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Bernauer Medical-Park-Professor zum Tag des Chronischen Fatigue-Syndroms (CFS)

Unerklärliche Erschöpfung kann eine ernst zu nehmende Erkrankung sein

Prof. Dr. med. Andreas Menke vom Medical Park Chiemseeblick in Bernau-Felden will psychischen Erkrankungen das Stigma nehmen, damit sich mehr Menschen helfen lassen.
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Prof. Dr. med. Andreas Menke vom Medical Park Chiemseeblick in Bernau-Felden will psychischen Erkrankungen das Stigma nehmen, damit sich mehr Menschen helfen lassen.
  • Tanja Weichold
    VonTanja Weichold
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Es gibt Erkrankungen, die schwer fassbar aber dermaßen belastend sind, dass Betroffene ihren normalen Alltag kaum noch bewältigen können. Dazu zählt das Chronische Fatigue-Syndrom (CSF), eine Art Erschöpfungskrankheit.

Bernau – Der Ärztliche Direktor des Medical Park Chiemseeblick in Felden, Professor Dr. med. Andreas Menke, macht zum Tag des CFS am heutigen Donnerstag, 12. Mai 2022, auf diese Krankheit aufmerksam. Sie sei noch relativ unerforscht. Im Interview mit OVB-Heimatzeitungen hat er aber auch eine gute Nachricht: Sie kann erfolgreich behandelt werden.

Welche Anzeichen deuten auf CFS hin?

Prof. Dr. med. Andreas Menke: Wenn es jemandem die ganze Zeit psychisch gut ging und er plötzlich eine Müdigkeit verspürt, von der er nicht weiß, woher sie kommt. Wenn sich derjenige über Tage und Wochen hinweg nicht aufraffen kann und energielos ist. Dann muss er das beim Arzt abklären lassen.

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Ist das CFS eine neue Erkrankung und wie bekannt ist sie?

Menke : Nein, wir kennen es schon eine Weile. Aber die Patienten und behandelnden Ärzte haben es nicht immer auf dem Schirm. Manchmal ist die Ursache für Erschöpfung auch tatsächlich etwas anderes, zum Beispiel Depressionen. Spezialisten wie Neurologen, Psychiater oder Internisten erkennen CFS gut.

Was ist der Unterschied zwischen CFS und einer Depression?

Menke : Eine Depression wirkt sich wie das CFS durch Energie-, Kraft- und Antriebslosigkeit, Anspannung und durch Müdigkeit aus. Bei CFS kann das auch mit Muskelschmerzen einhergehen. Bei der Depression gehen die Symptome allerdings noch deutlich weiter. Betroffene leiden an niedergedrückter Stimmung, sind gereizt, gefühllos, interessenlos, haben Schlafstörungen, Angst, Appetitmangel. Die Depression ist eine Volkserkrankung mit langer Krankheitsdauer. Jeder Fünfte erlebt einmal im Leben eine depressive Episode. Depressionen verursachen großes Leid – bei den Betroffenen, in den Familien, in Betrieben. Depressionen stehen bei der Erwerbsunfähigkeit als Ursache an der Spitze. Jedes Jahr nehmen sich in Deutschland 10 000 Menschen wegen einer Depression das Leben.

Was sind die Ursachen für eine CFS-Erkrankung?

Menke : Wir gehen davon aus, dass das Immunsystem maßgeblich beteiligt ist, CFS ist eine nicht gut erforschte Erkrankung. Sie kann zum Beispiel von Virusinfekten ausgelöst werden, etwa dem Pfeifferschen Drüsenfieber oder auch nach einer Corona-Erkrankung. Corona wirkt sich erheblich auf das Immunsystem aus. Psychische Erkrankungen bewirken ebenfalls Veränderungen des Immunsystems.

Wie unterscheiden sich Long Covid und CFS?

Menke : Long Covid kann ein ganzer Blumenstrauß an Symptomen sein. Covid kann außerdem Folgeerkrankungen auslösen, zum Beispiel CFS, Depressionen, Angststörungen, Herz- oder Lungenerkrankungen. Corona-Infizierte haben zum Beispiel ein deutlich höheres Risiko für Depressionen und andere psychische Erkrankungen. Umgekehrt hat ein psychisch Erkrankter ein deutlich erhöhtes Risiko, an Corona zu erkranken. Depressive Menschen zeigten schwerere Verläufe und die Sterblichkeit war höher. Ein ähnlich erhöhtes Risiko haben auch Menschen mit ADHS, außer wenn sie mit Medikamenten behandelt wurden.

Haben die Pandemie-Maßnahmen Ihrer Wahrnehmung nach psychische Erkrankungen ausgelöst?

Menke : Die Pandemie-Maßnahmen haben sich indirekt auf die psychische Gesundheit ausgewirkt. Homeoffice, Homeschooling, Kurzarbeit, mehr Konflikte daheim führten zu chronischem Stress und zu einem Anstieg von psychischen Erkrankungen.

Ist CFS eine körperliche oder eine psychische Erkrankung?

Menke : Das kann man nicht trennen. Ich würde es eine Multisystemerkrankung nennen, die mehrere Systeme betrifft, also Nervensystem, Immunsystem und den Energiestoffwechsel.

Was kann man dagegen machen?

Menke : Es gibt keine gezielte Therapie, das ist die Schwierigkeit. Man versucht, Symptome zu behandeln. Häufig liegen zeitgleich noch andere Erkrankungen vor, das geht querbeet.

Welche Botschaft ist ihnen wichtig?

Menke : Psychische Erkrankungen sollen von der Bevölkerung als ganz normale medizinische Erkrankungen akzeptiert werden. Sie können diagnostiziert und gut behandelt werden. Bei Depressionen sehen wir massive körperliche Veränderungen. Um dem Thema das Stigma zu nehmen, haben wir beim Medical Park auf meine Initiative das Chiemseer Bündnis gegen Depression gegründet. Das ist ein gemeinnütziger Verein und wir arbeiten bereits mit 19 Partnern aus den Landkreisen Rosenheim und Traunstein zusammen. Unser großes Ziel ist, unter dem Dach der Stiftung Deutsche Depressionshilfe die Zahl der Suizide zu senken.

Wie kann jeder für sich vorsorgen?

Menke : Man kann eine Menge tun: sorgsam mit sich umgehen und chronisch toxische Stressoren meiden – aber die lassen sich nicht immer umgehen. Sport ist wichtig, Freunde treffen, ausreichend schlafen, gesunde Ernährung – zum Beispiel mediterrane mit Olivenöl und Omega-3-Fettsäuren. Das klingt banal, wir machen es trotzdem oft nicht.

Gibt es Menschen, die anfälliger sind für psychische Erkrankungen?

Menke : Ja, manche Menschen sind resilienter als die anderen. Depressionen zum Beispiel sind zu 40 Prozent genetisch und zu 60 Prozent von Umwelteinflüssen bedingt. Jeder kann Depressionen bekommen.

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