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Verein mit langer Tradition

Stell dir vor, die willst feiern, darfst aber nicht: Der TSV Bernau wird 100 Jahre alt

100 Jahre TSV Bernau 1921: Für die Festschrift des Vereins „malten“ viele Mitglieder die Zahl 100 auf den Rasen des Sportplatzes.
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100 Jahre TSV Bernau 1921: Für die Festschrift des Vereins „malten“ viele Mitglieder die Zahl 100 auf den Rasen des Sportplatzes.
  • Ulrich Nathen-Berger
    VonUlrich Nathen-Berger
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Bernau – Alles begann im Jahr 1920, als zwei Handvoll junge Leute sich regelmäßig für leichtathletische Übungen in Bernau trafen. Daraufhin beschlossen der Kaufmann Hans Oppelt, dem das Gebäude der späteren Gaststätte Talfriede gehörte, der damalige Bürgermeister Georg Furtner und der Arzt Dr. Walter Deinlein, einen Turnverein zu gründen. Das war die Geburtsstunde des Turnvereins Bernau.

Die ersten Mitglieder: Bedienstete der damaligen Gefangenenstrafanstalt sowie Handwerksgesellen, heißt es in der Chronik. 100 Jahre später würden die Mitglieder des Turn- und Sportvereins gerne ihr Jubiläum feiern. „Geht aber nicht“, bedauert der Erste Vorsitzende, Professor Dr. Ansgar Schwirtz, im Interview mit der Chiemgau-Zeitung. Der guten Stimmung im Verein täte das aber keinen Abbruch, versichert der 62-jährige Sportwissenschaftler.

100 Jahre TSV Bernau – ein Jubiläum, dass nicht gefeiert werden darf. Wie geht der Verein damit um?

Professor Dr. Ansgar Schwirtz

Professor Dr. Ansgar Schwirtz: Im Moment sind wir froh, dass die Corona-Krise so etwas wie ein Zwischentief hat und wir wieder Sport treiben können. Wir hatten uns schon im Mai entschieden, die Hauptveranstaltung abzusagen, weil wir die Chancen zur Durchführung nicht gesehen haben. Aber wir sind jetzt eher Optimisten als Pessimisten, weil es doch besser läuft, als erwartet.

Wie sieht’s aus mit kleineren Aktionen? Geht da was?

Schwirtz: Wir haben jetzt endlich im Sportheim unsere Jahreshauptversammlung durchziehen können. Alle Fußballmannschaften trainieren wieder auf unserem Sportplatz, was sich sehr schön bemerkbar macht, wenn Kinder, Jugendliche und Erwachsene auf dem Fußballfeld herumwuseln. Ähnlich geht’s in der Sporthalle ab. Gerade bei den Kindern und Jugendlichen sehen wir einen hohen Bedarf, wieder trainieren zu können.

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Wie sehr hat die Pandemie bislang den TSV gebeutelt in puncto Mitgliederzahl oder Aktivitäten?

Schwirtz: Eindeutig in den Bereichen, in denen Neuanmeldungen erforderlich sind wie bei den Schwimmern: Dort gibt’s jetzt etwa 50 Mitglieder weniger. Eigentlich eine normale Fluktuation, denn wer in den Kursen das Schwimmen gelernt hat, verlässt in der Regel den Verein wieder. Was fehlt, sind die Neuen. Der allgemeine Mitgliederaustritt bis Ende 2020 hielt sich mit etwa 40 in Grenzen. Einen spontanen Zuwachs bemerken wir derzeit leider nicht. Wenn die coronabedingte Situation so bleibt – das heißt, wenn wir unseren Sport in allen Bereichen ausüben dürfen – rechnen wir damit, im Herbst wieder unsere normalen Mitgliederzahlen zu erreichen. Fazit: Wir waren auf dem Weg zu 1400 Mitgliedern, jetzt liegt die Zahl bei etwa 1300.

Hat es solch massive Einschnitte in der Geschichte des TSV Bernau schon einmal gegeben? Abgesehen von den Kriegszeiten…

Schwirtz: Nein, in dieser Form noch nicht. In den vergangenen Jahrzehnten haben wir uns stetig positiv entwickelt und immer nur einen Mitglieder-Zugewinn gehabt. Jetzt läuft’s anders herum – aber im Vergleich zum bayernweiten Trend bei den Vereinen sind wir noch ganz gut weggekommen.

