NEUE PUMPSTATION IN STOCK IN BETRIEB UND KREUZUNG ASPHALTIERT

Über zwei Millionen Euro investiert

AUV-Vorsitzender Josef Mayer sowie seine beiden Stellvertreter an der Verbandsspitze, Jürgen Seifert und Georg Schützinger (von links), nahmen die neue Pumpstation unter der Stocker Erde per Knopfdruck offiziell in Betrieb.  Berger
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AUV-Vorsitzender Josef Mayer sowie seine beiden Stellvertreter an der Verbandsspitze, Jürgen Seifert und Georg Schützinger (von links), nahmen die neue Pumpstation unter der Stocker Erde per Knopfdruck offiziell in Betrieb. Berger

Beim Jahrhunderthochwasser des Chiemsees vor knapp drei Jahren wurde es auf dramatische Weise offensichtlich: Das alte Pumpwerk am Prienavera ist bei der Entwässerung des Ortsteils Stock vom Regen- und Abwasser hoffnungslos überlastet. Für über zwei Millionen Euro haben Abwasser- und Umweltverband (AUV) Chiemsee und Markt Prien im Verbund nun Abhilfe geschaffen.

Prien – Pumpwägen mussten im Juni 2013 die Fäkalien aus Hotels und Lokalen abpumpen, die Kanäle waren während des Chiemsee-Hochwassers voll. Solche Szenen sollen nun der Vergangenheit angehören. „Mindestens ein Generationenbauwerk“ ist die neue Pumpstation samt angeschlossenen Kanälen für Priens Bürgermeister Jürgen Seifert. So formulierte er es bei der offiziellen Inbetriebnahme der Anlage. Für Passanten ist der nur sechs Meter breite Bau recht unscheinbar. Ein kleines Betriebsgebäude an der Osternacher Straße neben der Einfahrt zum Parkplatz 2 der Chiemsee-Schifffahrt (die auch das Grundstück zur Verfügung stellte) ist alles, was oberirdisch sichtbar ist.

Im Innern reicht die Anlage etwa zehn Meter in die Tiefe. Dort unten stehen vier Pumpen, die je nach Bedarf aktiv werden. Eine Druckleitung wurde kostengünstig im sogenannten Spülbohrverfahren über einen Kilometer weit unter der Osternacher Straße bis zum Hechtweg verlegt, wo nun die Hinterlassenschaften aus den Häusern, Kliniken, Hotels und Gastronomiebetrieben aus Stock in die AUV-Ringkanalisation und unterirdisch knapp fünf Kilometer weiter zur Chiemsee-Kläranlage in Stiedering fließen.

Beim Spülbohrverfahren werden keine Gräben ausgehoben, sondern nur punktuell der Untergrund aufgegraben, Leitungsabschnitte von dort eingezogen und dann miteinander verbunden. Dass das Spezialverfahren trotz schwieriger und oft wechselnder Untergrundbeschaffenheit angewandt werden konnte, war in erster Linie Priens findigem Wassermeister Tobias Kollmannsberger zu verdanken und sparte AUV und Markt Prien sehr viel Geld. Die erste Ausschreibung der Gesamtmaßnahme summierte sich noch auf über drei Millionen Euro. Sie wurde von Verband und Kommune deshalb aufgehoben und die alternative Lösung ersonnen.

Unterm Strich wurden nach Angaben der Bauherrn rund 2,2 Millionen Euro investiert, Ingenieurskosten nicht mitgerechnet. 1,5 Millionen gab der AUV Mayer zufolge für das Pumpwerk aus. Es ist das 31. der Chiemsee-Ringkanalisation, an die alle zehn Anliegergemeinden angeschlossen sind, aber das erste, das seit dem Bau des Ringkanals in den späten 1980er-Jahren zusätzlich neu entstanden ist. Begründet ist diese Ergänzung durch den Umstand, dass seit damals in Stock viel gebaut worden ist und die Kapazitäten der Kanalisation entsprechend gestiegen sind. Das neue Pumpwerk kann laut Anton Schmuck, Geschäftsführer des planenden Büros Dippold und Gerold, etwa viermal so viel Oberflächen- und Abwasser bewältigen wie der Vorgänger am Prienavera aus den 1960er-Jahren.

Damit das neue Pumpwerk bei steigendem Grundwasserspiegel sicher stehen bleibt, wurde der Bau auf rund 40 Pfähle gesetzt. Seine Finanzierung stemmen die zehn Chiemseegemeinden anteilsmäßig, je nach Einwohnerzahl. Seifert dankte den anderen Kommunen für deren Solidarität und bezifferte den Priener Anteil auf 490 000 Euro, also fast ein Drittel.

Zusätzlich hat der Markt Prien 727 000 Euro ausgegeben für neue Kanäle, die zum Teil größer dimensioniert sind als die alten und zusätzliche Gebiete anschließen. Die Baustelle nutzte der Markt Prien auch, um unter einem Teil der Osternacher Straße die alte Frischwasserleitung zu erneuern.

Um Verkehrsbehinderungen in den Ferienzeiten zu vermeiden, wenn rund um den Hafen am meisten los ist, war die endgültige Asphaltierung der „Stocker Spinne“ auf heuer verschoben worden. Am Donnerstag wurde der Kreuzungsbereich innerhalb eines Tages abgefräst und neu asphaltiert. Dabei wurden auch die sogenannten Dummies, also mobile, verkehrslenkende Elemente, durch endgültige Lösungen ersetzt. Mit kleinen Inseln werden nun die Verkehrsströme von Autos, Radlern und Fußgängern im Bereich der Kreuzung besser gelenkt. Die Chiemsee-Schifffahrt hatte im Vorfeld der Asphaltierung auch gut 60 Meter Gleise ihrer Chiemseebahn, die quer über die Kreuzung führen, erneuert. In den nächsten Wochen sind nur noch kleinere Restarbeiten notwendig – bis auf die Asphaltierung der westlichen Hälfte der Seestraße zwischen Spinne und Haus B der Schön Klinik Roseneck. Dafür sind vor Pfingsten noch halbseitige Sperrungen mit Ampelregelungen nötig.

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