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Prozess gegen Drogenbande aus dem Landkreis Altötting

Was weiß der Engelsberger? „Kein Mensch ist so naiv“ – Freispruch gefordert

Am 16. August steht der Angeklagte aus Garching in Traunstein vor Gericht.
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Der Gerichtsprozess zieht sich nun seit zwei Monaten: Vier Männer aus dem Landkreis Altötting sollen als Bande Drogen verkauft haben.
  • Sascha Ludwig
    VonSascha Ludwig
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  • Daniela Haindl
    Daniela Haindl
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Traunstein, Landkreis Alötting – Im Prozess gegen vier Drogendealer aus dem Landkreis Altötting beginnt der achte Verhandlungstag. Heute (16. August) plädiert einer der Anwälte des 39-jährigen Garchingers für seinen Mandanten. Am 31. August soll dann das Urteil fallen.

Update, 12.40 Uhr - Was weiß der Engelsberger? - Freispruch gefordert

Der Wahl-Verteidiger des Garchingers, Dr. Adam Ahmed, fährt im Anschluss mit seinem eigenen Schlussantrag fort. Zunächst stellt der Verteidiger die Angaben in der Anklageschrift den Aussagen des Engelsbergers gegenüber: „Haben wir irgendwann gehört, wann es zu Absprachen innerhalb der Gruppierung gekommen ist? In der polizeilichen Vernehmung? Nein! In der Verhandlung? Nein!“ Kritik hagelt es für die Vernehmungsprotokolle; insbesondere für die Tatsache, dass nur die korrigierte Version seitens der Ermittlungsbehörden zur Verfügung gestellt worden sei. „Ich hätte mich schon gerne selbst davon überzeugt, ob die Korrekturen relevant gewesen sind“, so Dr. Ahmed gleich zu Beginn.

Versäumnisse bei den Ermittlungen? Engelsberger im Fokus der Verteidigung

Bereits vor der ersten Fahrt nach Bremen sei laut Angaben des Engelsbergers über das Thema Drogen ausführlich geredet worden. Äußerst widersprüchlich empfinde der Verteidiger dann die weiteren Aussagen, dass man ausschließlich zur Erholung in den Norden gefahren sei. Mit diesen Aussagen konfrontierte man den Mitangeklagten seines Mandanten allerdings nie. Laut Dr. Ahmed nur eines von vielen Beispielen. „Man hat einfach nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft, um zuverlässige Erkenntnisse zu erzielen. Damit kann auch ein Gericht einfach nichts anfangen. (...) Das sind doch Kernfragen – und die wurden einfach nicht gestellt“, richtet der Verteidiger seine Kritik an die Staatsanwaltschaft.

Und weiter: „Das ist aber schon so lange her, das weiß ich jetzt nicht mehr,“ höre man nun in der Verhandlung; in vielen Fällen verhindere dieser Umstand die lückenlose Aufklärung. „Natürlich gab es da Widersprüche - noch viel mehr hätte man rausgefunden, wenn nachgefragt worden wäre“, so Dr. Ahmed. Für den Verteidiger stehe dennoch fest, mit welcher Motivation der Engelsberger nach Bremen gefahren sei. Als „völlig unglaubhaft“ stuft Dr. Ahmed die Angaben des Engelsbergers ein, anfangs nicht gewusst zu haben, dass sich seine Beziehung mit seinem Mandanten um Drogenhandel drehte. „Kein Mensch ist so naiv!“ - der Verteidiger geht hier von reinen Schutzbehauptungen aus. Und auch den weiteren kritischen Fragen weiche der Engelsberger heute noch vehement aus oder erzähle ganz bewusst Unwahrheiten.

Hat sich die Gruppierung wirklich bandenmäßig organisiert?

