Überraschender Wechsel in Bernau: Ex-Bürgermeister Philipp Bernhofer legt Mandat nieder

Philipp Bernhofer hat sich aus der Kommunalpolitik zurückgezogen.
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Philipp Bernhofer hat sich aus der Kommunalpolitik zurückgezogen.

Nach nur drei Monaten im neuen Gemeinderat macht Bernaus ehemaliger Bürgermeister Philipp Bernhofer (Bernauer Liste) nun Platz für Nachrücker Wilhelm Schellmoser.

Bernau– Bernhofer, der bei der Kommunalwahl im März als Amtsinhaber und erneuter Kandidat der BL in der Stichwahl gegen CSU-Herausforderin Irene Biebl-Daiber – sie erhielt 53,8 Prozent der Stimmen – verloren hatte, ist mit dem Schulanfang wieder an seine alte Wirkungsstätte, die Grassauer Grund- und Mittelschule, zurückgekehrt. Dort ist er nun zum Konrektor ernannt worden (wir berichteten).

Ein überraschend schneller Neustart

Kein Geheimnis ist in der Gemeinde und im Rathaus, dass es in der Vergangenheit des Öfteren knirschte zwischen Bernhofer und Biebl-Daiber. Die Bürgermeisterin sagt, sein kurzfristiger Weggang sei dennoch „überraschend“ gewesen.

Sie hätte sich trotz allem gern persönlich von Bernhofer verabschiedet, „wir haben auch ein Geschenk für ihn vorbereitet“. Doch zu seiner letzten Gemeinderatssitzung am Donnerstag kam Bernhofer nicht mehr, er ließ sich entschuldigen.

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Biebl-Daiber will die Vergangenheit ruhen lassen: „Ich wünsche ihm alles Gute und es freut mich wirklich, dass er nun Konrektor in Grassau ist“, lässt sie, selbst jahrelang als Pädagogin am Gymnasium Altötting tätig gewesen, über unsere Zeitung ausrichten. Für eine Stellungnahme war Bernhofer am Freitag nur kurz telefonisch zu erreichen. Er erklärte, dass er beruflich mit der stellvertretenden Schulleiterstelle ausgelastet sei und dass er sich deshalb aus der Gemeinderatsarbeit zurückziehe.

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Sein Nachfolger von der BL-Liste Wilhelm Schellmoser wurde sogleich von Bürgermeisterin Biebl-Daiber vereidigt, damit er „bei der nächsten nicht-öffentlichen Sitzung in der kommenden Woche loslegen“ könne, so die Bürgermeisterin. Schellmoser, Familienvater, ist gebürtiger Bernauer und hauptberuflich bei der Kriminalpolizei beschäftigt. Noch im vergangenen November hatte er bei der offiziellen Nominierung der Gemeinderatskandidaten die Bernauer Liste mit Christine Paulus angeführt. Bürgermeister und Amtskandidat Bernhofer hatte Schellmoser damals als „Gewinn“ bezeichnet. Doch dann erhielt er keinen Platz im Gremium. Jetzt also gehört er auch zu den Vertretern der BL- Fraktion im Bernauer Gemeinderat. Die nächste öffentliche Sitzung, bei der auch Bürger das neue Gemeinderatsmitglied live erleben können, ist erst am 1. Oktober. Derweil, so die Rathauschefin, werde Schellmoser „nach und nach in die Gemeindearbeit hineinrutschen.“ So groß sei der Vorsprung der anderen neuen Räte gar nicht, meint Biebl-Daiber, „außerdem biete ich eine Fraktionssprechstunde an für alle Räte, da lassen sich auch noch mal Hintergrundfragen klären.“

„Leuten nie nach dem Mund geredet“

Einen Strich unter seine Zeit als Bürgermeister und Gemeinderat kann damit auch Bernhofer ziehen. „Ich habe den Leuten nie nach dem Mund geredet. Gute Lösungen entstehen nur durch gutes Zuhören und Kompromissfähigkeit. Eigene Überzeugungen sind wichtig“, sagte er im Abschiedsinterview mit der Chiemgau-Zeitung. Gefragt nach besonderen Erlebnissen während seiner Amtszeit, musste Bernhofer nicht lange überlegen und nannte den Tag im April 2019, an dem Gut Hitzelsberg verkauft wurde: „Niemand kann sich vorstellen, wie viel Zeit, Mühe und schlaflose Nächte es gedauert hat, und welche Erleichterung es für mich bedeutete, endlich einen passenden Investor mit einem stimmigen Konzept für Bernau gefunden zu haben.“

Wilhelm Schellmoser rückt für die Bernauer Liste in den Gemeinderat nach.

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