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Platz für 12 Betriebe am Entenfeld

Jahrelanges Ringen hat ein Ende: Spatenstich für Gewerbegebiet in Übersee

Spatenstich der Verantwortungsträger: Bauamtsleiter Florian Gnadl, Markus Bodenmeier vom Staatlichen Bauamt Traunstein, Bürgermeister Herbert Strauch, Helwig Falch von der Firma Swietelsky und Martin Welzel vom SAK-Ingenieurbüro (von links).
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Spatenstich der Verantwortungsträger: Bauamtsleiter Florian Gnadl, Markus Bodenmeier vom Staatlichen Bauamt Traunstein, Bürgermeister Herbert Strauch, Helwig Falch von der Firma Swietelsky und Martin Welzel vom SAK-Ingenieurbüro (von links).
  • VonBärbel vom Dorp
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  • Heidi Geyer
    Heidi Geyer
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Lang hat‘s gedauert, aber jetzt steht es in den Startlöchern: Das Gewerbegebiet Entenfeld in Übersee. Warum selbst die Grünen mit dem Flächenfraß keine Probleme an dieser Stelle haben.

Übersee – „Was lange währt, wird endlich gut.“ Dieser Spruch könnte für das Gewerbegebiet Entenfeld in Übersee gelten. Nach vielen Jahren der Planung und immer wieder neuen Änderungen erfolgte jetzt der offizielle Spatenstich. Im ersten Bauabschnitt sollen nun die Linksabbiegespur auf der Staatsstraße 2096 zum Gewerbegebiet und die Erschließungsstraße entstehen.

Erstmals war in Übersee von einem Gewerbegebiet Entenfeld in der 8. Änderung des Flächennutzungs-planes am 6. März 1995 die Rede. In den folgenden Jahren folgten schwierige Grundstücksverhandlungen. Erst am 3. August 2017 kam es zum Aufstellungsbeschluss zum jetzigen Bebauungsplan. Einstimmig hatte der Überseer Gemeinderat im Jahr 2018 dann einer Änderung des Flächennutzungsplans zugestimmt.

Nadelöhr an der Staatsstraße

Der Bebauungsplan von 2021 offenbarte dann, dass die Abbiegespur auf der Staatsstraße zum Gewerbegebiet noch nicht geklärt war. Mit großem Engagement sorgte Bürgermeister Herbert Strauch (FBL) dann dafür, dass die nötigen Grundstücksverhandlungen geführt und mehrere Varianten für die Straße erarbeitet wurden. Im vergangenen Sommer war es dann so weit, dass ein realistischer Bauzeitplan vorlag und die potenziellen Gewerbebetriebe Planungssicherheit erhielten. Im Februar haben nun die Bauarbeiten begonnen.

Beim offiziellen Spatenstich äußerten sich jetzt alle Verantwortungsträger zuversichtlich, dass sowohl die Abbiegespur als auch die Erschließungsstraße bis Ende Juli fertig sein werden. Die Baukosten hierfür sind mit 1,13 Millionen Euro brutto angesetzt. Im Februar 2023 soll dann Baureife für die Gewerbebetriebe sein. Zur Verfügung stehen 2,5 Hektar. Für die Parzellen von 1000 bis 3000 Quadratmeter hatten sich rund 30 unterschiedliche Betriebe beworben.

„Flächenfraß“ für neue Gewerbegebiete ist ein Thema, das Umweltschützer oft kritisch sehen (s. Infokasten). Grüne und Zweite Bürgermeisterin Margarete Winnichner sieht es pragmatisch: „Wir müssen auch die Möglichkeit haben, uns als Gemeinde fortzuentwickeln. Und ein Element dazu ist die Gewerbesteuer.“ Dennoch sei der Klimaschutz auch in Übersee wichtig und man habe eine Arbeitsgemeinschaft dazu im Gemeinderat einberufen. „Aber das Ding mussten wir jetzt auch mal zuende bringen!“, sagt Winnichner im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. Schließlich brauche die heimische Wirtschaft auch ihren Platz. „Man kann das kritisch sehen – aber wir können soziale Dinge auch nur tun, wenn wir entsprechende Einnahmen haben“, so die Grüne.

Vergabekriterium Ausbildungsplätze

Ausgewählt wurden zwölf überwiegende Handwerks- aber auch Industriebetriebe aus Übersee und der Region. Das Auswahlgremium achtete laut Bürgermeister Strauch streng darauf, dass die Parzellen nicht etwa zu Spekulationszwecken miss-braucht werden. Ein Auswahlkriterium bestand auch darin, dass die Betriebe Ausbildungsplätze anbieten. Wie der Rathauschef betonte, gibt es mittel- und langfristig keine freien Plätze mehr im Gewerbegebiet.

Bund Naturschutz kritisiert Flächenverbrauch

Es ist ein ewiges Dilemma: „Von den knapp dreizehn Hektar Boden, die in Bayern durchschnittlich jeden Tag ‚verbraucht‘ werden, wird die Hälfte für neuen Wohnraum und je ein Viertel für Gewerbeansiedlungen und Verkehrswege verwendet.“ Der Bund Naturschutz kritisiert auf seiner Homepage, dass immer mehr Flächen versiegelt und verbaut werden. Einerseits verliere man dadurch fruchtbarem Boden, Lebensraum für Pflanzen und Tiere und letztlich Artenvielfalt. Hinzu komme, dass zusammenhängende Biotope gespalten und das Landschaftsbild gestört werden. Andererseits erhöhe die sogenannte Zersiedelung das Verkehrsaufkommen mit allen negativen Konsequenzen als Luft-, Lärm- und Klimabelastung. „Arbeits- und Einkaufswege verlängern sich, das kostet die Menschen Zeit und Geld und schließlich Lebensqualität, wenn Infrastruktur und Gemeinschaftsleben aus den Ortskernen verschwinden.“

Daher fordert der BN Bestandschutz und -modernisierung vor Neubau. „Für das Gewerbe bedeutet dies Unterstützung für den Erhalt bestehender Standorte und innerörtliche Neubauten.“ Aktuell wird das Problem Flächenfraß laut BN von der Politik nicht konsequent angegangen. Die Organisation fordert daher eine Festschreibung des Zielwertes des Flächenverbrauchs im Landesentwicklungsprogramm und die Ausweisung von Eignungsgebieten im Regionalplan. Außerdem soll die Innenentwicklung von Kommunen und Flächenverträglichkeitsprüfung verstärkt werden und der Bau neuer Straßen vermieden werden. Schlussendlich geht es dem BN auch um eine „gerechtere Verteilung von Gewerbesteueraufkommen“, zudem solle die Landesplanung an das Umweltministerium zurück verlagert werden.

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