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„Unglaublich schwierige Situation für Wirtschaft“

Klartext auf Jahresversammlung der Kreishandwerkerschaft Traunstein-Berchtesgadener Land

Bundestagsabgeordneter Peter Ramsauer (rechts) und Kreishandwerksmeister Gerhard Kotter im Dialog über die heimische Wirtschaft und das Handwerk.
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Bundestagsabgeordneter Peter Ramsauer (rechts) und Kreishandwerksmeister Gerhard Kotter im Dialog über die heimische Wirtschaft und das Handwerk.

Mit 916 Mitgliedsbetrieben und 1758 Lehrverhältnissen weist die Kreishandwerkerschaft Traunstein-Berchtesgadener Land einen insgesamt positiven Trend in dem von den Verwerfungen der Corona-Krise und weiteren extremen Herausforderungen geprägten Berichtsjahr 2021 aus.

Von  Andreas Wittenzellner

Traunstein – Darüber informierte Kreishandwerksmeister Gerhard Kotter im Rahmen der Jahresversammlung die anwesenden Innungs-, Handwerks- und Wirtschaftsvertreter im Bildungszentrum der Handwerkskammer in Traunstein in seinem Jahresrückblick und seiner Vorschau zu den erwarteten Entwicklungen im laufenden Jahr. Der Kreishandwerksmeister betonte, dass die Herausforderungen in Sachen Corona enorm waren. „Aber wir sind an unseren Herausforderungen gewachsen“, betonte der gelernte Bäckermeister. Trotzdem sei keine Entspannung erkennbar: Rohstoffknappheit, unterbrochene Lieferketten und die hinzugekommene „neue Katastrophe“ mit dem Krieg in der Ukraine stellten ein enorm belastendes Umfeld auch für das Handwerk dar – eine eskalierende Inflationssteigerung hinzukommend.

In Bildung investieren

Kotter ging auch auf den hohen Fachkräftemangel ein, der durch Abwerbungen aus der Industrie noch verstärkt werde. Dabei sei das Handwerk gerade auch für das Gelingen der Energiewende ein unverzichtbarer Partner.

Erfreut zeigte er sich über die voranschreitenden Planungen und Baumaßnahmen der beiden Berufsschulen in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgaden. Priorität sei es, in die Bildung zu investieren. In der Berufsausbildungsmesse BIM wolle man in diesem Jahr wieder Präsenz zeigen und das Handwerk künftigen Schulabgängern umfassend und attraktiv präsentieren. Der Campus Chiemgau sei für das regionale Handwerk für die Weiterbildung auf höchstem Niveau unverzichtbarer Bestandteil.

„Politisch“ wurde es dann beim Vortrag des Gastredners. Die Handwerksvertretung hat den Bundestagsabgeordneten Peter Ramsauer, den heimischen, gewählten Direktkandidaten, eingeladen, der sich in den vergangenen über drei Jahrzehnten seines Mandats immer auch die Stärkung der heimischen Wirtschaft auf die Fahnen schrieb. Als einer von neun „verbliebenen“ Handwerksmeistern im Deutschen Bundestag benannte er das dortige strukturelle Ungleichgewicht zu Lasten des Handwerks – und das bei insgesamt 736 Abgeordneten.

Mobilität breiter aufstellen

„Zehn fette Jahre liegen hinter uns“, so der promovierte Betriebswirt und Müllermeister, wozu auch die Agenda 2010 beigetragen habe. Pandemie, Krieg und unterbrochene Lieferketten, der Lockdown in chinesischen Häfen sorge für enorme wirtschaftliche Probleme. „Das ist eine unglaublich schwierige Situation für die Wirtschaft.“ Der ehemalige Bundesverkehrsminister Ramsauer ging auf Investitionen in die heimische Wirtschaft ein. Diese täten auch dem Handwerk gut, wie er am Beispiel der Stärkung der regionalen Bundeswehrstandorte oder auch den Infrastrukturmaßnahmen in den heimischen Landkreisen betonte.

Mindestlohn, geringfügige Beschäftigungen aber auch die Frage, wie man mit der ausufernden Inflationsrate umgehe, waren weitere Themen seines Vortrages und nachfolgendem Dialog mit den Handwerksmeistern und Innungsvertretern. In der Diskussion betonte Alois Ortner von der Elektro-Innung die Bedeutung des Ausbaues der erneuerbaren Energien. In der Mobilität müsse man sich breiter aufstellen. Elektro-Obermeister Peter Müller forderte eine planbare, langfristige Förderung für private Wallboxen. Peter Schuhbeck, Obermeister der SHK-Innung Berchtesgadener Land monierte die Vergabepolitik von öffentlichen Aufträgen. Ehrenkreishandwerksmeister Peter Eicher senior ging auf die steigenden Energiepreise ein, die für einzelne Handwerkssparten langfristig existenzielle Probleme mit sich bringen könnten.

Bau-Innungs-Obermeister Bernhard Fuchs kritisierte die Förderkürzungen im Bereich der energetischen Gebäudesanierungen und zuerst zurückgenommene und dann reduzierte Förderungen für Neubauten sowie zu geringe Abschreibungssätze. Stellvertretender Kreishandwerksmeister Thomas Aigner fehlt in politischen Entscheidungen oft eine nachhaltige, langfristige Strategie: „Bei 9-Euro-Tickets wird Geld rausgeschmissen!“ Und auch Andreas Weinzierl, Traunsteiner Schreiner-Obermeister kritisierte „Hü- und Hot-Entscheidungen“ der Bundesregierung. Martin Kollmeier, Obermeister der Zimmerer-Innung forderte mehr Praktiker in der Politik und statt großflächiger Ausweisung neuer Baugebiete lieber innerstädtische Nachverdichtungen.

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Manuela Deneri, Leiterin der Geschäftsstelle der Kreishandwerkerschaft, ging im Nachgang auf die Jahresrechnung 2021 ein, die einen unverändert positiven Trend aufzeigte und mit einem Gewinn abschloss.

Dem Votum der beiden Rechnungsprüfer Yvonne Gaumont und Hermann Stadler schlossen sich die anwesenden und stimmberechtigten Innungsvertreter an und winkten das Zahlenwerk ohne Gegenstimme durch. Und auch der Haushaltsplan des laufenden Jahres fand die Zustimmung der Anwesenden und wurde einstimmig verabschiedet.

Turnusgemäß stand auch wieder die Wahl der Rechnungsprüfer an, für die sich wie in den Vorjahren Hermann Stadler und neu Rupert Steiner bereit erklärten. Beide wurden ohne Gegenstimme gewählt.

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