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Hoteliers Valerii und Stanislava sind selbst Ukrainer

Zuflucht in Inzeller Hotel: „Fliegt ein Hubschrauber, ziehen alle die Köpfe ein“

Valerii Onuchyn und Stanislava Yakunina vom Hotel Gastager in Inzell haben Flüchtlinge aus der Ukraine aufgenommen.
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Valerii Onuchyn und Stanislava Yakunina vom Hotel Gastager in Inzell. Er stammt aus Kiew und verließ das Land vor sechs Jahren. Seine Eltern sind selbst Russen. Stanislava Yakunina kommt aus Kropywnyzkyj, einer 230.000-Einwohner-Stadt in der Zentralukraine. Das Hotel in Inzell führen sie seit 2020. 
  • Xaver Eichstädter
    VonXaver Eichstädter
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Sie waren bisher die Anlaufstelle für Ukraine-Flüchtlinge im Landkreis Traunstein schlechthin: Im Inzeller Hotel von Valerii und Stanislava haben schon dutzende Ukrainer Zuflucht gefunden. Über eine Situation, die sie selbst als „chaotisch“ bezeichnen.

Inzell - Auch wenn die vielen Kinder durch die Hotellobby toben, die Gesichter der Erwachsenen dazwischen wirken leer und traurig: Im Hotel Gastager in Inzell wird momentan nur Ukrainisch gesprochen. Es ist seit Beginn des Krieges Anlaufpunkt für viele Flüchtlinge im Landkreis Traunstein geworden - denn: auch die Unterkunft wird von Landsleuten geführt. „Viele kommen zu uns, weil sie es von Freunden erfahren haben, die es ebenfalls von Freunden wissen, dass es uns gibt. Oder sie haben es irgendwo auf Facebook gelesen“, so Valerii Onuchyn beim Besuch von chiemgau24.de.

Flüchtlinge aus der Ukraine in Inzeller Hotel

Am Dienstag waren es zehn ukrainische Frauen mit elf Kindern, die im Hotel Gastager Unterschlupf fanden. „Bis zum Ende der Woche rechnen wir noch mit 20 weiteren“, so Valeriis Frau Stanislava Yakunina. „Das geht immer sehr spontan, zum Teil recht chaotisch.“ Manche stehen plötzlich selbst mit dem Auto vor der Tür, manche kamen mit dem Zug nach Deutschland und schlugen sich dann nach Inzell durch, andere holte Valerii selbst von der ukrainisch-polnischen Grenze. Gerade mal vier Tage nach Kriegsbeginn standen die ersten Flüchtlinge vor dem Inzeller Hotel.

Bis zum Ende der Woche wird mit rund 40 Flüchtlingen aus der Ukraine im Inzeller Hotel gerechnet.

Wie es weitergeht? Keiner weiß es. Es hängt davon ab, ob die Ukrainer womöglich Wohnungen finden, welche Gelder Valerii und Stanislava von den Behörden bekommen und natürlich, wie lange der Krieg dauert. „Alle sagen, dass sie wieder zurück wollen. Jeder hat ja in der Ukraine sein normales Leben, seine Arbeit, sein Haus, seine Familie.“ Und natürlich müssen die Inzeller Hoteliers auch an ihr eigenes Geschäft denken: Im Sommer brummt das Geschäft mit Urlaubern, Ende Mai ist das Hotel Gastager jetzt schon ausreserviert.

„Es ist eine große Katastrophe“, sagt Valerii, wenn er in den Fernseher mit ukrainischem Programm schaut, der neben der Rezeption hängt. Er befürchtet, dass es auch noch Versorgungs- oder Ernährungsengpässe geben könnte, wenn sich der Krieg weiter zieht. Freunde und Verwandte von ihm seien selbst in die Kämpfe verwickelt, berichtet Valerii. Der Krieg beschäftigt alle im Hotel, jeder ist gedanklich wo anders: „Wenn man ein Hubschrauber übers Dorf fliegt, zucken alle zusammen und ziehen alle die Köpfe ein.“ Nur wenige Tage Kriegserfahrung reichen, und es brennt sich in die Seele.

Bürgermeister Hans Egger (rechts) im Gespräch mit Valerii und Stanislava.

Am Dienstag (8. März) besuchte auch Bürgermeister Hans Egger das Hotel. Vermitteln, Hilfe anbieten, Kontakte zum Landratsamt knüpfen - das ist das, was er jetzt machen kann. „Und sagt bitte Bescheid, wenn irgendwas gebraucht wird, Kleidung oder Essen.“ Insgesamt 67 Betten haben Inzells Gastgeber und Pensionen als erste Anlaufmöglichkeit für Ukraine-Flüchtlinge gemeldet. Aber mehr noch: 20.000 Euro Spenden wurden in der Gemeinde gesammelt, ein vollgeladener Lkw schickte Sachspenden in die Ukraine und ukrainische Shorttrack-Kinder können in Inzell wohnen und sogar trainieren. Die Hilfsbereitschaft im Ort kann sich sehen lassen.

xe

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