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Kritik an Vorgehensweise des Anbieters

„Ungut“ und „dubios“: Umstrittenes Seniorenheim in Oberwössen trotz hohen Bedarfs abgelehnt

Am eingezeichneten Standort wäre in Oberwössen ein Seniorenheim mit 100 Plätzen geplant gewesen. Anthojo
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Am eingezeichneten Standort wäre in Oberwössen ein Seniorenheim mit 100 Plätzen geplant gewesen.
  • VonBärbel vom Dorp
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Normalerweise reißen sich Gemeinden um Plätze für Senioren, die überall begehrt sind. Nicht so in der Gemeinde Unterwössen. „Ungut“ und „dubios“ fand der Gemeinderat die Planungen eines Anbieters.

Unterwössen – Für Unruhe und Verunsicherung in der Unterwössener Bevölkerung hatte in den vergangenen Tagen die Planung einer Betreibergruppe gesorgt, in Oberwössen ein Pflegeheim mit 100 Plätzen sowie 30 betreute Wohnungen zu bauen. Die Gruppe war damit ohne Absprache mit der Gemeinde an die Öffentlichkeit gegangen.

Im Beisein vieler Zuhörer ist nun in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates die Aufstellung eines Bebauungsplanes aus mehreren Gründen abgelehnt worden.

Empörung über Vorgehen

Neben den sachbezogenen Argumenten brachten etliche Gemeinderäte ihre Empörung über die Vorab-Informationen der Betreiber und die teilweise Veröffentlichung in der Presse zum Ausdruck.

Die Bevölkerung hätte ihrer Meinung nach den Eindruck gewinnen können, dass die Planung bereits eine beschlossene Sache sei. Dabei hatte es zuvor keinerlei Absprachen mit der Gemeinde gegeben.

„Dubioses Handeln des Betreibers“

Claudia Schweinöster (UWW) nannte dieses Handeln „dubios“, Philipp Weißenbacher (Freie Wähler) „einfach unmöglich“, Markus Entfellner (FDP) „eine Irreführung der Bevölkerung“ und Bürgermeister Ludwig Entfellner (CSU) „ungut“.

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Laut ihrem Antrag beabsichtigten die Bauwerber, die Wohnlinie GmbH, die Anthojo-Gruppe und die Erl-Immobiliengruppe, an der Sonnenbichlstraße nahe der B 305 ein dreigeschossiges Gebäudeensemble für 100 Pflegeplätze und ein zusätzliches Wohnhaus für betreutes Wohnen zu errichten.

Vor Kurzem erst haben sie mit dem neuen Pflegeheim in der Kaiserblickstraße in Grassau ein ähnlich großes Projekt verwirklicht.

Schon einmal Thema

Mit einem Blick zurück erinnerte der Gemeindechef daran, dass man sich in Unterwössen schon seit fünf bis sechs Jahren mit einer modernen Senioreneinrichtung befasst hat.

In den Jahren 2016 bis 2019 sei deshalb das bestehende Seniorenheim für 70 Bewohner in der Hauptstraße in Unterwössen auf Wunsch der Investoren und mit Unterstützung der Gemeinde umgeplant worden, um den neuesten Ansprüchen und auch einer möglichen Aufstockung auf 100 Pflegeplätze zu genügen.

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Nun heißt es, das Haus soll 2025 aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen werden. „Warum diese Planung plötzlich nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben sein soll, erschließt sich uns nicht“, meinte der Bürgermeister. Von einer Fristsetzung werde man sich im Übrigen nicht erpressen lassen.

Als weiteres Argument gegen den Bau führte Entfellner die Hochwassergefährdung des Areals ins Feld.

Gemeinsamer Beschluss mit Nachbargemeinden

Außerdem habe man vor kurzem einen Grundsatzbeschluss für ein interkommunales Senioren-Wohnkonzept mit den Gemeinden Marquartstein, Schleching und Reit im Winkl gefaßt. Als kompetenten Partner habe man dafür die Arbeitsgruppe für Sozialplanung und Altersforschung gewinnen können, dies sowohl die Koordinationsstelle Wohnen im Alter als auch Pflege und Wohnen in Bayern betreut. Im Mittelpunkt stehe dabei der ambulante Sektor, das betreute Wohnen auf dem Land sei indessen wenig gefragt.

Bei den Gemeinderäten stieß das beantragte Projekt fernab vom Ortskern auf keine Zustimmung. Claudia Schweinöster nannte es sogar „schwachsinnig“ und „eine Vergeudung von Flächen“. Markus Entfellner erinnerte an den kürzlichen Grundsatzbeschluss, nicht mehr im Außenbereich zu bauen, sondern zunächst den Innenbereich zu verdichten. „Das hier ist ein Ausverkauf unserer Heimat.“ Auch Gabi Neubert (Die Grünen) wollte „keine grünen Flächen opfern“. Martin Nieß (CSU) verwies auf die eindeutigen Argumente des Landratsamtes.

Rote Karte wegen Hochwasser

Dessen Abteilungsleiter für Bauen und Umwelt, Christian Nebl, hatte eine Überplanbarkeit aus mehreren Gründen die rote Karte gezeigt. So sei unter anderem die unmittelbare Nähe des von Hochwasser gefährdeten Überschwemmungsgebietes am Bach ein zu hohes Sicherheitsrisiko für die potentiellen Bewohner.

Gabi Neubert und Martin Nieß wiesen darauf hin, dass man in der Senioren-Thematik nicht nachlässig werden dürfe. Man müsse für eine gute Kommunikation sorgen und herausfinden, was die Menschen wollen.

Genau das soll nun der nächste Schritt im Sinne einer Bestandsaufnahme für die Weiterentwicklung des laufenden interkommunalen Senioren-Wohnkonzepts sein.

Am Ende waren sich alle Gemeinderäte darüber einig, dass man den Betreiberantrag nicht weiterverfolgen werde.

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