Wegen Corona

Grundschule Rimsting muss um Titel „Umweltschule“ bangen, weil Aktionen auf Eis liegen

Rimstinger Grundschüler beim „Zu-Fuß-zur-Schule-Tag“, der nun wegen Corona nicht mehr klassenübergreifend stattfinden darf. Für die Umweltschule fielen aus demselben Grund heuer alle Aktionen flach, die rund um Nachhaltigkeit und Umweltschutz geplant waren. Saskia, Marie, Agnes, Nadine, Maxi und Pascal auf dem Bild finden´s schade.
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Rimstinger Grundschüler beim „Zu-Fuß-zur-Schule-Tag“, der nun wegen Corona nicht mehr klassenübergreifend stattfinden darf. Für die Umweltschule fielen aus demselben Grund heuer alle Aktionen flach, die rund um Nachhaltigkeit und Umweltschutz geplant waren. Saskia, Marie, Agnes, Nadine, Maxi und Pascal auf dem Bild finden´s schade.
  • Elisabeth Sennhenn
    vonElisabeth Sennhenn
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Corona verhindert Aktionen, welche die Umweltschulen für den entsprechenden Titel brauchen: Das muss derzeit auch die Grundschule Rimsting erfahren, die die Auszeichnung seit Jahren regelmäßig erhält. Rektorin Eva Sigmund lässt sich nicht entmutigen, sondern arbeitet weiter an Ideen für 2021 - die Themen liegen ihr, den Lehrer und Schülern am Herzen.

Rimsting – Sie läuft wieder, die Bewerbungsfrist für den Titel „Umweltschule Europa“. Nur noch bis zum 20. November können sich Schulen egal welcher Art, um die Auszeichnung bewerben, die der Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V. (LBV) jährlich auslobt. Gefördert wird das Ganze vom Bayerischen Umwelt- und Kultusministerium.

Eine Schule, die seit 2009 regelmäßig am Programm teilnimmt und das Label „Umweltschule“ trägt, ist die Grundschule Rimsting.

Nicht in den Wald, keine Bäume pflanzen

„Mir selbst sind Umweltschutz und Nachhaltigkeit sehr wichtig, und gemeinsam mit dem Lehrerkollegium wollten wir unserer Schule ein Leitbild geben, mit dem wir uns alle identifizieren können“, erzählt Rektorin Eva Sigmund.

Nicht zuletzt komme dieses Schulprofil auch bei den Kindern und ihren Eltern gut an. Seit knapp elf Jahren haben Schüler und Lehrer zusammen zahlreiche Projekte rund um die Kernthemen, die der LBV den Schulen zur Auswahl vorgibt – zum Beispiel Biodiversität, nachhaltige Mobilität, regionale Ernährung und Umgang mit Ressourcen – in die Praxis umgesetzt.

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Doch im vergangenen Schuljahr 2019/2020 und auch jetzt, im neuen, lagen und liegen alle Umweltprojekte auf Eis: „Wegen Corona konnte keines der Themen, die wir uns ausgedacht hatten und mit denen wir uns erneut um den Titel beworben haben, umgesetzt werden“, bedauert Sigmund. Dabei seien so viele gute Ideen dabei gewesen: „Wir hatten zum Beispiel geplant, mit den Kindern die Wildblumenwiese am Friedhof zu pflegen oder Plastikmüll zu sammeln.“

Kochen stand hoch im Kurs

Stattdessen kann die Rektorin im Moment nur aufzählen, was alles nicht möglich war: „Wir dürfen die Schülergruppen, die bisher klassenübergreifend zusammen an Projekten gearbeitet haben, nicht mehr mischen. Die bei den Kindern sehr beliebten Waldbegehungen mit Förster Ulrich Guggenberger dürfen nicht mehr stattfinden. Genauso wenig unsere Baumpflanzaktionen.“ Mit großer Freude hätten die Schüler gemeinsam mit saisonalen Produkten gekocht, „damit sie lernen, wann es Zeit für Erdbeeren und wann für Kürbisse ist.“ Doch auch das sei im Moment aus Hygienegründen nicht erlaubt. Flach gefallen sind die vielen geplanten Aktionen wegen Corona nicht nur aus Gründen des Ansteckungsrisikos, sondern auch, weil die Zeit dafür gefehlt hat: „Teilweise wurde ja nur noch drei Stunden unterrichtet, da kann man sich lediglich auf die Kernfächer konzentrieren – mehr ging nicht“, erklärt Sigmund.

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Um den Titel „Umweltschule“ für das vergangene Schuljahr will sie sich trotzdem bewerben: „Ich habe einfach die ganze Liste an Ideen eingereicht, die wir ausgearbeitet hatten“, sagt die findige Rektorin.

Beim LBV ist man sich der schwierigen Lage der Umweltschulen bewusst: „Besonders hoch anzuerkennen ist das Engagement der Lehrkräfte und Schüler, die sich auch während der Corona-Pandemie weiter für die Umwelt und für eine nachhaltige Entwicklung einsetzen“, sagt dazu LBV-Landeskoordinatorin Birgit Feldmann. Gleichzeitig verweist man beim Verband darauf, welch hohen Stellenwert gerade jetzt Regionalität und Nachhaltigkeit haben.

Themen über den Lehrplan hinaus

Dessen ist man sich auch in der Grundschule Rimsting bewusst. So bemühen sich die Lehrer und die derzeit 124 Schüler das ganze Jahr über um einen umweltbewussten Schulalltag: „Wir sind eine filzstiftfreie Schule“, berichtet die Rektorin, und dass Schüler mit großem Engagement „Brotzeitwickler“ selbst genäht haben – wieder verwendbare Wachstücher. Sie berichtet von einem Theaterstück, das sich thematisch mit der Umwelt befasst, von Schulranzen- und Schuhspenden an afrikanische Kinder. Immer wieder vermittelten die Lehrer Wissen über den Lehrplan hinaus, „etwa, was das Thema virtuelles Wasser angeht. Die Schüler haben dabei gelernt, wie viel Wasser bei der Herstellung einer Jeans verbraucht wird.“

Für 2021 sei die Schule wieder am Start, auch wenn unklar sei, was dann erlaubt sein wird: „Wir haben uns für das Thema biologische Vielfalt in der Schulumgebung entschieden.“

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