalls. db

Am Dienstag ist die Rednerliste lang im großen Kursaal. Sie reicht vom Ministerialdirigenten über den Landrat bis zum Schülersprecher und dem ganzen Kollegium: Es gilt, Günther Madsacks prägende Rolle über 16 1/2 Jahre an der Spitze des Ludwig-Thoma-Gymnasiums (LTG) zu würdigen. Dem Oberstudiendirektor ist so viel Aufhebens um seine Person eigentlich gar nicht recht. Er wird sicher bis zum letzten Tag am 19. Februar arbeiten wie am ersten.

Prien – „Keinen reinen Betonklotz, sondern eine Schule mit Flair“ fand Madsack vor, als er im Sommer 2000 aus Freising, wo er bis dahin fast sein ganzes Leben verbracht hatte, an den Chiemsee wechselte. Und so wie der Oberstudiendirektor damals seine ersten Eindrücke vom LTG der Chiemgau-Zeitung schilderte, so empfindet er die größte der sieben Priener Schulen noch heute. „Viele Schüler schauen einen lachend an, wenn man ihnen im Gang begegnet“, beschreibt er den „großen Wohlfühlfaktor“ am LTG.

Madsacks unaufgeregte Art hat seine Beliebtheit beim Dienstantritt in Prien Anfang des Jahrtausends schnell gefördert. Es macht den Eindruck, dass ihn nichts aus der Ruhe bringt. Und er macht in diesen Tagen den Eindruck, dass der Ruhestand am Herrnberg, wo er mit Frau Lotte und Hund Emil vor ein paar Jahren sesshaft geworden ist, gedanklich noch ein gehöriges Stück weit weg ist. Mit dem Aufräumen im Büro für Nachfolger Christian Metken, einen 54-jährigen Traunsteiner, der noch ein Gymnasium in Straubing leitet (wir berichteten), lässt er sich noch Zeit.

Im Rückblick auf sein Arbeitsleben empfindet der scheidende LTG-Chef vor allem Dankbarkeit. „Ich fühle mich begünstigt vom Schicksal. Ich hatte ungeheures Glück, dass es so gelaufen ist“, bezieht er seine Selbsteinschätzung auf Eltern und Großeltern in seiner Lehrerfamilie, denen die Schrecken eines Krieges nicht erspart geblieben sind.

„Sehr, sehr froh“ über Renovierung

Seine 16 1/2-jährige Schulleitung in Prien war geprägt von baulichen und schulpolitischen Veränderungen. Das frühere Hotel Kampenwand an der Seestraße, dass einst Ludwig Thomas Mutter führte, wurde vom Landkreis (Sachaufwandsträger des LTG) dem Gymnasium zugesprochen, mit einer Mensa der steigenden Zahl von Schülern, die nachmittags Unterricht haben, Rechnung getragen.

„Sehr, sehr froh“ ist Madsack, dass es nach jahrelangen Bemühungen in seiner Amtszeit noch gelungen war, die Weichen zur energetischen Modernisierung des LTG zu stellen. Nach dem ersten Bauabschnitt im Sommer 2015 geht es heuer weiter und im nächsten Jahr soll dann mit Abriss des ältesten Trakts aus den 1950er-Jahren und einem Neubau der größte Brocken angepackt werden. Ein paar Millionen Eutro zahlt der Landkreis für die Modernisierung.

Nur der Zeitpunkt für den Bau einer neuen Vierfach-Turnhalle durch den Landkreis ist immer noch nicht endgültig geklärt. Da darf sein Nachfolger dann weiter Bretter bohren bei der Politik.

Die alte, energetisch nicht mehr zeitgemäße Dreifachhalle steht zudem seit September nicht zur Verfügung. Über 240 Flüchtlinge hat der Landkreis dort einquartiert. Und es deutet alles darauf hin, dass das noch länger so bleibt. Die Nachbarschaft zwischen Gymnasiasten und Asylbewerbern läuft ohne Zwischenfälle, auch der teilweise Ausfall von Sportunterricht hat keinen Proteststurm ausgelöst. Beim Infoabend für Eltern künftiger Fünftklassler dieser Tage habe es keine einzige Frage zu diesem Themenkomplex gegeben, ist der Oberstudiendirektor froh.

Als „einschneidend“, hat Madsack besonders die Verkürzung der Gymnasialzeit mit der Einführung des G8 in Erinnerung. Trotzdem bleiben die jungen Leute in der Regel noch acht Jahre am Gymnasium, so lang wie an sonst keiner Schule. „Das ist das spannende an unserem Beruf“ empfindet Madsack es, die Kinder acht Jahre lang zu begleiten und zu sehen, wie sie sich entwickeln. Gleichwohl er positive Veränderungen wahrgenommen hat, zum Beispiel den Praxisbezug durch die Projekt (P-) Seminare in der Oberstufe macht er kein Hehl daraus, dass er auch die kritischen Aspekte des G8 nicht übersieht, wenn er auf die gestiegene Zahl von Studienabbrechern verweist, die erst an der Hochschule feststellen, was sie wollen. Für die Lehrkräfte sieht er nach wie vor eine große Herausforderung, denn die Verlagerung von Inhalten in frühere Jahrgänge mit jüngeren Schülern erfordere andere Herangehensweisen an Themen, um sie nachhaltig vermitteln zu können.

Nicht nur Probleme, sondern vielmehr auch Chancen sieht Madsack durch die heutige technische Ausstattung der Schüler. Als schon immer Computer-affiner Pädagoge, der 1981 als einer der Pioniere einen „Sinclair ZX 81“ besaß, den ersten günstigen Heimcomputer, betrachtet er die Smartphones als kleine Computer, die bei richtigem Gebrauch durchaus nützlich sein können für den Unterricht. Für individualisierte Formen des Lernens kann sich Madsack das Smartphone durchaus als nützliches Gerät vorstellen. Das LTG ist gerade an einem Modellversuch beteiligt. Es geht um Lehrfilme, die Schüler individuell je nach Schwierigkeitsgrad nutzen beziehungsweise herunterladen können.

Aber Technik hin oder her: „Unterricht lebt von Menschen und der Gemeinschaft“, ist für Madsack das bewährte Grundkonzept alternativlos. Gefordert sieht er die Lehrer, wenn es gilt, in der schnelllebigen Medienwelt die Aufmerksamkeit der Schüler zu erregen, um Stoff nachhaltig zu vermitteln. Negativ wirke sich das informelle Konsumverhalten der jungen Leute zum Beispiel bei Hausaufgaben aus. „Sie werden nicht mehr so intensiv gemacht wie früher“, hat er festgestellt.

„Ich bin eher eine Eule“

Und das, obwohl die LTG-Schüler rechnerisch nachmittags mehr Zeit dafür haben als die Gymnasiasten andernorts. Denn die allermeisten sind schon um 13 Uhr zu Hause, dank des Unterrichtsbeginns um kurz nach 7 Uhr. So früh ist kein anderes Gymnasium dran.

Im Ruhestand ab Samstag, 20. Februar, kann Günther Madsack öfter mal länger liegen bleiben, denn ein Frühaufsteher ist er nicht, eher ein Nachtmensch. „Ich bin eine Eule“, gesteht er.

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