Hotel und Restaurant auch in anderer Hinsicht vor ungewisser Zukunft

„Fast nur auf, um Flagge zu zeigen“: Wie sich das Traunsteiner Parkhotel durch die Krise schlägt

Sie sind mit einer Räumungsklage des Hauseigentümers konfrontiert: Josef Rappl (links) und Krisztian Kovacs. Rappl führt das Traunsteiner Parkhotel, Kovacs das Restaurant „s‘Kocherl“
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Sie sind mit einer Räumungsklage des Hauseigentümers konfrontiert: Josef Rappl (links) und Krisztian Kovacs. Rappl führt das Traunsteiner Parkhotel, Kovacs das Restaurant „s‘Kocherl“
  • Xaver Eichstädter
    vonXaver Eichstädter
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Der Betrieb wurde erst heuer neu übernommen, nun muss man wieder in den Stand-By-Modus: Parkhotel und „s‘Kocherl“ kämpfen sich durch die Corona-Krise - doch sie werden auch vom Hauseigentümer mit der Räumung bedroht.

Traunstein - 2020 war wohl wirklich kein ideales Jahr, um ein Hotel und ein Restaurant zu übernehmen - doch ans Aufgeben denken Josef Rappl und Krisztian Kovacs keinesfalls. „Wir haben uns im Sommer gut darauf vorbereitet, durchzuhalten. Aber irgendwann brauchen wir ein Licht am Ende des Tunnels“, so beide übereinstimmend im Gespräch mit chiemgau24.de. Rappl übernahm im März 2020 das Parkhotel, im August stellte dann Kovacs das Restaurant unter dem Namen „s‘Kocherl“ auf neue Beine.

Parkhotel Traunstein: „Lehrlingen ist die Branche inzwischen zu unsicher“

Seit etwa zehn Wochen dürfen Restaurants nicht mehr öffnen, Hotels nur noch Geschäftsreisende aufnehmen. „Natürlich läuft das schleppend. Wir machen fast nur auf, um Flagge zu zeigen. Und in der Hoffnung, dass diese Gäste später wieder kommen werden“, so Josef Rappl. 28 Angestellte arbeiten in den beiden Betrieben, alle wohnhaft in Traunstein. Sie alle plagen Ängste um die Zukunft und um die Gehälter - gerade jetzt zum Jahresbeginn. „Und wir merken: es wird schwer, Lehrlinge zu finden. Diese Branche ist vielen inzwischen zu unsicher“, berichtet Hotelleiter Rappl.

Hotelleiter Rappl (links) und Restaurantleiter Kovacs.

Ein wirklicher Lichtblick war dagegen der Sommer. „Wir konnten fast jeden Abend die Tische zweimal besetzen. Und vor allem kurz vor der Schließung hat der Laden nochmal richtig gebrummt, sogar die Nebenräume waren belegt“, berichtet Krisztian Kovacs, der auch das Café Schiller schräg gegenüber führt. Froh ist er, dass durch das neue Konzept im „Kocherl“ jetzt auch vor allem jüngeres Publikum kommt und das Restaurant eigenständig vom Parkhotel wahrgenommen wird. Ähnlich im Hotel: „Viele Urlauber, die eigentlich ins Ausland wollten, haben Geschmack gefunden und haben teils schon fürs nächste Jahr gebucht“, so Josef Rappl.

Räumungsurteil gegen Leitung von Hotel und Restaurant

Es sind aber nicht nur die unsicheren Corona-Zeiten, die die Leiter von Parkhotel und „Kocherl“ plagen, sondern auch ein handfester Rechtsstreit. Der Hauseigentümer ging vor Gericht, im Oktober ist ein Räumungsurteil ergangen. Demnach müssten Rappl und Kovacs raus. Es geht um Details im Mietvertrag, aber auch um unterschiedliche Ansichten, wie Hotel und Restaurant geführt werden sollen. Berufung beim Oberlandesgericht wurde bereits eingelegt. Gegenüber chiemgau24.de lässt der Hauseigentümer nur verlauten, dass „das Hotel immer das erste Haus am Platze bleiben wird“, dafür werde er sorgen - nur: unter welcher Leitung?

„Wenn ich nicht weiß, ob ich drinbleiben kann, werde ich mir alle weiteren Investitionen zweimal überlegen“, sagt Restaurantleiter Kovacs. Denn Pläne hätte er: Den Spielplatz am Biergarten will der Wirt groß erweitern, den Personalbestand aufstocken, Küche und Tischsystem modernisieren. „Aber unter so einem Damoklesschwert trifft man solche Entscheidungen nicht.“ Schon vor Eröffnung im Sommer hatte er zum Beispiel einen Holzboden im Biergarten verlegt, den Außenbereich ausgebaut und innen für ein zeitgemäßeres Ambiente gesorgt.

„Wir werden juristisch bis zur letzten Instanz kämpfen“

Hauptmieter des Parkhotels ist das Hofbräuhaus Traunstein. Auch Josef Schumacher, Geschäftsführer der Brauerei, positioniert sich in dem Fall eindeutig: „Josef Rappl ist mit insgesamt 245 Zimmern der erfolgreichste Hotelier im Chiemgau und Krisztian Kovacs seit Jahren ein nicht weniger anerkannter Gastronom in Traunstein. Wir werden für den guten Ruf der beiden juristisch bis zur letzten Instanz kämpfen.“ Es sei „völlig unverständlich“ warum der Hauseigentümer die beiden Pächter „grundlos hinauskündigen“ wolle - auch deshalb, weil der Hauseigentümer viele leerstehende Objekte besitze.

„Aufgrund fehlender Investitionen des Eigentümers ist das Parkhotel schon lange nicht mehr das erste Haus am Platze“, so Schumacher gegenüber chiemgau24.de weiter. Der Zimmer-Standard sei veraltet, Wellness Fehlanzeige. „Es drängt sich schon fast der Gedanke auf, dass das Areal Spekulation einer Innenstadt-Bebauung sein könnte.“

Wie also geht es weiter für Parkhotel und „s‘Kocherl“? Im ersten Schritt ist man abhängig von den Gerichten und den Corona-Entscheidungen der Politik in München und Berlin. Denn Josef Rappl und Krisztian Kovacs sind sich einig: „Wir wollen wieder Gastgeber sein und keine Kontrolleure der Hygienevorschriften. Unsere Mitarbeiter fragen sich schon: Sind wir Hotel- und Restaurantangestellte oder Sheriffs?“

xe

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