Mit Tuba, Charme und Musikerhut

Die Musikkapelle Wildenwart – ein modern geführter Verein mit traditionsreicher Geschichte.
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Die Musikkapelle Wildenwart – ein modern geführter Verein mit traditionsreicher Geschichte.

Im Vereinsporträt: Die Musikkapelle Wildenwart, die aus einer Wette hervorging und längst überregional bekannt ist. Seit 65 Jahren ist sie bei kulturellen und sozialen Ereignissen als musikalische Begleitung nicht mehr wegzudenken, und das nicht nur in Prien und Umgebung.

Wildenwart –  Alles begann 1955 mit einer Wette: Schullehrer Albert Pfaffenzeller und Sägewerksbesitzer Johann Rinser wetteten miteinander, ob es möglich sei, in Wildenwart eine Musikkapelle auf die Füße zu stellen. Pfaffenzeller war sich sicher, die musikbegeisterten Wildenwarter Burschen zu einer Kapelle formen zu können, Rinser hielt dagegen.

Im September begannen die ersten Proben mit den zukünftigen Musikanten und bei der Christmette 1955 war der erste öffentliche Auftritt. Pfaffenzeller hatte seine Wette gewonnen und Wildenwart hatte seine Blasmusik – bis heute.

Vom Staatsempfang bis zum FC Bayern

65 Jahre nach ihrer Gründung ist die Kapelle weitum ein Begriff: 60 Musikanten und manchmal auch mehr spielen in der ganz großen Besetzung mit, über 40 Jugendliche musizieren in der Jugendkapelle, viele davon haben in den vergangenen Jahren den Sprung aus der Jugendkapelle in die „große Musik“ geschafft, die ersten Musikantenschritte machen in der Zwergerlkapelle rund 40 Kinder im Grundschulalter. Die Gründungsväter hätten es sich sicher niemals träumen lassen, dass „ihre Musikanten“ nicht nur zu kirchlichen Anlässen, Konzerten und Gaufesten, sondern eines Tages sogar beim Staatsempfang des russischen Präsidenten Dmitri Medwedew am Münchner Flughafen (2009), bei der Grünen Woche in Berlin (2011), oder bei der Meisterfeier des FC Bayern in München (2014) musikalisch mitwirken würden.

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Seit den Anfängen vor 65 Jahren hat sich vieles verändert und weiterentwickelt: die Besetzung, das Repertoire und die Dirigenten. Auf den Gründer Albert Pfaffenzeller folgte 1965 Max Kempinger, sein Nachfolger wurde 1978 Paul Kempinger, im Jahr 2000 übernahm Wolfgang Kink die Verantwortung und seit fünf Jahren heißt der Dirigent Sebastian Graf. Über 15 Jahre hat Wolfgang Kink die musikalischen Aktivitäten der Kapelle gestaltet und die Wildenwarter Musikkapelle zu dem gemacht, wie sie sich heute den Zuhörern präsentiert: Eine traditionsreiche bayerische Blaskapelle mit dem Charme eines Kurorchesters und der Brillanz einer Militärkapelle, die auch vor schwierigen Aufgaben aus der heutigen Musikszene nicht zurückschreckt. Unter der Stabführung von Dirigent Sebastian Graf oder in der kleineren Besetzung ist sie für die Wildenwarter Ortsvereine und die Vereine der Umgebung zu den verschiedensten Anlässen da.

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Der Verein hat keine Nachwuchssorgen

Gespielt wird im Fasching, bei Waldfesten, Gaufesten, beim Preisplattln, Maibaumaufstellen und beim Jahrtag, bei Hochzeiten, Geburtstagsständchen und Beerdigungen. Für öffentliche Auftritte, die stets in Tracht stattfinden, entschied sich die Kapelle für die „Miesbacher Joppe in Grün“ und den Miesbacher Hut mit Adlerflaum. Die Frauen – seit 1998 mit von der Partie – tragen ein festliches, schwarzes Dirndl und einen eigens kreierten „Wildenwarter Musikerhut“.

2002 entstand der Musikförderverein Wildenwart mit dem Ziel, die Ausbildung der jungen Musiker zu unterstützen und den Nachwuchs für die Kapelle intensiv zu fördern. Sorgen muss man sich deswegen aber keine machen: Aus Frasdorf und Prien gibt es reichlich Mädchen und Burschen in den Nachwuchsreihen. Um ihre Ausbildung kümmert sich engagiert Eva-Maria Gruber, über deren Jugendarbeit unsere Zeitung bereits berichtete.

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Mit viel Engagement und Eigenleistung baute sich die Musikkapelle ein Musikhaus als Probenraum direkt neben der Wildenwarter Grundschule, 2015 wurde es eingeweiht. Von der Idee, den ersten Planungen und dem endgültigen Bauplan von Kaspar Steindlmüller bis zur Fertigstellung und Einweihung vergingen gerade einmal zwei Jahre. 4000 Arbeitsstunden wurden von freiwilligen Helfern als Eigenleistung erbracht. 180000 Euro wurden verbaut.

Wenige Musikkapellen wird es wohl in Bayern geben, über die bereits ein Buch verfasst wurde. Gabriele Pfaffenzeller, Enkelin des ersten Musikmeisters von Wildenwart, hat als Arbeit für ihr Staatsexamen die Geschichte der Blaskapelle unter dem Titel „Wia de Zeit vergeht“ beschrieben. reh

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