Was waren in der Vereinsentwicklung die herausragendsten historischen Ereignisse?

Schwirtz: Der Verein wurde am 12. August 1921 als Turnverein Bernau gegründet. Das herausragendste Jahr für uns ist sicherlich 1946, in dem wir Fußballer aufgenommen haben. Andere Vereine hatten sich nicht einigen können, wir haben dann eine neue Fußballabteilung gegründet. Aus dem TV wurde der TSV, der Turn- und Sportverein Bernau. Die Entwicklung zum Spartenverein hat uns in den Folgejahren gutgetan. Wir bieten mittlerweile ein breites Spektrum an Sportarten an mit Aikido, Eishockey, Fußball, Tischtennis, Tennis, Turnen, Volleyball und Schwimmen. Die Bereiche Volleyball und Basketball haben wir nicht neu gegründet, sondern in die Abteilung Turnen integriert.

Immerhin treiben 1300 Bernauer offenbar regelmäßig Sport. Mit Blick auf die restliche Bevölkerung: Wie bewerten Sie als Sportwissenschaftler deren Zustand? Zu unsportlich? Zu träge? Falsch ernährt?

Schwirtz: Der allgemeine Trend hält an, dass es vielen Menschen an Bewegung mangelt und die Ernährung nicht angepasst ist. Das ist nichts Neues. In dieser Pandemie-Zeit ist allerdings zu bemerken, dass dieser Zustand nicht allen völlig gleichgültig ist. Nach den ersten Monaten weiterer Trägheit häuften sich zum Beispiel beim TSV die Anfragen nach Online-Kursen wie auch nach individueller Beratung für die Sportauswahl. Das Bedürfnis nach sportlicher Betätigung schätze ich in Bernau als recht hoch ein, vor allem bei Kindern und Jugendlichen.

Das heißt, für den TSV wirkt das als Selbstläufer – da ist Werbung nicht nötig…

Schwirtz: …die Werbung läuft sozusagen intern, da wir die Schulen im Rücken haben und auch Aufmerksamkeit durch Veranstaltungen erzielen. Trotz Corona haben wir im Juni unter dem Motto „Bernau bewegt sich“ einen Familiennachmittag mit verschiedenen Fitness-Stationen organisiert. Das war selbst in der Pandemie-Zeit ein guter Werbefaktor.

Welche mittel- und langfristigen Ziele hat sich der Verein gesteckt nach seinen ersten 100 Jahren?

Schwirtz: Wir wollen an unseren Angeboten festhalten, vor allem weiterhin unsere 600 Kinder und Jugendliche betreuen, da sind wir stolz drauf. Im Moment tun wir uns etwas schwer, das gesamte Spektrum zu halten, zum Beispiel in der Tischtennisabteilung. Sie ist in der Altersstruktur etwas in die Jahre gekommen – da suchen wir entsprechenden Nachwuchs wie auch im Bereich Basketball. Wir wollen Spiel und Spaß erhalten – aber auch modern sein. Dazu gehört unter anderem die Überarbeitung unserer Homepage, um uns aktueller und moderner zu präsentieren. Zudem wollen wir unsere Sportstätten erhalten wie das Schwimmbad Bernamare, unsere tolle Sporthalle oder unsere Sportplätze, die jetzt mit Flutlicht erweitert werden.

Was macht ein Hochschulprofessor, der sich beruflich den ganzen Tag mit Sport beschäftigt, abends auch noch ehrenamtlich, wenn die Luft mal raus ist?

Schwirtz: Diese Zeiten gibt es auch für mich. Aber im Sinn der Sache bin ich ein absoluter Vereinsmeier. Ich bin in Vereinen und Sporthallen groß geworden, hatte schon mit 14 meinen Übungsleiterschein und lebe meinen Traumberuf. Da gibt’s nicht viel zu beklagen…

…und was ist Ihre Traum-Sportart?

Schwirtz: Fußball. Allerdings musste ich vor 20 Jahren, als wir von Freiburg hierher gezogen sind, meiner Frau versprechen, mit dem Fußballspielen aufzuhören, um mehr Familie leben zu können. Denn wenn, geht’s bei mir nur mit voller Leidenschaft, dann wäre ich nur noch unterwegs.

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