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Bei Wohnungsnot und Energiekrise

Wie viel Denkmalschutz braucht es noch im Landkreis Traunstein?

Nicht auf jedem Dach sind Solaranlagen erlaubt. Manchmal steht der Denkmalschutz der Installation einer Solaranlage entgegen.
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Nicht auf jedem Dach sind Solaranlagen erlaubt. Manchmal steht der Denkmalschutz der Installation einer Solaranlage entgegen.
  • Jens Kirschner
    VonJens Kirschner
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Es fehlt an bezahlbaren Wohnungen, die Energiepreise steigen. Wie viel Denkmalschutz ist noch notwendig, wenn er im Zweifel verhindert, dass neuer Wohnraum entsteht und Solaranlagen auf Dächern geschützter Gebäude installiert werden dürfen. Traunsteins Heimatpfleger Dr. Christian Soika erklärt die Grenzen.

Traunstein – Zu wenig bezahlbarer Wohnraum und nun auch noch eine schwelende Energiekrise. Die Versuchung, den Denkmalschutz beim Hausbau und der Installation von Solaranlagen hintanzustellen ist groß. Im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen spricht Traunsteins Kreisheimatpfleger, Dr. Christian Soika, Interessenskonflikte zwischen Häuslebauern und der Denkmalpflege, aber auch über Kompromisse, die hier möglich sind.

Gerade bei Fotovoltaik kommt es ja immer wieder zu Interessenkonflikten zwischen Eigentümern und der Denkmalpflege. Mit Blick auf die Versorgungsengpässe bei Energie durch den Krieg in der Ukraine: Gibt es hier einen goldenen Weg für beide Seiten?

Dr. Christian Soika: Da werden Sie von jedem Heimatpfleger eine andere Meinung hören. Ich finde, dass Fotovoltaik schon ein Erfordernis der Zeit ist. Wo ich mir so etwas nicht vorstellen kann, – vielleicht noch nicht – ist auf Kirchen. Das sind einfach unsere Topdenkmäler. Hier bin ich in meinem Alter auch anders geprägt.

Man kann auch als Argument für Solarzellen anführen, dass es in 100 Jahren vielleicht andere Techniken gibt, um Energie zu gewinnen, sodass die Solaranlagen erlässlich sind und wieder entfernt werden können. Man muss wirklich im Einzelfall entscheiden, ob es notwendig ist, ein Denkmal so nachhaltig in seiner Optik zu stören. Das macht eben die Schwierigkeit aus.

Andererseits gibt es ja auch immer wieder Konfliktlinien in Sachen bezahlbarer Wohnraum. Wie gehen Sie mit diesem Thema um?

Soika: Das verhält sich ähnlich wie bei der Sanierung oder dem Umbau von Gebäuden. Ein Denkmal hat nun mal bestimmte Vorgaben, die vom Landesamt für Denkmalpflege vorgegeben sind. Zumindest der Charakter des Denkmals muss erhalten bleiben. Und damit sind natürlich gewisse Grenzen gesetzt.

Kreisheimatpfleger Dr. Christian Soika.

Wo liegen bei der Heimatpflege die aktuellen Schwerpunkte?

Soika: Es geht um die Erhaltung der gewachsenen Kulturlandschaft. Heimat ist ein sehr vielschichtiger Begriff, den es so nur im Deutschen gibt. Heimat ist geprägt von Natur und Landschaft wie auch von Menschen. Dies in die Zukunft zu übertragen, ist die große Verantwortung.

Diese gewachsene regionale Kultur zu erhalten, aber trotzdem den Anforderungen der neuen Zeit zu begegnen und das miteinander zu verschmelzen. Das ist die große Aufgabe.

Wie schwierig gestaltet sich diese „große Aufgabe?

Soika: Wie erwähnt, geht es derzeit oft um die erwähnten Solaranlagen auf Dächern. Diese sind sicherlich notwendig, verändern aber das Bild eines Denkmals gewaltig. Hier muss man im Einzelfall entscheiden, was wichtig ist. Man muss auch schauen, dass man es mit der Tradition nicht übertreibt.

Was meinen Sie?

Soika: Beispielsweise junge Leute, die zu Volksfesten Trachten tragen. Eine Beobachtung, die man vor 30 Jahren noch nicht machen konnte. Aber, ob das noch viel mit Tracht zu tun hat, ist die andere Frage. Andererseits ist diese Erscheinung natürlich auch erfreulich.

