Traunstein/Ruhpolding: Angeblicher Betrug wegen Lokal-Pacht

Aus einem großen Karton bestand die „Buchhaltung“ eines früheren Wirts (59), angeklagt des Betrugs um die Pacht für ein Lokal in Ruhpolding. Das Schöffengericht Traunstein mit Richter Thilo Schmidt setzte den Prozess gestern wegen Erkrankung des Mannes aus. Wann das Verfahren von vorne beginnt, ist derzeit nicht bekannt.

Traunstein/Ruhpolding – Staatsanwalt Daniel Musin wirft dem 59-Jährigen vor, den zwischenzeitlich verstorbenen Eigentümer des Lokals um einen sechsstelligen Schaden, geprellt zu haben (wir berichteten). Eigentlich wollte das Gericht gestern einen weiteren Zeugen anhören. Der Angeklagte erschien zwar pünktlich, wurde aber wegen Krankheitssymptomen sicherheitshalber wieder nach Hause geschickt. Den Inhalt eines Umzugskartons voller Papier, als angebliche Buchhaltungsunterlagen des Ex-Gastronomens von der Polizei sichergestellt und sortiert, erläuterte der Richter gestern kurz, ehe er den Karton dem Verteidiger, Jörg Hintermayr aus Bad Endorf, übergab.

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In dem Behältnis befanden sich demnach fünf Quittungen des einstigen Vermieters, zahlreiche Rechnungen und jede Menge Schriftverkehr. Thilo Schmidt dazu: „Die Aussagekraft der Buchhaltungsunterlagen ist eher gering. Ganz unten in dem Karton gibt es Ansätze einer Buchhaltung, ein Kassenbuch – das aber nur über drei Monate geführt wurde.“ Für den neuen Prozess müsse die tatsächliche Schadenssumme nochmals errechnet werden.

Die Anklage nahm zunächst knapp 280 000 Euro an offenen Pachtbeträgen für die Zeit zwischen Frühjahr 2014 und April 2019 an. Die Nachberechnungen des Vorsitzenden erbrachten einen Pachtrückstand um die 150 000 Euro. Weitere Vorwürfe gelten hohen Privatentnahmen, illusorischen Schuldanerkenntnissen, nicht bezahlten Lieferantenrechnungen und unberechtigtem Verwenden einer fremden Bankkarte. Die Anklageschrift geht von dreifachem gewerbsmäßigem Betrug, acht Fällen der gewerbsmäßigen Untreue und einem Computerbetrug aus. Der 59-Jährigen gab sich bislang keiner Schuld bewusst und berief sich bezüglich der mutmaßlichen Pachtrückstände auf mündliche Vereinbarungen mit dem Ex-Eigentümer der Gaststätte. Außerdem behauptete er, häufig Barzahlungen geleistet zu haben.

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