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Prozess am Landgericht Traunstein

Unfalltod von Melanie und Ramona vom Samerberg: Große Zweifel an Aussagen eines neuen Zeugen

Ein neuer Zeuge will nach eigenen Angaben den Unfall beobachtet haben, dann aber weggefahren sein.
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Ein neuer Zeuge will nach eigenen Angaben den Unfall beobachtet haben, dann aber weggefahren sein.
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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Dichter am Geschehen ist kaum jemand gewesen: Am sechsten Tag der Neuauflage des sogenannten Samerberg-Prozesses vorm Landgericht Traunstein (10. Juni) sagt die Beifahrerin von Unfallfahrer Simon H.aus. Und ein neuer Zeuge, an dessen Angaben Richterin und Staatsanwalt Zweifel äußern.

Traunstein – Am sechsten Tag der Neuauflage des sogenannten Samerberg-Prozesses vorm Landgericht Traunstein sagt die Beifahrerin von Unfallfahrer Simon H. aus. Sie berichtet auch über die letzten Sekunden vor dem Frontal-Crash am 20. November 2016, bei dem zwei junge Frauen aus Samerberg starben.

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Kennengelernt haben sich die beiden im Internet, dann chatteten sie über WhatsApp, „wir verstanden uns ganz gut“, sagt sie. Sie verabredeten sich in Rosenheim.

Die Fahrt vom gemeinsamen Essen in Richtung des Parkplatzes der Frau wird in ihren Einzelheiten nicht zu klären sein. Da kann auch die Beifahrerin nicht entscheidend helfen. Aber von den Sekunden vorm Crash kann sie erzählen.

Unfallfahrer Simon H.: Nur ganz starr nach vorn geschaut

Simon H. muss nach den Worten der Zeugin gewirkt haben, als habe er eine einsame und unverständliche Entscheidung gefällt. Der Golf habe plötzlich beschleunigt, es habe sie in den Sitz gedrückt, erstaunt habe sie Simon H. angesehen. „Er hat nur ganz starr nach vorne geschaut, ganz starr“, berichtet sie über den fatalen Überholvorgang.

Sie habe noch das Heck des hinteren BMW gesehen, dann habe sie habe wieder nach vorn geblickt. „Da habe ich das grelle Licht gesehen, dann war ich weg“.

Zeugin antwortet mit vielen Details

Der hintere BMW, das war der Wagen von Sebastian M., nach viereinhalb Jahren noch immer und schon wieder auf der Anklagebank, weil seine Haftstrafe vom Berufungsprozess 2019 kassiert und der Prozess an das Landgericht Traunstein zurückverwiesen worden ist. Währenddessen ist die Strafe von einem Jahr und acht Monaten für Simon H. bereits Vergangenheit.

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Die Beifahrerin kann bis zu ihrem Blackout noch verhältnismäßig detailliert berichten. Von Simon H., der am Mittwoch zur Fortsetzung seiner Zeugenaussage bei der Neuauflage des Berufungsprozesses geladen gewesen war, zeichnet sie kein allzu freundliches Bild.

Als sie in dem Wrack des VW Golfs wieder erwacht sei, habe sie ihn neben dem Auto stehen sehen. Er habe sich an sie gewandt, sie aber lediglich gefragt, ob sie wisse, wo sein Mobiltelefon sei. Nach ihrem Zustand habe er sich nicht erkundigt. „Er hat sich bis heute nicht bei mir entschuldigt“, sagt sie mit leiser Stimme. 

„Abscheuliches Verhalten“ eines neuen Zeugen?

Vieles von dem, was am gestrigen Donnerstag und in den Verhandlungstagen zuvor gesagt worden ist, kann man bereits in den Akten der Vorgängerprozesse in Rosenheim und Traunstein nachlesen. Nicht aber die Aussage von Daniel S., der erstmals vor Gericht aussagt. Möglicher Grund für seine zögerliche Aussage: Daniel S. könnte Ungemach wegen unterlassener Hilfeleistung drohen.

Nach seinen Worten muss er mit der Erste am Unfallort gewesen sein. Nicht genug damit: Er soll auch den Unfall gesehen haben.Was er zu sagen hat, klingt zunächst aufsehenerregend.

Der Golf sei „ein gefundenes Fressen“ für die Fahrer der schwarzen BMWs gewesen. Der bereits rechtskräftig verurteilte Daniel R. und der Angeklagte Sebastian M. hätten demnach sozusagen ihr Spielchen mit Simon H. getrieben. „Ich habe schon gesehen, dass die beiden BMW mit dem Golf eins ausfahren wollten“, heißt es in einer zuvor protokollierten Aussage des Raublingers. Er will auch gesehen haben, dass die Lücke zwischen den beiden schwarzen Fahrzeugen für ein Einscheren des roten Golfs nicht ausgereicht habe.

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Die Aussage des neuen Zeugen scheint Simon H’s Schilderung zunächst geradezu sensationell zu belegen. Allerdings lassen die Vorsitzende Richterin Heike Will und Staatsanwalt Jan Salomon kaum Zweifel daran, für wie glaubwürdig sie die Schlderung des Raublingers halten.

„Ein bisserl ein Geschichtenerzähler“

„Andere Zeugen haben mich gewarnt, dass Sie ein bisserl ein Geschichtenerzähler seien“, fragt ihn Salomon. „Ist dem so?“

S. erzählt, wie die Autos der Unfallbeteiligten überholt hätten. Kurz darauf hätten die Fahrer der BMWs „so ein komisches“ Fahrtverhalten gezeigt, sagt er, sie hätten gebremst, beschleunigt, gebremst, beschleunigt und so fort. „Und das haben sie aus 200 Metern Entfernung gesehen?“, zweifelt Richterin Will.

Ihren Unglauben, dass kein Zeuge Daniel S. wahrgenommen hat, obwohl der doch angeblich direkt am Unfallort stehengeblieben sei, will sie nicht verbergen. Salomon macht dem Zeugen klar, dass ihm Schwierigkeiten drohen: „Sie sind augenscheinlich im Begriff, eine Falschaussage zu machen.“

Daniel S. will nach dem Unfall in seinem Auto sitzen geblieben sein. Direkt nach der Kollision habe Stille geherrscht, „dann ging das Geschrei los“. Er könne froh sein, dass niemand den Aussagen Glauben schenken, sei doch ansonsten S’s Gleichgültigkeit als „absolut abscheuliches Verhalten“ zu beurteilen.

Gutachter will nachhaken

Die Wende im Berufungsverfahren gegen Sebastian M. wegen fahrlässiger Tötung könnte ausbleiben. Gut drei Stunden wurde der neu aufgetauchte Zeuge von Richterin Will, Staatsanwalt Salomon und Rechtsanwältin Iris Stuff gründlich ausgefragt.

Allerdings will nächste Woche Gutachter Andreas Thalhammer nochmals bei Daniel S. nachhaken. Ein Indiz dafür, dass er die Schilderung in Teilen für glaubwürdig hält? Am Freitag dann soll das Urteil in der Berufungsverhandlung gegen Sebastian M. vor dem Landgericht in Traunstein verkündet werden.

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