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Spezielle Instrumente nötig

Orgel in Ettendorfer Kircherl in Traunsteiner ist 350 Jahre alt, Spenden sollen sie fit halten

Robert Schlegl (links) zieht hier als Kalkant die Blasebalge auf, damit Kirchenmusiker Manfred Müller auf der Ettendorfer Orgel spielen kann. So war es früher. Heute gibt es aber auch einen Motor als Unterstützung. Bittner
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Robert Schlegl (links) zieht hier als Kalkant die Blasebalge auf, damit Kirchenmusiker Manfred Müller auf der Ettendorfer Orgel spielen kann. So war es früher. Heute gibt es aber auch einen Motor als Unterstützung. Bittner
  • VonHans-Joachim Bittner
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Ein oberbayrisches Idyll ist das Ettendorfer Kircherl in Traunstein. Doch es birgt auch Schätze, wie die 350 Jahre alte Orgel. Mit einem turbulenten Weg, der jetzt in einer Crowdfunding-Aktion mündet.

Traunstein-Ettendorf – Sie ist einzigartig. Bayernweit einmalig. Und alt. Richtig alt. Von 1669. „Das steht fest“, sagt Kirchenmusiker Manfred Müller nicht ohne Stolz. Die Kirchenorgel in Ettendorf hat mittlerweile über 350 Jahre überlebt.

Der Traunsteiner Müller lernte vor zehn Jahren den aktuellen Reichenhaller Kulturpreisträger Robert Schlegl kennen und schätzen. Aus dieser freundschaftlichen Verbindung entstand ein Projekt, um dem historischen „Instrument“ die entsprechende Würdigung zu verleihen.

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Zusammen mit vier noch anzuschaffenden Instrumenten – einem Zink und je einer Barock-Alt-, Tenor- und Bass-Posaune in der Stimmtonhöhe der Orgel – rückt die Ettendorfer Kirchenorgel jetzt ins Zentrum eines Crowdfunding-Projektes (siehe Kasten).

Gemäß dem Jahr der Erbauung soll auf der Ettendorfer Orgel Musik aus dieser Zeit erklingen, sind sich Müller und Schlegl einig. Schließlich hatten die Komponisten der damaligen Zeit ein ganz anderes Klangverständnis und Raumgefühl – eben passend zu ihrer Epoche.

Abschrift aus dem Jahr 1668 entdeckt

Manfred Müller berichtet, dass im Pfarrbüro-Archiv ein Orgelbau-Vertrag gefunden worden war. Es handelte sich um eine zeitgenössische Abschrift des Originals aus dem Jahr 1668. Beauftragt durch eine Corpus Christi-Bruderschaft, die für ihre Versammlungen einen Betraum (Oratorium) in St. Oswald besaß.“

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„Die Bruderschaft hatte Geld. Das alles ist im Vertrag dokumentiert.“ Zum Osterfest 1669 wurde das Instrument von Orgelbauer Hans Vogl, der später sogar in Traunstein lebte, persönlich aus Neuötting nach St. Oswald geliefert. Dort stand die Orgel jedoch lediglich bis 1675, weil die spätgotische Kirche abgerissen wurde. Das historische Werk setzte seinen Weg fort, zunächst in die Salinenkapelle am Karl-Theodor-Platz. „Das war ein großes Glück, denn die neuerbaute St. Oswald-Kirche brannte 1704 nieder“, informiert Müller.

Weg quer durch Traunstein

Bis 1770 diente die Salinenkapelle als Orgel-Heimat, ehe sie in die St. Georg Katharina-Kirche im Traunsteiner Stadtpark gebracht wurde – „transferiert auf die Gothsacker Kirch“ steht auf der großen Pfeife. 1830 kam sie schließlich und „endlich“ nach Ettendorf und fand am Rande der Kreisstadt Traunstein ihre „Ruhe“ – seit nun 190 Jahren.

Vor gut 17 Jahren begann die Renovierung des beeindruckenden Instruments. Umfangreiche Recherchen waren nötig – über ein Jahr lang: Archive wurden durchforstet, Fachleute der verschiedensten Richtungen konsultiert und enge Abstimmungen mit dem Denkmalamt getroffen. 2005 fand die Arbeit an der Orgel ihren erfolgreichen Abschluss.

Viele Details noch im Original erhalten

Das Orgel-Pfeifenwerk befindet sich noch zu zwei Dritteln im Originalzustand. „Das ist in Bayern kein zweites Mal in dieser Form zu finden. Die Register- und Manualzüge, die Traktur und die Tastatur – alles ist im Original vorhanden“, sagt der Kirchenmusiker. Lediglich das Untergehäuse mit den beiden Bälgen wurde nachgebaut, natürlich originalgetreu. Die Pfeifen sind von Hand gegossen, aus einer bis heute üblichen Blei-Zinn-Legierung.

Orgel soll zu hören sein

Die historische Aufführungspraxis lebt von Instrumenten, die alten Stücken nachempfunden beziehungsweise detailgetreu kopiert sind, weil es nicht mehr so viele alte Instrumente gibt. „Dass wir mit der Orgel in Ettendorf ein echtes historisches Werk stehen haben, ist natürlich einzigartig. Sie dürfte die älteste von bayernweit fünf ähnlichen Instrumenten sein“, sagt Schlegl. Selbst aus dem 18. Jahrhundert gibt es nur noch ganz wenige Kirchenorgeln, und selbst dann meist nicht mehr im Originalzustand, ergänzt Müller.

Heute kommen Busse voll mit interessierten Menschen, die sich die im Wert unermessliche Orgel nicht nur ansehen, sondern auch anhören wollen.

Crowdfunding-Aktion

Über 16000 Euro sind notwendig, um vier spezielle Instrumente kaufen zu können, die begleitend zur historischen über 350 Jahre alten Ettenorfer Kirchenorgel spielen können. Instrumente, die man kaum noch kennt: Das wären ein Zink als Sopran-Instrument, mit Grifflöchern wie bei einer Flöte und einem Mundstück wie bei einer Trompete. Dazu käme eine Alt-, eine Tenor- und eine Bass-Posaune in der historischen Bauart aus dem 17. Jahrhundert, stilistisch optimal zur Entstehungszeit der Orgel passend. Damit wäre es möglich, beispielsweise einen vierchörigen Vokalsatz zu spielen.

In der Region gibt es neben dem Reichenhaller Musiker das Grassauer Bläserensemble, das diese Instrumente gut spielen kann. Die Grassauer Musikanten finden die Projekt-Idee sehr gut und unterstützen sie ebenfalls. „Ganz normale“ Bläser können diese Spielweise ebenfalls rasch lernen. Die Orgel soll künftig nicht mehr nur zwei oder drei Mal im Jahr zu besonderen Konzerten zum Einsatz kommen, sondern – letztlich von den „neuen“ Posaunen begleitet – ihre verdiente Würdigung durch viele Besucher erfahren.

Noch bis 27. März läuft auf der Internet-Seite www.vrbank-obb-so.viele-schaffen-mehr.de/ettendorfer-kircherl die Spendenaktion.

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