WAHL AM 18. APRIL

Die Bürgermeisterkandidaten im Interview: Wer übernimmt das Ruder in Übersee?

Brigitte Stahl (CSU) und Herbert Strauch (FBL ).
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Brigitte Stahl (CSU) und Herbert Strauch (FBL ).
  • vonBärbel vom Dorp
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Die beiden Bürgermeister-Kandidaten, Brigitte Stahl (CSU) und Herbert Strauch (FBL) bewerben sich für die Bürgermeisterwahl am 18. April in Übersee aufstellen lassen. Die OVB-Heimatzeitungen haben die beiden zum Interview getroffen.

Übersee – Nach einer nur neun Monaten Amtszeit war der bisherige Überseer Bürgermeister Eberhard Bauerdick von der Wählergruppe Gemeinsam für Übersee (GfÜ) aus persönlichen Gründen zum 31. Januar 2021 zurückgetreten. Die Amtsgeschäfte führt seither kommissarisch die Zweite Bürgermeisterin Margarete Winnichner (Die Grünen).

Auf eine Bürgermeisterkandidatur hat sie verzichtet, ebenso wie die gesamte Fraktion der Grünen und die GfÜ. Für die Neuwahl des Bürgermeisteramtes in Übersee am Sonntag, 18. April, stehen zwei Personen zur Verfügung: Brigitte Stahl (CSU) und Herbert Strauch (FBL ).

Frau Stahl, Herr Strauch, warum wollen Sie Bürgermeister werden?

Brigitte Stahl: Weil ich mich gerne für unseren schönen Ort einbringen, Dinge anschieben und vorantreiben möchte. Ich stelle mich gerne der Verantwortung.

Herbert Strauch: Ich bin seit vielen Jahren stets am Gemeindeleben interessiert und habe mich in verschiedenen Organisationen und Vereinen eingebracht, und dort bereits Verantwortung übernommen. Nach der Wahl in den Gemeinderat und zum Dritten Bürgermeister ist das einfach der nächste Schritt.

Wo sehen Sie selbst Ihre Stärken, die Sie für das Amt brauchen können?

Stahl: Ich bin vor längerer Zeit zugezogen. Daher bin ich unabhängig, unbefangen und offen für Neues. Ich bringe viel Lebenserfahrung und Enthusiasmus mit. In meinem derzeitigen Beruf benötige ich Feingefühl für mein Gegenüber, aber auch Verhandlungsgeschick und Durchsetzungsvermögen.

Strauch: Es liegt mir, zu organisieren und die Menschen für etwas zu begeistern. Mein Tatendrang und meine Offenheit für Neues wird der Gemeinde bei zukünftigen Projekten zugutekommen. Durch mein unternehmerisches Denken und meinen Entscheidungswillen können wir vieles erreichen.

Wie definieren Sie für sich das Bürgermeisteramt – als Gestalter, Moderator oder ganz anders?

Stahl: Vermutlich alles ein wenig. „Verkrustungen“ müssen aufgebrochen, Ideen und Lösungswege aufgezeigt und Entscheidungen beschleunigt werden. Übersee braucht jetzt Gestaltungs- und Entscheidungskraft.

Strauch: Definitiv als Gestalter. Ein Bürgermeister muss Visionen haben und seine Bürger sowie den Gemeinderat von seinem Vorhaben überzeugen und sie mitnehmen. Ich sehe das Bürgermeisteramt als Führungsposition, die sich behaupten kann, ohne dabei die Bedürfnisse und Anregungen der Bürger zu übergehen.

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Was sind Ihre wichtigsten Ziele, welche Projekte wollen Sie in Übersee zeitnah verwirklichen?

Stahl: Erst einmal sollte das, was zwischenzeitlich sicherlich aufgrund der besonderen Umstände liegengeblieben ist, aufgearbeitet und auf den Weg gebracht werden. Eile und Handlungsbedarf ist geboten. Vor allem auch in Bezug auf das Gewebegebiet, damit Perspektiven für unsere Unternehmer geschaffen werden können. Ein sehr wichtiges Anliegen ist außerdem die Lebensqualität im Alter.

