„Auch hier ein Kieskrater" - Umweltschützer laufen Sturm gegen Landratsamt Traunstein

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Wieder sorgt ein geplantes Kiesprojekt in der Gemeinde Seeon-Seebruck und im Umland für Aufregung: Wie kürzlich in einer Gemeinderatssitzung bekannt wurde, hat das Landratsamt Traunstein jetzt eine weitere Kiesgrube in Seeon-Grünweg unweit des Inselklosters genehmigt.

In Kürze:

  • Das Landratsamt Traunstein hat ein Kiesprojekt in der Gemeinde Seeon-Seebruck genehmigt
  • Es handelt sich möglicherweise um die fünfte Kiesgrube um Seen-Seebruck
  • Der Umweltschutzverband Alztal kritisiert das Vorhaben

Seeon-Seebruck – Wieder sorgt ein geplantes Kiesprojekt in der Gemeinde Seeon-Seebruck und im Umland für Aufregung: Wie kürzlich in einer Gemeinderatssitzung bekannt wurde, hat das Landratsamt Traunstein jetzt eine weitere Kiesgrube in Seeon-Grünweg unweit des Inselklosters genehmigt. Umweltschützer reagieren empört.

Die erneute Genehmigung einer Kiesabbaufläche in Seeon sorgt für Unmut in der Bevölkerung und bei Umweltschützern. Hier bei Seeon-Grünweg zwischen den Teilbereichen Bansee und Klostersee soll die Grube entstehen.

„Von den fünf Seeoner Ortszufahrten soll jetzt also auch noch die letzte mit einer Kiesgrube versehen werden“, ärgert sich Gerd Raepple, Zweiter Vorsitzender des Umweltschutzverbandes Alztalund Umgebung (UVA).

Bisher frei von Kiesgewinnungs-Tagebau

„Von Obing her bestehen die Gruben Thalham und von Rabenden her die Gruben Voglöd; aus Richtung Altenmarkt soll nach den gemeindlichen Planungen bei Eglhart eine große Kiesabbau-Konzentrationsfläche ausgewiesen werden und gleichfalls eine aus Richtung Truchtlaching bei Steinrab“, so Raepple. Nur die südwestliche Ortszufahrt, von Seebruck her, beim Reiterhof Grünweg sei bisher frei von Kiesgewinnungs-Tagebau geblieben. Raepple: „Jetzt soll auch hier ein Kieskrater entstehen. Das Seeoner Wahrzeichen ist dann nicht mehr das Kloster, es sind die Kiesgruben.“

"Unnötige Schädigung" der Heimat

Die neue Kiesabbau-Genehmigung erfolgt nach Ansicht des UVA „im klaren Gegensatz zum Regionalplan Südostoberbayern, der ausreichend Kiesabbauflächen für den langfristigen regionalen Bedarf ausweist“. „Der UVA hat sich deshalb schon im vergangenen Jahr gegen die gemeindliche Ausweisung zusätzlicher Kiesabbau-Konzentrationsflächen gewandt, die eine völlig unnötige Schädigung unserer Heimat bewirken würde“, so der UVA-Sprecher weiter. „Dass aber jetzt nicht nur über den Regionalplan, sondern auch über die gemeindliche Konzentrationsflächen-Planung hinaus nochmals eine weitere Kiesabbaufläche entstehen soll, macht uns fassungslos.“ Kiesabbaufläche so groß wie zwei Fußballfelder

Kiesabbau in sensiblem Gebiet

Die neue, zwei Hektar (etwa die Größe zweier Fußballfelder) große Kiesabbaufläche liegt im naturschutzfachlich hochsensiblen Bereich der Seeoner Seen, zwischen den Teilbereichen Bansee und Klostersee des Naturschutzgebiets, den darüber hinausgehenden, streng geschützten FFH- und Vogelschutzgebieten, und inmitten der Biotop-Verbundachse sowie des landschaftlichen Vorbehaltsgebiets zwischenEggstätter und Seeoner Seen. 

Vogeschutzgebiet bei Seeon gefährdet

Die als Ausgleichsfläche des Freistaats Bayern angelegte Bansee-Überschwemmungsfläche mit ihren Vogelpopulationen grenzt unmittelbar an. „Der Kiesabbau soll bis fünf Meter unter den Wasserspiegel dieser direkt benachbarten Überschwemmungsfläche hinunter getrieben werden“, klagt Raepple. Dies alles sei genauso unvorstellbar, wie die Schädigung des Bansees und des Schwellbachs, die Zerstörung des Landschaftsbilds in Nähe des Inselklosters Seeon und des Naherholungsgebiets Bansee mit dem Wander- und Radweg sowie die Zunahme des Lkw-Verkehrs.

Dem Raubbau mit allen Mitteln widersetzen

„Der UVA kann sich nicht vorstellen, dass dieses Projekt von der Gemeinde hingenommen wird und dass die zuständigen Behörden und politischen Stellen nicht Einhalt gebieten“, so der UVA-Sprecher abschließend. „Es muss mit allen Mitteln versucht werden, sich diesem Raubbau zu widersetzen. Der UVA wird die Bürger darin unterstützen, dass diese Naturschädigung unterbleibt.“

Weder von Bürgermeister Martin Bartlweber (FW) noch vom Landratsamt Traunstein waren gestern auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen Stellungnahmen zu erhalten.

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