„Jedes Puzzlestück muss am Ende des Tages ein Bild ergeben, das schlüssig ist“, so Dr. Ahmed weiter. Im Fall seines Mandanten könne er die Zusammenhänge erkennen – in Hinblick auf den Engelsberger allerdings nicht. Somit könnten die Aussagen des Engelsbergers größtenteils auch nicht dazu dienen, seinen Mandanten zu belasten. „Noch hat er die Möglichkeit, die Hosen runterzulassen; spätestens in seinem letzten Wort. Das wird er aber wohl nicht tun“, richtet Dr. Adam Ahmed sein Wort schließlich direkt an den Mitangeklagten seines Mandanten.

Als Bande hätten die insgesamt vier Angeklagten dennoch nicht gehandelt, denn: „Ich habe hier gar keinen Beitrag seitens meines Mandanten gehört, null“, zumindest als der Garchinger schon im Gefängnis gesessen habe, so der Verteidiger. Bei den ersten beiden angeklagten Geschäften müsse man aber erkennen, dass sein Mandant den Kontakt zwischen Bremen und Oberbayern hergestellt habe. „Das ist wenn auch alles, nicht mehr und nicht weniger“, eine Bandenbeteiligung seitens des 39-Jährigen könne er somit nicht erkennen, Auch das Landgericht Bremen habe bei der Verurteilung der Großdealer nie eine Band feststellen können.

Sofern eine Strafe für seinen Mandanten somit überhaupt in Betracht komme, spricht sich der Verteidiger letztlich für eine Unterbringung in einer Entzugsklinik aus. Aber Dr. Adam Ahmed folgt seinen Ausführungen und fordert Freispruch für seinen Mandanten. Zuletzt unterbricht die vorsitzende Richterin Jaqueline Aßbichler die Verhandlung für den heutigen Tag. Der Prozess wird voraussichtlich am 23. August um 9 Uhr fortgesetzt.

Update, 10.36 Uhr - „Eine Mischung aus Fakten und Spekulationen“ – Rechtsanwalt fordert niedrige Haftstrafe

Der Verhandlungstag am Landgericht Traunstein beginnt wie erwartet mit dem Plädoyer von Rechtsanwalt Karl-Heinz Merkl für seinen Mandanten, den 39-jährigen Angeklagten aus Garching. „Ich möchte mit einem Lob anfangen für den Staatsanwalt für sein Plädoyer“, so der Rechtsanwalt mit sarkastischem Unterton. Als „eine Mischung aus Fakten, Spekulationen und Interpretationen“ betitelt er zunächst die Ausführungen von Staatsanwalt Filipov, der eine hohe Haftstrafe für den Garchinger gefordert hatte.

Das war schon sehr spektakulär“, so der Verteidiger weiter, doch: Er fordert die Kammer dazu auf, die Handlungen seines Mandanten „ins Verhältnis zu setzen.“ So habe der Bremer Dealer viel mehr Betäubungsmittel umgesetzt – „fast schon tonnenweise“ – „da war die Gruppe Oberbayern nur ein kleiner Nebenaspekt“. Dies müsse bei der Strafzumessung entsprechend berücksichtigt werden. Karl-Heinz Merkl ergänzt: Die Stattsaanwaltschaft gehe wohl davon aus, dass sein Mandant bis zuletzt der Kopf der Bande gewesen sei. Dem sei allerdings nicht so, wie der Rechtsanwalt weiter ausführt.

Einschlägige Vorgeschichte, doch dann sollte der Ausstieg folgen

So sei der Garchinger zwar bereits seit 2002 polizeilich mit Drogengeschäften in Erscheinung getreten, soweit stimmt der Verteidiger der Staatsanwaltschaft zu. Nach der Verurteilung im Jahr 2020 habe sein Mandant dem Drogenhandel komplett abgeschworen; er wollte sein Leben neu ordnen. Der Zweck der ersten Fahrt nach Bremen sei somit von vorneherein klar gewesen. Und zwar die Geschäfte seines Mandanten an den Nachfolger innerhalb der Gruppe zu übergeben. Zudem könne nicht sicher festgestellt werden, an wen das sogenannte Encro-Chat-Handy in Bremen überhaupt übergeben worden sei. „Vorher ging es ja auch ohne, warum sollte sich daran also etwas ändern.“

