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Prozess um versuchten Mord mit Auto am Landgericht Traunstein

Waldkraiburger raste mit 120 km/h in Gegenverkehr - Polizist: „Irgendwas stinkt zum Himmel“

Am Mittwochabend (23. März) ereignete sich auf der St2352 zwischen Mühldorf und Pürten ein schwerer Verkehrsunfall.
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Auf der St2352 zwischen Mühldorf und Waldkraiburg soll der Angeklagte im März 2022 bewusst in den Gegenverkehr gelenkt haben.
  • Christina Eisenberger
    VonChristina Eisenberger
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Traunstein/Mühldorf - Prozessauftakt am Landgericht Traunstein: Ein Waldkraiburger (21) soll mit Absicht in den Gegenverkehr gerast sein, um Selbstmord zu begehen. Jetzt steht der psychisch Erkrankte wegen versuchten Mordes vor Gericht.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Waldkraiburger soll mit Absicht in Gegenverkehr gerast sein
  • Er wollte Selbstmord begehen
  • Der Angeklagte leidet an einer Psychose
  • Er hörte Stimmen
  • Der 21-Jährige ist angeklagt wegen versuchten Mordes, gefährlicher Körperverletzung und schwerem gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr.

Update, 15 Uhr - Polizist: „Irgendwas stinkt zum Himmel“

Als Nächstes sagen ein Polizist und eine Polizistin aus. Sie waren die Streife, die als Erstes am Unfallort auf der St2352 eintraf. Bei der Alarmierung hieß es, dass eine Person abgängig sei. „Deswegen sind wir sehr schnell hin“, so der Polizist. 

Am Unfallort angekommen, waren aber schon wieder alle Beteiligten da. Der Angeklagte habe auf die Frage nach den Unfallbeteiligten sofort reagiert, schildert der Polizist: „Ich gestehe alles, ich war der Fahrer.“ Der Waldkraiburger sei laut eigenen Aussagen um die 120 km/h gefahren - obwohl nur 100 erlaubt sind. Außerdem behauptete er gegenüber dem Polizisten, dass ein technischer Defekt dazu geführt habe, dass das Auto nach links in den Gegenverkehr gefahren sei. 

„Das hat man fast nicht glauben können. Deswegen habe ich mehrmals nachgefragt“, so der Polizist. Dem Beamten kam der Vorfall komisch vor. „Der Angeklagte war drecknass, hat gezittert. Er hat auch gesagt, dass er im Inn war. Ich dachte, er hätte vielleicht Drogen genommen und wollte deswegen nicht mit der Wahrheit kommen.“ Doch Alkohol- und Drogentest sind beide negativ. „Man hat schon gemerkt, irgendwas stinkt zum Himmel. Ein normaler Verkehrsunfall war das nicht.“

Die Polizistin kümmerte sich währenddessen um den Fahrer des BMWs und dessen Lebensgefährtin, die hinter ihrem Freund in einem zweiten Auto fuhr, als der Angeklagte mit seinem Audi in den BMW krachte. „Der BMW-Fahrer war unter Schock. Er konnte nur angeben, dass der Audi immer weiter auf seine Fahrbahn gekommen ist“, so die Polizistin. Dem stimmte auch seine Lebensgefährtin zu, die den Unfall beobachten konnte. 

Am Donnerstag (15. Dezember) wird der Prozess gegen den 21-jährigen Waldkraiburger wegen versuchten Mordes fortgesetzt. Chiemgau24.de wird wieder aus dem Gerichtssaal berichten. 

Update, 13.05 Uhr - Beifahrer hatte Todesangst: Jetzt sagt die Polizei vor Gericht aus

Als ersten Zeugen hat das Gericht den ermittelnden Polizeibeamten aus Mühldorf geladen. Zunächst ging die Polizei von einem gewöhnlichen Verkehrsunfall aus. Am Tag nach dem Unfall hätten Angehörige den Waldkraiburger als vermisst gemeldet. „Hier kam auch auf, dass der Verkehrsunfall durch den Angeklagten vorsätzlich verursacht worden wäre, um sich das Leben zu nehmen“, so der Polizist. 

