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ERINNERUNGEN AN DIE JAHRE IN DER NACHKRIEGSZEIT

„Unehelich, arm, vertrieben“: Autobiographie von Brigitte Pickl aus Bergen

Die Autorin Brigitte Pickl auf ihrer Terrasse in Bergen.
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Die Autorin Brigitte Pickl auf ihrer Terrasse in Bergen.
  • VonChristiane Giesen
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Heute ist kaum mehr vorstellbar, unter welch einfachen und armen Bedingungen sich die Menschen in der Nachkriegszeit zum Teil durchschlagen mussten und es trotzdem geschafft haben, sich aus der Not herauszuarbeiten und ein zufriedenes Leben zu führen. Das Buch von Brigitte Pickl zeigt dies eindrücklich auf.

Bergen – Brigitte Pickl lebt seit 13 Jahren in Bergen und schildert in ihrem autobiografischen Buch „Gitta – Unehelich, arm vertrieben – aber glücklich“ anhand von ausgewählten Episoden ihre Kindheit und Jugend, wie sie heute wohl kaum mehr vorstellbar sind. Das Buch habe sie ursprünglich für ihre Kinder und Enkel aufgeschrieben, um ihnen das Leben in den Nachkriegsjahren zu erzählen, sagt Pickl im Gespräch mit den OVB Heimatzeitungen. „Ich habe eine tolle Mutter gehabt“. Ihr widmete sie die Erzählung: „Sie war eine immens starke Frau, die es geschafft hat, diese schwere Zeit so lebenswert zu gestalten“.

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Von Oberschlesien nach Oberfranken

Zur Geschichte: Schwanger mit Gitta, ihrer Jüngsten, im Bauch und dem 13 Monate alten Horst auf dem Arm, musste die Mutter Martha Kirsch im Mai 1945 aus Schlottau, einem kleinen Ort in Oberschlesien, fliehen. Sie besaß nichts als ihre Kleider am Leib, einen Topf, Blechtasse, Gabel, Löffel und Taschenmesser, die sie an ihrem Gürtel festgeschnallt hatte. In Oberfranken wurde die kleine Familie auf Anordnung der amerikanischen Alliierten bei einer Familie in einem Nebengebäude einquartiert.

Hier kam Gitta zur Welt. In materiell ärmsten Verhältnissen wuchsen die Geschwister auf, aber dank des Fleißes, der großen inneren Stärke und der liebevollen Zuwendung der Mutter entwickelte sich das Flüchtlingsmädchen Gitta zu einem aufgeweckten, lebhaften und feinfühligen Mädchen.

Weitere Nachrichten aus dem Ort gibt es hier : OVB-Themenseite Bergen

Detailliert schildert Pickl ihre Kindheit mit allen Mühseligkeiten und Freuden. Manchmal wurden sie und ihr Bruder von den Einheimischen als „Bankert“ beschimpft und es war nicht immer leicht für sie, sich zu behaupten. Wenige Jahre nach ihrer Ankunft in Bayern lernte Gittas Mutter ihren späteren Ehemann Bruno kennen, so dass bald weitere Geschwister folgten. Auch Gittas Opa, der über den Suchdienst des Roten Kreuzes die Adresse seiner Tochter ausfindig gemacht hatte, stieß zu der immer größer werdenden jungen Familie.

Das tägliche Leben war gemessen am heutigen Lebensstandard hart: kein Strom, kein fließendes Wasser. Das Wasser musste auf einem beschwerlichen Weg von einer Quelle in Eimern geholt und auf der Herdplatte in einem großen Topf erhitzt werden. In einer Zinkwanne wurden nacheinander zuerst die Kinder und dann die Erwachsenen im gleichen Wasser mit Kernseife gründlich abgeschrubbt.

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Die schmutzige Kleidung wurde anschließend im Badewasser eingeweicht und am nächsten Tag wieder erhitzt, Flecken auf dem Waschbrett mit der Wurzelbürste gerubbelt. Dank der einfachen, klaren Beschreibungen kann sich der Leser das damalige Leben gut vorstellen. Da Gittas Eltern so viel wie möglich arbeiteten, Hasen und Hühner hielten, gelang es ihnen langsam, aus der ärgsten Not herauszukommen und einen gewissen Wohlstand zu erreichen. 1960 konnten sie sogar ein eigenes kleines Häuschen bauen.

Die Autorin erzählt in dem Buch von ihrer Schulzeit, ihrer ersten großen Liebe, aber auch dem tragischen frühen Krebstod ihrer Mutter. Schon mit 15 Jahren ging Gitta in einer Schreinerei arbeiten: 50-Stunden-Woche, bald Akkordarbeit. Später besuchte Gitta eine hauswirtschaftliche Berufsschule. In München lernte sie ihren späteren Mann Werner kennen, der Inspektor beim Stadtsteueramt in München war. Mit ihm bekam sie zwei Töchter und einen Sohn. Heute leben die Kinder mit ihren Familien in der Nähe und es gibt vier Enkel, das jüngste neun Monate alt.

Im heutigen Luxus sind die früheren Bedingungen kaum noch vorstellbar

Sehr dankbar ist Brigitte Pickl auch dem Traunsteiner Gymnasiallehrer Josef Wermuth. Er habe sie mit wertvollen Anregungen begleitet. Wermuth spricht auf Nachfrage der OVB Heimatzeitungen davon, dass ihn die Geschichte von Brigitte Pickl sehr ergriffen habe. Vieles habe ihn an seine eigene Kindheit und Jugend in Landshut erinnert: „In welchem Luxus die heutigen Kinder aufwachsen und in welcher Armut wir damals, können sich die meisten Leute heute überhaupt nicht mehr vorstellen.“

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