Jugendpflegerin Petra Breutel im Gespräch

Auf der Suche nach Raum für Bands: Traunsteiner Jugendtreff platzt aus allen Nähten

Derzeit ist der Jugendtreff in beengten Räumlichkeiten am Traunsteiner Stadtplatz vis-à-vis vom Rathauskomplex untergebracht. Effner
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Derzeit ist der Jugendtreff in beengten Räumlichkeiten am Traunsteiner Stadtplatz vis-à-vis vom Rathauskomplex untergebracht. Effner
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„Früher hatten wir hier um die 150 Besucher pro Woche“: Dann kam die Corona-Pandemie, dann der Lockdown. Über die Situation im Traunsteiner Jugendzentrum sprach die Chiemgau-Zeitung mit der Stadtjugendpflegerin Petra Breutel.

Von Axel Effner

Traunstein – Wie geht es in Traunstein mit einer attraktiven Einrichtung für Jugendliche weiter, die möglichst viele Bedürfnisse abdeckt? Im neuen Jahr will der Familienausschuss des Stadtrats dazu im Gespräch mit Experten der Stadt und Mitgliedern des Jugendbeirats die Vorstellungen ausloten und Pläne für eine Neukonzeption an anderer Stelle diskutieren. Aktuell ist der Jugendtreff in beengten Räumlichkeiten am Stadtplatz vis-à-vis vom Rathauskomplex untergebracht. Die Chiemgau-Zeitung sprach mit Petra Breutel, der Jugendbeauftragten der Stadt, über die aktuelle Situation und Anliegen für den neuen Jugendtreff.

Wieviel Jugendliche besuchen den Jugendtreff der Stadt Traunstein in Rathausnähe?

Petra Breutel: Seit dem 1. Dezember mussten wir Corona bedingt schließen und konnten keine Präsenzangebote mehr machen. Wir hoffen, so schnell wie möglich wieder Beratungsangebote machen zu können, weil das für die Jugendlichen sehr wichtig ist. Vor der Schließung waren so 20 bis 25 junge Menschen in der Woche und täglich zwischen vier und zehn bei uns im Jugendtreff. Die geringe Zahl liegt hauptsächlich an den räumlichen Einschränkungen aufgrund der Hygienebedingungen. Früher hatten wir um die 150 Besucher pro Woche, darunter zwei Drittel Stammbesucher, viele davon aus anderen Orten.

Welche Altersgruppen kommen denn?

Breutel: Wir haben junge Gruppen von 12 bis 15 Jahren, die eher im Büro waren, und daneben Besucher bis etwa 24 Jahre, die sich in den ehemaligen Café-Räumen nebenan getroffen haben.

Welche Aktivitäten und Angebote für Jugendliche habt ihr bisher im Jugendtreff angeboten?

Breutel: Es passiert hier sehr viel. Wir haben etwa einmal in der Woche zusammen gekocht, auch internationale Spezialitäten aus Italien, Syrien oder Afghanistan. Es gab Airhockey-, Billard- und Kickerturniere, regelmäßige Treffen einer Gruppe des Strategiekartenspiels Yugioh, Präventionsparcoure für Drogen und Alkohol in Kooperation mit der Caritas, Themenpartys oder auch eine Hausversammlung. Bei der merken die Jugendliche, wie sie durch persönliches Engagement auch an Veränderungen mitwirken können. Vieles wird von den Jugendlichen selbst organisiert. Zur Bundestagswahl im nächsten Jahr wollen wir in Kooperation mit dem Bayerischen Jugendring eine U-18-Wahl veranstalten.

Besteht Interesse oder Bedarf an Musikangeboten oder Bandräumen?

Breutel: In jedem Fall. Wir hatten ein Jahr lang einen Mitarbeiter des Freiwilligen Sozialen Jahrs, der selbst Musik gemacht und bei uns Keyboard-Unterricht gegeben hat. Dazu gab es Karaoke-Abende und wir haben auch Konzerte überlegt, aber das war in diesen begrenzten Räumen und aufgrund der Lärmempfindlichkeit in dieser Lage sehr anstrengend und schwierig.

