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Herausforderung für Vermittler

Ukraine-Flüchtlinge am Chiemsee: Was die größte Hürde auf dem Arbeitsmarkt ist

Ein Willkommen in Prien: Andreas Friedrich Friedrich (Sechster von rechts), Vertreter der Gemeinde sowie die Mitglieder des Helferkreises Claudia Sassa (Zweite von links), Tais Rozzi (Sechster von links) und Yavonne Hoda (Dritte von rechts) begrüßen Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine. Zumindest jene, die dauerhaft bleiben wollen, sollen auch in Lohn und Arbeit kommen. Berger
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Ein Willkommen in Prien: Andreas Friedrich Friedrich (Sechster von rechts), Vertreter der Gemeinde sowie die Mitglieder des Helferkreises Claudia Sassa (Zweite von links), Tais Rozzi (Sechster von links) und Yavonne Hoda (Dritte von rechts) begrüßen Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine. Zumindest jene, die dauerhaft bleiben wollen, sollen auch in Lohn und Arbeit kommen. Berger
  • Jens Kirschner
    VonJens Kirschner
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Einige der Kriegs-Flüchtlinge aus der Ukraine, die in Prien und anderen Gemeinden der Region untergekommen sind, wollen dauerhaft in Deutschland bleiben. Sie gilt es nun auch in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Das gestaltet nicht immer leicht. Vor allem wegen einer Sache.

Prien - Monika Zaher ist Personalreferentin beim Priener Medical-Park-Klinik Haus Kronprinz. Für den Service im Patientenrestaurant hat sie zwei Vollzeitkräfte aus der Ukraine eingestellt und ist zufrieden: „Unsere Erfahrung ist eigentlich durchweg positiv“, sagt sie. Doch es hakt an einer Sache: der Sprache. Mitunter helfe das sprichwörtliche Gespräch mit Händen und Füßen.

„Gott sei Dank gibt es in der Klinik eine Kollegin, die übersetzen kann“, sagt Zaher. Aber auch die könne nicht immer sofort bereitstehen. Max Schiffl zeichnet bei der Gesundheitswelt Chiemgau für das Personal verantwortlich. Auch er berichtet von Sprachbarrieren. Die man aber lösen konnte, indem man zumindest anfangs auf Englisch parlierte.

Nur ein Drittel will bleiben

Hans ZieglerJobcenter Landkreis Rosenheim

Es ist wohl nur ein Drittel der zugereisten Ukrainer, die mit einer dauerhaften Zukunft in Deutschland planen. Das schätzt zumindest Hans Ziegler, Geschäftsführer des Jobcenters für den Landkreis Rosenheim. Ein weiteres Drittel wolle auf jeden Fall wieder in die Ukraine heimkehren, sobald sich die Lage dort wenigstens wieder entspannt hat. Und das letzte Drittel seien Frauen, die allein mit ihren Kindern nach Deutschland gekommen seien. „Das sind Frauen mit Kindern unter drei Jahren, die müssen dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehen“, erklärt Ziegler.

Dennoch: Man habe aus der Situation 2015 gelernt, als schon einmal eine Vielzahl an Menschen Schutz in Deutschland suchte. Die schnelle Integration der Geflüchteten stehe inzwischen viel mehr im Vordergrund als bislang. Das bedeute, dass die Menschen inzwischen gleich in die Grundsicherung überführt werden. Sprich: Sie bekommen Arbeitslosengeld II, auch ohne, dass ihr Schutzstatus abschließend geklärt ist.

Das bedeutet aber auch, dass sie schneller in Deutschland eine Arbeit aufnehmen dürfen. Voraussetzung hierfür sei jedoch, dass sich die Flüchtlinge registrieren lassen. Dies, um eine sogenannte Fiktionsbescheinigung zu erhalten. Ein Titel, der den Schutzstatus der Geflüchteten dokumentiert.

Lange Zeit für Berufsanerkennung

Um diese in Arbeit und Lohn zu bringen, plane das Jobcenter mehrere Veranstaltungen für die Ukrainer, bei der man abklopfen will, welche der Neuankömmlinge wirklich mit einer Zukunft im Landkreis Rosenheim plane.

Und unter diesen gehe die Schere mit Blick auf deren Qualifikation weit ausseiander. Der Analphabet finde sich auf der einen Seite genauso wie der ausgelernte Mediziner.

Florian Hähnle Bundesagentur für Arbeit Rosenheim

Aber für die schnelle Vermittlung, gesteht Florian Hähnle ein, sei vorwiegend Mundpropaganda wichtig. Hähnle ist Teamleiter bei der Bundesagentur für Arbeit in Rosenheim. Aber: „Es kommen relativ viele schnell in Tätigkeiten“, berichtet der Arbeitsvermittler. Ausgenommen davon seien jene Berufe, deren Ausübung an eine bestimmte Ausbildung gebunden sei.

Bis zu einem halben Jahr könne es dauern, bis ausländische Abschlüsse anerkannt würden. „Es kann natürlich auch rauskommen, dass Ausbildungen fachlich nicht gleichwertig sind“, gibt er zu bedenken. Er ist selbst bei einem Helferkreis für ukrainische Flüchtlinge in Neubeuern aktiv. Und auch er konnte Konstellationen ausmachen, bei denen sich die Integration in den heimischen Arbeitsmarkt schwierig werden könnte: „Von 30 Ukrainern sprach nur einer Englisch und niemand ein Wort Deutsch“, berichtet er. Aber eine dauerhafte Integration in Deutschland könne nur über die Sprache erfolgen.