Das bestätigte auch der Beifahrer des Waldkraiburgers. Dieser hätte, laut eigenen Aussagen gegenüber dem Polizisten, Todesangst gehabt. Der Angeklagte konnte schließlich wieder aufgefunden werden und wurde in eine psychiatrische Klinik gebracht. 

Bei der Vorführung beim Richter habe der Waldkraiburger gesagt, er hätte den Unfall in Suizidabsicht verursacht und sei selbst schuld gewesen, erinnert sich der Polizist. Der Angeklagte habe Stimmungsschwankungen gehabt, sich auffällig verhalten. „Ich konnte seine Stimmung nicht einschätzen. Er war so unberechenbar.“ Für den Polizisten war klar: Da ist ein psychisches Problem. Der Angeklagte braucht ärztliche Hilfe. 

Doch wie stabil ist die psychische Gesundheit des Angeklagten? Bei der Vorführung soll der Waldkraiburger laut dem Protokoll gesagt haben, dass er eine Eingebung mit Gott gehabt und deswegen ins Leben zurück gefunden habe. 

Update, 11.18 Uhr - Waldkraiburger hörte Stimmen: „Es war mir egal, ob jemand getötet wird“

Verteidiger Harald Baumgärtl spricht für den Angeklagten. „Er erinnert sich überhaupt nicht an die Fahrt bis zum Unfall.” Der ganze Tag sei vollkommen ausgelöscht. Er sei erst aufgewacht, als die Fahrzeuge zusammengestoßen und stehen geblieben waren. Er erinnere sich, dass er in den Innkanal gesprungen sei. „Im Wasser ist mir gekommen, was ich da für einen Blödsinn mache. Deswegen bin ich zurück zur Unfallstelle”, so der Waldkraiburger.

Ob sich der Angeklagte an seine Aussage im April, ein paar Tage nach dem Unfall, gegenüber der Polizei erinnern könne, fragt eine beisitzende Richterin und liest die damalige Aussage des Angeklagten vor: „Ich wollte mich umbringen und bin mit 140 km/h gefahren.” Er sei in das andere Auto gefahren, habe Panik bekommen und sei in den Inn gesprungen. Er wolle zu seiner Tat stehen. „Ich habe es allein gemacht. Es war mir egal, ob dabei jemand verletzt oder getötet wird”, liest die beisitzende Richterin vor.

Ihm sei es zu dem Zeitpunkt der Aussage nicht gut gegangen, so der Angeklagte. „Heute geht es mir besser.” Bereits vor dem Unfall war der Waldkraiburger aufgrund einer Psychose in der Psychiatrie. Die verschriebenen Medikamente habe der 21-Jährige vorzeitig abgesetzt. Was der Angeklagte mit einer Psychose meine, fragt Staatsanwalt Richter. „Ich höre Stimmen, habe eine komische Wahrnehmung. Es ist surreal.” Laut dem Angeklagten wäre der Unfall nicht passiert, wenn er gesund gewesen wäre.

„Die Psychose hat Sie offenbar nicht davon abgehalten, einen klaren Gedanken zu haben”, so Vorsitzende Richterin Will. Denn: Am Tag nach dem Unfall rief der Angeklagte bei der Polizei an und gab an, dass ein technischer Defekt die Ursache des Unfalls gewesen sei. Der Waldkraiburger meint, er habe Angst gehabt und habe deswegen die falsche Aussage getroffen.

Update, 10.30 Uhr - Angeklagter rast mit Absicht in Gegenverkehr

Staatsanwalt Dr. Richter liest die Anklageschrift vor. Die Unternehmungen des Angeklagten aus Waldkraiburg am Abend des Unfalls, am 23. März 2022, klingen wie ein Abschied: In die Kirche gehen, am Haus der Exfreundin vorbeifahren, mit einem Freund gemeinsam den Sonnenuntergang beobachten und dann mit dem Auto durch die Gegend fahren. 

