Interview

Übersees Bürgermeister Eberhard Bauerdick über seinen „zweiten Start“ im Amt

An seinem Arbeitsplatz im Rathaus Übersee: Bürgermeister Eberhard Bauerdick.
+
An seinem Arbeitsplatz im Rathaus Übersee: Bürgermeister Eberhard Bauerdick.

Übersee – Ein Sturz im Rathaus brachte den neuen Bürgermeister Eberhard Bauerdick (GfÜ) drei Wochen nach seiner Amtsübernahme für sieben Wochen in den Krankenstand. Die Chiemgau-Zeitung sprach mit Eberhard Bauerdick über seinen „zweiten Start“.

Von Bärbel vom Dorp

Herr Bauerdick, wie war Ihr zweiter Start?

Eberhard Bauerdick: Die Herzlichkeit und Loyalität der gemeindlichen Angestellten, aber auch die vielen Genesungswünsche aus der Bevölkerung haben mich sehr gefreut und bestärkt.

Wie haben Sie sich auf Ihre Aufgaben als Bürgermeister vorbereitet?

Bauerdick: Aufgrund der Corona-Pandemie waren mir anfänglich keine konkreten Vorbereitungen durch Fortbildungen oder Ähnliches möglich. Es galt ins kalte Wasser zu springen und zu schwimmen. Dies gelang besonders aufgrund des engagierten Teams in der Gemeindeverwaltung, dem Bauhof, der Kindergarten-Krippe, den Mitgliedern des Gemeinderates und den Behörden.

Hat sich seit der Amtsübernahme Ihr privates Leben verändert?

Bauerdick: Natürlich verändert sich das gesamte Leben. Die Gartenzaungespräche haben sich vervielfacht, ich werde beim Spazierengehen angesprochen und als Bürgermeister suche ich natürlich auch erheblich mehr den direkten Kontakt zu den Bürgerinnen und Bürgern. Im Zuge dessen lerne ich viele Menschen kennen und erhalte dadurch auch einen anderen Blick auf den Ort und seine Besonderheiten.

Haben Sie sich das Amt so vorgestellt, oder gab es Überraschungen?

Bauerdick: Ich habe mir schon vorstellen können, was auf mich zukommt und war deshalb auch nicht überrascht. Dass ich jetzt Chef eines Betriebes mit rund 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bin, ist jedoch schon etwas anderes als als Angestellter in einer Behörde.

Was macht Ihnen in Ihrem neuen Job Spaß und was ärgert Sie?

Bauerdick: Spaß macht mir bis jetzt eigentlich vieles. Ich wundere mich jedoch über die Menschen, die überwiegend Forderungen stellen, jedoch keine Lösungsvorschläge anbieten. Mit „ICH“ anstatt „WIR“ kann ich nicht viel anfangen.

Worauf legen Sie den größten Wert?

Bauerdick: Ich will Mensch bleiben mit meinen Stärken und Schwächen. Zudem ist die Praktizierung und die Ausübung meiner christlichen Religion wichtig.

Lesen Sie auch:

Bernauerin entdeckt nach 80 Jahren ihren gefallenen Vater im Fernsehen

Was haben Sie sich für die nächsten sechs Jahre vorgenommen ?

Bauerdick:Das Radfahren in Übersee vom See bis nach Grassau muss unbedingt sicherer werden – vor allem für unsere Kinder. Am Seeufer gilt es für alle Nutzer einen gesunden Mittelweg zu finden. Hierfür ist die im Juli gegründete Arbeitsgruppe bereits sehr aktiv. Die Vorstellung für eine „Überseer Bürgerküche“ wird aktuell interessiert und positiv bewertet. Ein nachhaltiges Umdenken bei der Umwandlung von Grünland in Bauland ist für mich ebenfalls eine sehr wichtige Angelegenheit.

Haben Sie schon etwas von dem angehen können, was Sie sich vorgenommen haben?

Bauerdick: Die Verkehrsberuhigung im Unterland konnten wir bereits wesentlich verbessern. Beim Pilotprojekt „Bayern-Info“APP ist unsere Gemeinde Vorreiter. Als Chiemsee Besucher soll man in der Zukunft bereits zum Zeitpunkt der Anreise erfahren, ob Parkplätze am Seeufer frei sind. Bereits seit Mitte des Jahres führe ich Gespräche mit dem Landratsamt wegen der Verbesserung der Sicherheit für den Radverkehr auf der Feldwieser Straße/Grassauer Straße

Lesen Sie auch:

Inzeller Vermieter schenken 100 „Corona Helden“ einen Urlaub – die sind überglücklich

Was sehen Sie als größte Herausforderungen Ihrer Amtszeit an und wie wollen Sie diese meistern?

Bauerdick: Immer wieder zu versuchen die Anliegen der Bürger durch Zeitnehmen und Zuhören nach Möglichkeit individuell umzusetzen. Jedoch bin ich mir bewusst: Es jedem Recht zu machen, ist eine Kunst, die niemand beherrscht.

Läuft die Zusammenarbeit im Gemeinderat schon rund?

Bauerdick: Die Zusammenarbeit im Gemeinderat war bereits von Anfang an sehr lebendig und konstruktiv.

Sieben Wochen Bürgermeister-Vertretung

Zweite Bürgermeisterin Margarete Winnichner (Die Grünen) hat Bürgermeister Eberhard Bauerdick ohne Übergabe- und Vorbereitungszeit während dessen Krankenstandes sieben Wochen lang vertreten – neben ihrer beruflichen Tätigkeit. „Ein Sprung ins kalte Wasser“ sei das für sie nach eigenen Worten gewesen – auch unter dem Aspekt der beginnenden Corona-Krise. „Durch die sehr gute Unterstützung der Rathausverwaltung und die Kontakte mit den Fraktionssprechern war es aber zu schaffen.“ In der Zusammenarbeit mit dem Bürgermeister geht es ihr jetzt darum, im Austausch zu bleiben: „Dass es in der Sache oft unterschiedliche Sichtweisen gibt, dürfte klar sein. Das ist jedoch nicht der Maßstab für unsere Zusammenarbeit, sondern die anstehenden Herausforderungen gemeinsam zu meistern.“

Kommentare