Strauch: Das wichtigste Ziel ist neben der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum, die Realisierung einer Pflegeeinrichtung. Hier gibt es einige interessante Flächen, die zeitnah eine Umsetzung ermöglichen. Das Thema Gemeinschaftsküche ist bereits angestoßen, dieses soll zur Versorgung der Kinder aber auch der älteren Bürger mit einem warmen Mittagessen möglichst bald umgesetzt werden.

Was fehlt in Übersee und was wollen Sie langfristig angehen?

Stahl: Die Stärkung von Handel, Gewerbe und Gastronomie, die sehr stark auch vom Tourismus abhängt, liegt mir sehr am Herzen. Diese Bereiche, die die Belebung des Ortes, Steuereinnahmen und letztendlich Wertschöpfung erzielen, will ich im Auge behalten und im Rahmen der Möglichkeiten einer Gemeinde für gute Bedingungen sorgen.

Strauch: In Übersee fehlt meines Erachtens ein echter Mittelpunkt. Ich denke, dass mit der Neugestaltung des Bereichs um das noch bestehende alte Feuerwehrhaus ein Zentrum und Treffpunkt geschaffen werden kann.

Wie werden Sie angesichts von Corona den Wahlkampf gestalten?

Stahl: Ich sehe Herrn Strauch und mich als Bewerber für das Amt des Bürgermeisters und nicht als Gegner. Beide Seiten versuchen derzeit Ihre Vorzüge und Schwerpunkte durch Print- und soziale Medien darzustellen. Treffen mit den Bürgern kann es aufgrund der Pandemie leider nicht geben.

Strauch: Die Vorstellung meiner Person und meiner Ziele ist ja leider als Präsenzveranstaltung nicht möglich. Das finde ich sehr schade, da ich gerne das persönliche Gespräch suche. Umso wichtiger war es mir, den Wahlflyer, der an alle Haushalte verteilt wird, möglichst authentisch und aussagekräftig zu gestalten. Außerdem nutze ich die Social-Media-Kanäle und die Website der FBL-Übersee, um die Wähler mit aktuellen Nachrichten zu versorgen.

Für die Gemeinde Übersee ist das der zweite Bürgermeisterwechsel innerhalb eines Jahres, wie wollen Sie wieder „Ruhe“ ins Amt, die Gemeinde und den Gemeinderat bringen?

Stahl: Zunächst geht es darum, das Vertrauen wieder herzustellen. Man muss im Gemeinderat miteinander reden und versuchen, Lösungswege zu finden. Probleme müssen offen angesprochen und angegangen werden. Wir dürfen uns nicht in „Kleinkriegen“ verlieren und vom Weg abbringen lassen.

Strauch: Ich denke, dass mit der kommissarischen Vertretung bereits Ruhe eingekehrt ist. Im Gemeinderat wurde durchgängig zielstrebig und lösungsorientiert gearbeitet. Wichtig ist wieder eine Kontinuität auch bei der Vertretung der Gemeinde nach außen zu bekommen.

Welche Idee haben Sie, um das alljährliche Verkehrschaos am Seeufer noch für diese Saison zu bewältigen?

Stahl: Übersee ist in Bezug auf dieses Problem nicht allein, viele Tourismusorte werden mit Tagesgästen „überschwemmt“. Entscheidend ist eine intelligente Besucherlenkung. Hierzu gibt es bereits verschiedene Konzepte und Ideen, die ich unterstütze, unter anderem in Zusammenarbeit mit dem Ökomodell Achental und einer App, die anzeigt, ob und wo noch Parkmöglichkeiten bestehen. Eine Möglichkeit könnte beispielsweise sein, das Festivalgelände in Almau für Besucher, die ihr Fahrrad mitbringen, zu nutzen. Am See und im Unterland müssen wir konsequent gegen Falschparker vorgehen.

Strauch: Im Bereich Chiemseeufer wird in der Arbeitsgruppe bereits an diesem Punkten gearbeitet. Hier habe ich Ideen eingebracht. Eine wesentliche Verbesserung erhoffe ich mir aus einer intelligenten Verkehrsführung in Zusammenhang mit der digitalen Besucherlenkung, die überregional vom Ökomodell in Planung ist.