Wieviel Platz habt ihr denn zur Verfügung?

Petra Breutel, Jugendpflegerin der Stadt Traunstein und Leiterin des Jugendzentrums.

Breutel: Das ehemalige Café hat 60 Quadratmeter mit kleiner Küche und Toilette. Daneben gibt es das Jugendbüro als Infoportal für Vereins- und städtische Angebote, Computerspiele sowie für Hausaufgabenbetreuung, Beratungsgespräche, Bewerbertraining und ähnliches. Insgesamt stehen 192 Quadratmeter zur Verfügung. Wie ich 2013 begonnen habe, hat das Raumangebot noch gepasst. Inzwischen platzen wir aus allen Nähten.

Wer ist denn in die Leitung des Jugendtreffs eingebunden?

Breutel: Ich bin als Stadtjugendpflegerin mit der Leitung des Treffs beauftragt, bin beim Ferienprogramm beteiligt und stelle die Vernetzung zu anderen Organisationen her. Zudem arbeitet meine Kollegin Niki Willner beim Jugendtreff mit und Mihad Beganovic unterstützt uns als Streetworker. Er hält als Ansprechpartner die Verbindung zu einer Gruppe von Jugendlichen, die sich nicht in den Jugendtreff einfügen konnten und die sich jetzt an anderen Orten treffen. Er leistet in der Prävention wertvolle Arbeit.

Ist angesichts des zunehmenden Einflusses durch Soziale Medien, Stress, schwierige Selbst- und Berufsfindung und Familienverhältnisse an ein stärkeres Gewicht von sozialpsychologischen Beratungsangeboten gedacht?

Breutel: Wir haben sehr viele Jugendliche mit psychischen Problemen. Es gab eine Zeit, da hatten wir auffällig viele Mädchen, die sich geritzt haben. Täglich gibt es Beratungsgespräche, auch, um die jungen Leute zu ermutigen, im Bedarfsfall professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Das ist ein großer Teil unseres Tagesgeschäfts, der uns mitunter personell an die Grenzen führt. Besonders an Stoßtagen mit bis zu 100 Leuten passiert sehr viel, was eine Praktikantin zu dem Kommentar verleitet hat, bei uns sei es viel spannender als in den vielen TV-Jugendserien.

Werden Sie beziehungsweise der Jugendtreff mitunter auch zum Ausgleich für die Situation in manchen Familien?

Breutel: Das ist nicht so selten unter unseren Besuchern. Sie wollten den Jugendtreff schon zum „second home“ (zweites Zuhause) umbenennen. Da spielen unterschiedlichste Faktoren eine Rolle.

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Haben Sie selbst angesichts des umfangreichen und schwierigen Aufgabenspektrums Ansprechpartner für Hilfe?

Breutel: Wir besprechen viel im Team, können Supervisions-Angebote nutzen oder können uns an die Mitarbeiter der Jugendarbeit im Landratsamt oder – bei strategisch-politischen Fragen – beim Bayerischen Jugendring wenden.

Wo besteht aus Ihrer Sicht noch Raumbedarf?

Breutel: Bandräume sind meiner Meinung nach in jedem Fall wichtig. Da gibt es immer wieder Anfragen von Jugendbands. Traunstein hatte in diesem Bereich mal eine sehr aktive und auch erfolgreiche Szene. Es gab bis vor einiger Zeit Möglichkeiten beim Studienseminar St. Michael. Das ist jetzt aber aus Brandschutzgründen nicht mehr gestattet. Größere Multifunktionräume für Veranstaltungen, Tanzpartys oder Theater wären wünschenswert. Die Erfahrung zeigt, dass die Jugendlichen viel aus sich heraus entwickeln, wenn man Angebote macht. Es gibt verschiedene Szenen im Jugendtreff, am Skaterplatz im Gewerbepark Kaserne oder im Dirtpark unterhalb von Sparz für Biker.

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