Als schließlich die ersten Cannabis-Lieferungen aus Bremen in Oberbayern eintrafen, habe sein Mandant sich nicht mehr an den Handlungen beteiligt – bis auf eine kleine Provision als Entschädigung für seine Vermittlungsarbeit, so Rechtsanwalt Merkl weiter. Agierende Person sei dann immer der Nachfolger – der Angeklagte aus Engelsberg – gewesen. Für eine Banden-Abrede gebe es schließlich ebenso keinerlei Beweis. „Höchstens flüchtige Bekannte“, einen Mitangeklagten kenne sein Mandant gar nicht. Spätestens im Februar 2020 – mit Beginn der Chats zwischen Bremen und Oberbayern – sei sein Mandant „gänzlich raus“ gewesen; „das macht doch keinen Sinn, wenn der Boss der Bande in den Chats nicht mehr auftaucht“ argumentiert der Rechtsanwalt zugunsten des 39-Jährigen mit Verweis auf die Chat-Protokolle. Darin habe sich der Garchinger kein einziges Mal zu Wort gemeldet.

Stattdessen verweist der Rechtsanwalt auf den Engelsberger: Dieser habe die Geschäfte durchaus mit Freude und auch einem gewissen Geschick geführt. „Lesen Sie sich die Protokolle nochmal ordentlich durch“, so Karl-Heinz Merkl, und weiter: „Da merkt man, dass er nicht einfach so reingerutscht ist und es gar nicht dumm angestellt hat.“

Erstmeldung, Dienstag (16. August)

Seine Vorstrafenliste ist lang, und das gefiel nicht: So kannte Staatsanwalt Filiopov mit dem Angeklagten aus Garching in seinem Plädoyer am 5. August kein Mitleid. 12 Jahre Freiheitsstrafe forderte er für die bekannt gewordenen kriminellen Handlungen des 39-Jährigen – war der doch seiner Meinung nach der „Kopf der Bande“ gewesen. „Es sucht seinesgleichen, dass jemand mit solchen Vorstrafen nach Bremen fährt, um Betäubungsmittelhandel in erheblichen Umfang zu organisieren. Das muss entsprechend zu seinen Lasten berücksichtigt werden“, schloss Filipov seine umfangreiche Zusammenfassung. Eine Erklärung des Garchingers, die dieser noch kurz vor dem Plädoyer abgegeben hatte, sei mit den bisherigen Erkenntnissen nicht in Einklang zu bringen.

Lange Liste an Vorstrafen

Nur von dem Angeklagten aus Kastl waren dem Staatsanwalt weitere Vergehen bekannt, den Umfang der Taten des Garchingers konnte der Jüngere aber nicht übertreffen. Neben Drogenhandel im In- und Ausland war der 39-jährige Garchinger auch schon für Körperverletzung und Waffenbesitz vorbestraft worden. Während er auf den Haftantritt für ein früheres Vergehen wartete, hatte er für die Deals mit der Tätergruppierung in Bremen einen Vertreter für sich klar gemacht. Für die dann zustande gekommenen Deals habe er Provision von dem Engelsberger einkassiert. Ob dieser vor der ersten Fahrt nach Bremen von dem Garchinger in seine Pläne eingeweiht worden war? Die Aussagen gingen hier auseinander. Fest stünde laut Filipov nur, dass der Garchinger die Fahrt organisiert habe.

Großdealer bekam neun Jahre

Interessant wird heute, was die Verteidiger des angeklagten Garchingers in ihrem Plädoyer fordern werden. Dass die Karten ihres Mandanten schlecht stehen, scheint klar. Allein, dass der Großdealer der Bande in Bremen zu neun Jahren Freiheitsstrafe verurteilt wurde, könnte als Anhaltspunkt für die Höhen der anstehenden Freiheitsstrafen gewertet werden.

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