Die Überseeer wünschen sich seit mehr als zwei Jahrzehnten eine Senioreneinrichtung. Wie lassen sich Ihrer Meinung die Wünsche realisieren und in welcher Zeit?

Stahl: Fakt ist, dass viele Senioren weiterhin in ihren eigenen, vertrauten vier Wänden gepflegt werden möchten. Daran sollte eine stationäre Einrichtung ausgerichtet werden. Wir brauchen weniger „Betreutes Wohnen“, in das man sich einkauft, als vielmehr ein Heim, in dem man gepflegt wird, wenn es zuhause nicht mehr geht. Zusätzlich soll damit die häusliche Pflege über ein Tages- und Kurzzeitangebot sowie ein Angebot für Demenzkranke ergänzt werden. Das sollten wir auf der Basis der bisherigen Vorarbeiten, auch in Zusammenarbeit mit ehrenamtlichen Helfern, schnell angehen.

Strauch: Es ist an der Zeit, seitens des Gemeinderats zu entscheiden, ob man eine Pflegeeinrichtung in Übersee möchte. Mittlerweile gibt es nicht nur einen Standort um dies zu realisieren. Darum ist es auch wichtig, sich umgehend wieder intensiver mit den Betreuungskonzepten zu befassen und mit potenziellen Betreibern die Gespräche aufzunehmen.

Sind Sie für eine Fortsetzung des geplanten Rathausneubaus oder für eine Sanierung des bestehenden Ensembles von Rathaus, Schule, Feuerwehr und des gemeindlichen Nachbargrundstücks?

Stahl: Mittel- und langfristig brauchen wir eine praktikable Lösung, vorzugsweise mit der gesamten Verwaltung unter einem Dach, denn Arbeits- und Verwaltungsabläufe sollten verschlankt werden. Allerdings sollten an allererster Stelle die Kosten für einen Neubau mit den Kosten für Sanierung, Neugestaltung und Unterhalt gegenübergestellt werden. Grundsätzlich würde ich gerne am Vorhandenen festhalten und – wenn möglich – eine Lösung im Zuge einer Renovierung anstreben.

Strauch: Das Eine schließt das Andere nicht aus. Die Umnutzung des benachbarten Anwesens zur dauerhaften räumlichen Entlastung der Verwaltung im Rathaus sowie der Neubau eines maximal zweistöckigen Gebäudes im Bereich des jetzigen alten Schulhauses, in dem öffenliche Toiletten und die noch fehlenden Verwaltungsbereiche, wie beispielsweise ein Trauungszimmer, ein Saal für kleinere Empfänge oder Veranstaltungen, Archiv und im Obergeschoss ein Sitzungssaal, untergebracht werden können. Alle meine Visionen dazu würde ich gerne im Rahmen einer Bürgerbeteiligung bewerten und mit den entstehenden Freiflächen mitgestalten lassen.

Zur Person: Brigitte Stahl ist die Bewerberin für die CSU

Brigitte Stahl ist 56 Jahre alt, verheiratet, in Gummersbach bei Köln geboren und lebt seit zehn Jahren in Übersee. Ihr erlernter Beruf ist staatlich geprüfte Betriebswirtin. Zur Zeit arbeitet sie als Contracting & Product Managerin in der Tourismusbranche. Ehrenämter hat sie keine.

Zur Person: Herbert Strauch ist der Bewerber für Die Freie Bürgerliste (FBL)

Herbert Strauch ist 39 Jahre alt, verheiratet, hat drei Kinder und lebt seit seiner Geburt in Übersee. Sein erlernter Beruf ist staatlich geprüfter Hochbautechniker und Maurermeister. Zur Zeit arbeitet er als Geschäftsführer. Ehrenamtlich ist er tätig als Erster Vorstand des Trachtenvereins Übersee und der Wählergruppe FBL sowie als Ausschussmitglied des Wasserbeschaffungsverbands Übersee.

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