Noch während der Autofahrt - bei dem sein Freund als Beifahrer mit in dem Audi A4 saß - soll der psychisch erkrankte Waldkraiburger einen psychotischen Schub erlitten haben. Dabei soll er sich entschlossen haben, bei einem Frontalzusammenstoß mit dem Gegenverkehr, Selbstmord zu begehen. Auf der St2352 zwischen Mühldorf und Waldkraiburg lenkte er schließlich in einen entgegenkommenden BMW.

Hierbei habe der Beschuldigte tödliche Verletzungen seines Freundes und des entgegenkommenden Autofahrers billigend in Kauf genommen, verliest Staatsanwalt Richter. „Er nutzte auch die seit Beginn des Angriffs fortbestehende Arg- und Wehrlosigkeit der beiden gezielt aus. Die sich in Sicherheit wähnenden Geschädigten hatten daher keine Möglichkeit, dem Angriff auf ihr Leben zu entrinnen.“

Der Beschuldigte leide an einer Psychose. Er habe die zur Behandlung seiner Erkrankung erforderlichen Medikamente abgesetzt. Diese führte wohl zu dem psychotischen Schub. Seit dem Vorfall ist der 21-Jährige in einer Klinik untergebracht.

Der Waldkraiburger ist laut der Staatsanwaltschaft Traunstein verdächtig, „im Zustand der Schuldunfähigkeit“ dazu angesetzt zu haben, zwei Menschen zu töten. Der 21-Jährige ist angeklagt wegen versuchten Mordes, gefährlicher Körperverletzung und schwerem gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr. Infolge seines Zustandes seien laut Staatsanwaltschaft erhebliche rechtswidrige Taten zu erwarten. Deshalb sei er für die Allgemeinheit gefährlich.

Vorbericht

Am Abend des 23. März 2022 soll ein psychisch erkrankter Waldkraiburger beschlossen haben, Selbstmord zu begehen. Der 21-Jährige soll dazu auf der St2352 bei Mühldorf mit Absicht mit seinem Audi in den Gegenverkehr gefahren sein.

Der Fahrer des entgegenkommenden BMW reagierte geistesgegenwärtig. Er konnte nach rechts ausweichen und zumindest einen frontalen Zusammenstoß verhindern. Dennoch krachten die beiden Autos zusammen. Nur durch Zufall wurden der Beifahrer des Angeklagten und der BMW-Fahrer nicht schwer oder gar tödlich verletzt. Anstatt den Verletzten zu helfen, soll der Angeklagte aus dem Auto ausgestiegen und in den Innkanal gesprungen sein.

Der Waldkraiburger ist laut der Staatsanwaltschaft Traunstein verdächtig, im Zustand der Schuldunfähigkeit dazu angesetzt zu haben, zwei Menschen zu töten. Der 21-Jährige ist angeklagt wegen versuchten Mordes, gefährlicher Körperverletzung und schwerem gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr.

Am Donnerstag (8. Dezember) startet der Prozess am Landgericht Traunstein um 9.30 Uhr. Für die Verhandlungen sind drei Termine angesetzt.

***chiemgau24.de berichtet aus dem Gerichtssaal.***

Generell berichten wir nicht über Selbsttötungen, damit solche Fälle mögliche Nachahmer nicht ermutigen. Eine Berichterstattung findet nur dann statt, wenn die Umstände eine besondere öffentliche Aufmerksamkeit erfahren. Wenn Sie oder eine Ihnen bekannte Person unter einer existentiellen Lebenskrise oder Depressionen leidet, kontaktieren Sie bitte die Telefonseelsorge unter der Nummer: 0800-1110111. Hilfe bietet auch der Krisendienst Psychiatrie für München und Oberbayern unter 0800-6553000. Weitere Infos finden Sie auf der Webseite www.krisendienst-psychiatrie.de.

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