Sie ist ein Zeichen, dass man sich mit Bayern identifiziert und die regionale Tradition bewahren will. Man muss aber vielleicht manchmal darauf achten, dass diese Kleidung mit traditioneller Tracht nichts zu tun hat. Es ist traditionelle bayerische Kleidung, welche die letzten Jahrzehnte erst entstanden ist. Aber man will da auch nicht den Oberlehrer spielen.

Sondern?

Soika: Man freut sich, dass generell der Bezug zur Heimat wieder da ist. Das Wort „Heimat“ ist allgegenwärtig und offensichtlich auch positiv besetzt. Auch das war vor 30, 40 Jahren noch ganz anders. Damals hatte „Heimat“ eher etwas Rückständiges und Hinterwäldlerisches.

Was meinen Sie, woran liegt das?

Soika: Ich kann das zunächst nur erfreut feststellen. Vielleicht ist es eine Gegenbewegung zur Globalisierung, die für viele mit Ängsten verbunden ist. Deshalb bezieht man sich wieder mehr aufs Regionale. Quasi als Rückendeckung für die eigene Lebensgestaltung. Warum dies jetzt derart aufblüht, kann ich konkret auch nicht sagen.

Gibt es für Sie eine Schmerzgrenze, ab der man sagen müsste: Hier sind wir fernab von Heimat und stattdessen bei Kitsch und Kommerz?

Soika: Das haben Sie jetzt recht negativ ausgedrückt. Generell halte ich es für positiv, dass man überhaupt wieder Tracht trägt. Auf dem Oktoberfest ist es ja fast schon ein Muss. Natürlich sehen viele die bayerische oder die traditionelle Heimatpflege darin, dass sie bei ihren Häusern Gartenzäune aus Wagenrädern bauen. Das muss natürlich nicht sein.

Was spricht dagegen?

Soika: Man will dieses Alpenländische in die Architektur einbinden. Aber das hat es früher auch nicht gegeben. Ein Wagenrad ist für einen Wagen da und nicht als Bauelement für einen Gartenzaun. Ich will den Leuten hier auch keinen Vorwurf machen, aber zumindest darauf aufmerksam, dass so etwas mit der Kultur Voralpenlandes nichts zu tun hat.

Gibt es derzeit Dinge im Landkreis, bei denen Sie den Eindruck haben, hier ist Ihnen Ihre Mission Heimatpflege besonders gut geglückt?

Soika: Ja, etwa die reiche Museumslandschaft, die in den vergangenen Jahren entstanden ist. Mehrere Gemeinden haben ein Dorfmuseum ins Leben gerufen, wo örtlich bezogene Überbleibsel und Relikte an die Vergangenheit gesammelt werden und als Schatzkämmerchen der Gemeinde aufbewahrt werden.

Oder die Maxhütte in Bergen: ein riesen Industriekomplex, der über Jahrhunderte die bayerische Industrie und Wirtschaft maßgeblich geprägt hat. Ebenso erfreulich ist die Entwicklung im Bereich der Bodendenkmalpflege, die in vergangener Zeit einen Aufschwung erlebt hat. Auch durch die Bautätigkeit, bei der immer mehr Relikte gefunden werden.

Wo sehen Sie in den kommenden zehn Jahren die nächsten großen Herausforderungen für die Denkmal- und Heimatpflege?

Soika: Im Wandel der Landschaft, der eng mit dem Umweltgedanken zu tun hat. Inwieweit kann und muss unsere Landschaft umgewandelt werden, durch zunehmenden Industrie- und Gewerbegebiete? Und wie gestaltet man diese? Ich meine, man braucht natürlich Gewerbegebiete.

Es ist aber die Frage, ob es viele kleine sein sollen oder ein großer, nicht so schöner Fleck, der dann sein muss, aber dafür viele andere Stellen nicht berührt. Auch hier muss man im Einzelfall abwägen, es gibt nicht die eine klare Richtung. Man muss auf die Erfordernisse der neuen Zeit auch eingehen. Die Herausforderung ist, dass man auch in der Öffentlichkeit klarmacht, wie wichtig diese regionale Kultur ist. Auch für den Tourismus, einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor, ist das wichtig.

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