Trotz Corona: Ökumenische Gräbersegnung auf dem Priener Friedhof genehmigt

Allerheiligen 2014: Klaus Hofstetter als neuer katholischer Pfarrer in Prien bei der Gräbersegnung.
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Allerheiligen 2014: Klaus Hofstetter als neuer katholischer Pfarrer in Prien bei der Gräbersegnung.

„Gemeinsam unser Christ-Sein bezeugen“: Katholische und evangelische Christen werden morgen an Allerheiligen gemeinsam auf dem Priener Friedhof ihrer Verstorbenen gedenken. Im Interview mit der Chiemgau-Zeitung macht der katholische Pfarrer Klaus Hofstetter deutlich, wie wichtig ihm die Ökumene ist.

Prien – Die gelebte Ökumene in der Marktgemeinde macht es morgen am katholischen Hochfest Allerheiligen wieder möglich, dass katholische und evangelische Christen gemeinsam auf dem Priener Friedhof ihrer Verstorbenen gedenken. Ihre Pfarrer Klaus Hofstetter und Karl-Friedrich Wackerbarth werden sich auch heuer Andacht und Gräbersegnung teilen. Im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung macht Pfarrer Hofstetter unter anderem deutlich, wie wichtig ihm die Ökumene ist.

Wie wird es auf dem Friedhof unter Corona-Bedingungen ablaufen?

Pfarrer Klaus Hofstetter: Nach Gesprächen zwischen der Bayerischen Staatsregierung, dem Katholischen Büro Bayern und dem Evangelischen Landeskirchenamt wurde für Gottesdienste der Kirchen im Freien die Begrenzung auf 200 Personen aufgehoben. Gefordert sind Mund-Nasen-Schutz, Zusammenbleiben im Familienverbund und Abstand wahren. Wir werden die Andacht etwas kürzer machen, frisches Weihwasser segnen und dann nur auf den Hauptwegen gehen und die Gräber segnen.

Was ist der Grundgedanke, der hinter dem gemeinsamen Totengedenken beider Konfessionen steht?

Pfarrer H: Angesichts des Todes sind alle Menschen gleich, daher gibt’s keinen Grund dafür, eine Gräbersegnung nur konfessionell zu machen.

Sie haben nach Ihrem Amtsantritt in Prien im Oktober 2014 die ökumenischen Bestrebungen von Ihrem Vorgänger Bruno Fink übernommen. Wie haben Sie das für sich persönlich erlebt?

Pfarrer H: Sehr schön und sehr gut. Nach meinem Amtsantritt galt mein erster Besuch dem Bürgermeister, am zweiten Arbeitstag habe ich meinen evangelischen Kollegen Karl-Friedrich Wackerbarth besucht. Wir hatten sofort ein sehr tiefes angenehmes Gespräch. Die Ökumene liegt mir sehr am Herzen: Ich bin in einer ökumenisch ausgerichteten Gemeinschaft, der Fokular-Bewegung, aktiv. Im Studium habe ich in meiner Abschlussarbeit über die Ökumene geschrieben.

Warum ist sie Ihnen so wichtig?

Pfarrer H: Gerade in dieser Zeit, in der die Bindung der Christen an ihre eigene Kirche schwindet und deren Strahlkraft in der Gesellschaft schwächer wird, ist es umso wichtiger, dass wir gemeinsam unseren Glauben und unser Christ-Sein bezeugen. Darum habe ich mich auch so eingesetzt für die Gründung der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen Chiemsee (ACK). Aber mir sagen schon Katholiken, „Herr Pfarrer, Sie machen zu viel Ökumene“. Meine Antwort: „Ach, schön, es wird wahrgenommen.“

Steht die katholische Kirche in Ihren Bestrebungen hinter Ihnen?

Pfarrer H: (Lachend) Wenn der katholische Kardinal Reinhard Marx mal begrüßt wurde als Herr Kardinal Bedford-Marx (Kardinal Marx und der evangelische Landesbischof Bedford-Strom haben Anfang Oktober den Augsburger Friedenspreis erhalten; Anm. d. Red.), dann fühle ich mich nicht alleine mit meinem ökumenischen Herzen.

Wie soll die Ökumene hier in Prien weiter gestaltet werden?

Pfarrer H: In der ACK-Satzung ist geregelt, dass aus jeder Mitgliedsgemeinde – katholisch, evangelisch oder neuapostolisch – ein Delegierter vertreten ist. Darunter sind auch junge Menschen, nicht nur alte Hasen, die seit Jahrzehnten Ökumene machen. Jetzt gibt es von der katholischen Kirche die Möglichkeit, dass in konfessionsverbindenden Ehen auch der evangelische Partner oder die Partnerin die Kommunion empfangen kann nach einem Gespräch mit dem Seelsorger. Zwei solcher Gespräche hatte ich bereits. Wir haben hier in Prien eine gelebte Ökumene unter anderem mit solchen Selbstverständlichkeiten wie die Ökumenische Sozialstation oder das ökumenisches Taizé-Gebet. Aber: Wenn sich etwas bewegt und an Profil gewinnt, gibt’s natürlich auch Gegenwind. Da suche ich dann gerne das Gespräch..

Wie war das für Sie, als Sie zum ersten Mal einen protestantischen Pfarrer hinter einer katholischen Messdienerschar beim Segnen haben gehen sehen?

Pfarrer H: (Lachend) Ich habe ihm danach gesagt, Kalle, Du siehst von Deiner Statur her katholischer aus als ich… Ich finde es toll, dass es ihm als evangelischen Pfarrer taugt - und schön, wenn wir uns bereichern..

Interview: Ulrich Nathen-Berger

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